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Zunahme der Gewalt gegen ältere Menschen in Australien
Aus SRF 4 News aktuell vom 04.03.2021.
abspielen. Laufzeit 06:06 Minuten.
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Häusliche Gewalt in Australien Coronakrise: Wenn die Kinder aus Frust ihre Eltern verprügeln

In «Down Under» zeichnet sich ein Trend ab. Dort, wo Shutdown herrscht, werden mehr Opfer häuslicher Gewalt gemeldet.

Die Corona-Pandemie, und besonders der Shutdown, führen zu mehr Fällen von häuslicher Gewalt, auch in Australien. Nichtregierungsorganisationen berichten, insbesondere die Gewalt gegen ältere Menschen – jüngere Familienmitglieder, die ihre Eltern schlagen – habe deutlich zugenommen.

Zum Beispiel seien die beiden 65 und 64 Jahre alten Michael und Leslie Taylor letztes Jahr von ihrem 34 Jahre alten Sohn mit einem Hammer erschlagen worden, sagt Urs Wälterlin, SRF-Mitarbeiter in Australien. «Das ist leider kein Einzelfall: Elf Fälle von Morden an über 55-Jährigen durch jüngere Familienmitglieder wurden im vergangenen Jahr registriert.»

Kein Job, keine eigene Wohnung

Auch Senioren-Nothilfe-Dienste melden ein Anstieg der Hilferufe. «Die Fälle von Misshandlung älterer Australierinnen und Australier sind an einem Ort um fast 60 Prozent angestiegen», weiss Wälterlin. Dafür, dass sich die zunehmende Gewalt besonders gegen ältere Menschen richtet, sei unter anderem die Situation um Covid-19 verantwortlich, sagen Experten.

Denn viele junge Erwachsene haben im Zuge der Pandemie ihre Arbeit verloren und müssen ihre Wohnung aufgeben. Viele ziehen zurück zu ihren Eltern. «Und da entwickeln sich dann aus Frustration und Zukunftsangst, gepaart mit alten Spannungen, Konflikte», erklärt der Korrespondent. Und diese entlüden sich manchmal auch in Gewalt gegen die Verwandten.

Keine Orte, um sich anzuvertrauen

Hilfsangebote und Prävention sind in Zeiten von Corona schwer zu erreichen. «Es gibt mehrere karitative Organisationen, die Hilfe anbieten. Die sind aber nur übers Telefon erreichbar», sagt Wälterlin. Persönliche Hilfe im direkten Kontakt mit Leuten oder eine Stelle, die man aufsuchen kann, gebe es kaum.

Auch andere Orte, an denen sozialer Kontakt möglich wäre, waren und sind in bestimmten Teilen des Landes coronabedingt geschlossen – etwa Bibliotheken und Gemeindezentren. «Das führt für die betroffenen Menschen zu einer zusätzlichen Isolation: Sie können sich niemandem mehr anvertrauen ausserhalb des Haushaltes, in dem auch der Täter oder die Täterin wohnt.»

Coiffeursalons spielen eine wichtige Rolle

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Coiffeursalons spielen eine wichtige Rolle
Legende: Keystone/Symbolbild

Bei der Früherkennung von Gewalt gegen Ältere in Australien sind Besuche beim Coiffeur offenbar entscheidend, wie SRF-Mitarbeiter Urs Wälterlin feststellt. «Es ist tatsächlich so, dass Coiffeuren eine äusserst wichtige Rolle zukommt in dieser Situation. Viele Kundinnen und viele Kunden vertrauen sich ihrem Coiffeur mit ihren Problemen an, die sie zu Hause haben. Mehr vielleicht noch als gegenüber Bekannten und Freunden. Manchmal sind es nur Signale. Etwa wenn der Coiffeur fragt: ‹Wie geht es Ihnen?› Und die Kundin dann nur zögernd antwortet, merkt dieser, da ist was nicht gut, und er fragt vielleicht nach. Es gibt sogar inzwischen Coiffeurinnen und Coiffeure, die entsprechende Kurse genommen haben im Erkennen von Warnsignalen häuslicher Gewalt.» Oft seien die Coiffeure auch der einzige Ort, an dem Menschen Körperkontakt erlebten.

Einzelne Bundesstaaten hätten inzwischen ein Bewusstsein für die zunehmende Problematik entwickelt. «Australien hat aber noch ein viel grösseres Problem», sagt Wälterlin – nämlich die Frage, wie das Land mit seinen älteren Menschen generell umgeht. «Da muss man sagen: furchtbar.» Bei einer Langzeitstudie sei