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Chinas Impfdiplomatie
Aus Rendez-vous vom 08.12.2020.
abspielen. Laufzeit 08:32 Minuten.
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Günstigere Impfstoffe Chinas Impfdiplomatie mit Risiken und Nebenwirkungen

Der chinesische Impfstoff ist besonders für ärmere Länder attraktiv. Für Peking winken mehr Ansehen und Einfluss in der Welt.

Der Impfstoff, sobald erhältlich, werde zu einem öffentlichen Gut für die ganze Welt. Dies versprach Xi Jinping an der Videokonferenz der Weltgesundheitsorganisation im Mai. Xi Jinping weckte damit vor allem bei Entwicklungsländern die Hoffnung, dass sie den Covid-Impfstoff gratis beziehen könnten. Im Oktober hingegen sagte der Chef der Impf-Taskforce von Chinas nationaler Gesundheitskommission, Zheng Zhongwei, man werde für den Impfstoff einen fairen und vernünftigen Preis verlangen.

Was ist also aus dem öffentlichen Gut für die ganze Welt geworden? Jacob Mardell vom Mercator Institute for Chinese Studies in Berlin erklärt dies so: «Ich sehe es eher als rhetorischen Trick. China nennt vieles, was es im Ausland unternimmt, ein globales öffentliches Gut. Das sieht man auch bei Projekten der ‹Belt and Road›-Initiative. China möchte sich mit solchen Aussagen als globale Führungsnation präsentieren.»

Moderna und Pfizer: Impfstoffe für die reichen Länder

Dass China etwas für den Impfstoff verlangen werde, sei aber realistisch, findet Mardell. Immerhin: Die chinesischen Impfstoffe dürften deutlich günstiger sein als die meisten Impfstoffe der westlichen Pharmakonzerne.

Und: «Die Impfstoffe von Pfizer oder Moderna sind nicht nur teurer, die Logistik ist schwieriger. Ausserdem werden diese Impfungen von einer Handvoll reicher Länder aufgekauft. Das heisst, für viele ärmere Länder könnten nur noch die chinesischen Impfungen übrigbleiben.»

Mann im Labor
Legende: Bild aus dem Labor der chinesischen Firma Sinovac, die einen Covid-Impfstoff entwickelt: Bis Ende 2021 will China zwei Milliarden Impfstoffdosen in die ganze Welt liefern. Reuters

Weil China im eigenen Land selbst kaum positive Fälle verzeichnet, lässt China seine Impfstoffe im Ausland testen, zum Beispiel in Brasilien oder Pakistan. Im Gegenzug sollen diese Länder bei der Impfstoff-Lieferung bevorzugt behandelt werden. Auch Länder in Afrika sollen von günstigen Konditionen profitieren.

Kritik an China: Erste Impfungen und parallel klinische Studien

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China hat bereits im Sommer Notfallzulassungen für mehrere Covid-19-Impfstoffe bewilligt. Drei Firmen erhielten bisher die Genehmigung: Sinopharm, ein Staatsbetrieb, hat zwei Impfstoffkandidaten. Sinovac und Cansino sind private Unternehmen, letzteres arbeitet aber mit der wissenschaftlichen Akademie des Militärs zusammen. Erste Impfungen wurden an Gesundheits- und Armeepersonal durchgeführt.

Gleichzeitig zu den ersten Impfungen in der chinesischen Bevölkerung liefen die klinischen Studien an. Freiwillige in 16 Ländern an, darunter Serbien, Pakistan und Brasilien, nehmen an den Tests mit chinesischen Impfstoffen teil. In Brasilien ist ein international bekanntes Impfinstitut an der Studie beteiligt. Verlässliche Resultate werden bald erwartet.

Die Vorstudien haben zwar nichts Auffälliges bezüglich Nebenwirkungen berichtet – es tauchten etwa Kopf- und Muskelschmerzen oder leichtes Fieber auf –, aus den klinischen Wirksamkeitsstudien sind aber noch keine Resultate bekannt. Dass China aber bereits Menschen gegen Covid-19 impfte, bevor die Nebenwirkungen geklärt sind, sorgte international für Kritik. (haet)

Davon verspreche sich China einen Image-Gewinn, sagt Eric Olander, Mitgründer des Onlineportals «The China Africa Project»: «Stellen Sie sich die Bilder vor. Flugzeuge der Air China vollbepackt mit Impfstoffen landen in Addis Abeba in Äthiopien. Der Diplomatie-Gewinn wäre enorm.»

Chinas sogenannte Impfdiplomatie sei aber nicht ohne Risiken, erklärt Eric Olander: «Es gibt immer noch sehr viel Skepsis in Afrika gegenüber ‹Made in China›. China hat in vielen Entwicklungsländern einen schlechten Ruf, was die Qualität seiner Produkte angeht.» China wird auch deshalb wohl alles daran setzen, dass die Impfdiplomatie ein Erfolg wird, und es sich als weltweit führende Nation präsentieren kann.

Keine Konkurrenz aus den USA in armen Ländern

«China hat den Vorteil, dass die US-Regierung nicht einmal versucht, in diesem Gebiet ein Player zu sein», sagt Huang Yanzhong, Experte für Global Health der US-Denkfabrik Council on Foreign Relations. Die USA nehmen nicht einmal am von der WHO unterstützten Impfprogramm Covax teil, China dagegen schon.

China könne sich damit einmal mehr als Land präsentieren, das einen weltweiten Beitrag leiste, sagt Huang. Und: «Chinas Teilnahme an Covax könnte bei der Vermarktung von chinesischen Impfstoffen helfen. Eine zukünftige Unterstützung durch die WHO würde den chinesischen Impfstoffen international Legitimität verleihen.»

Rendez-vous, 8.12.2020, 12.30 Uhr

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Robert Altwegg  (trebor)
    Nein, bin ich nicht, Herr Meier. Mit der Bezeichnung „Jahrhundert-Virus“ nenne ich eine Seuche, deren Dimension etwa alle hundert Jahre stattfindet. Letztmals war das die Spanische Grippe im Jahre 1918. Der Ausbruch der jetzigen Pandemie mit vielen Toten fand nachweislich in Wuhan/China statt. Über die in grosser Zahl in Norditalien tätigen chinesischen Wanderarbeiter, gelangte das Virus nach Europa und nicht umgekehrt, wie Sie es darstellen.Die WHO schweigt darüber, um China nicht zu verletzen.
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  • Kommentar von Klaus Albrecht  (notabene)
    Sind eigentlich die bei uns zuzulassenden Impfstoffe nach massiv verkürzter Erprobungs und Zulassungszeit wirklich frei von Risiken und Nebenwirkungen für UNS PATIENTEN...? Und sind sie nur dadurch besser weil sie aus dem Westen stammen? Ist generell alles was aus unserem Dunstkreis stammt besser? Sind wir in unserer Betrachtungsweise vielleicht doch manchmal etwas einseitig, auch wenn wir uns als die Mehrheit wähnen ....?
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    1. Antwort von Daniel Gion  (dgion)
      Frei von Risiken und Nebenwirkungen ist kein Medikament die Frage ist gross diese sind. Langzeitschäden können erst in 5, 10 Jahren beurteilt werden Es gilt wie überall eine Risiko- Nutzen Abwägung zu machen. Diese sieht natürlich bei einem 80 Jährugen mit Bluthochdruck und Diabetec ganz anderst aus wie bei einem gesunden 20-Jährigen. Bei der Spanischen Grippe umgekehrt hätte man wohl eher die Jüngeren zuerst geimpft weil diese hauptsächlich starben ...
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  • Kommentar von Semat Özen  (Semat)
    Am 23. Januar wurde die Stadt Wuhan von der Regierung vollkommen gesperrt alle übrigen Provinzen folgten diesen Beispiel bis zum 10. Februar. unter der totalen Abriegelung konnten die Chinesen nicht im Inland reisen durften dennoch in den Ausland gehen. in der Tat hat die chinesische Regierung im Februar strenge Quarantäne Regelung eingeführt, der Welt immer versicherte, dass sie den Ausbruch unter Kontrolle haben und ermutigte den Internationalen Reisende aus chinesischen Städten zu Reisen.
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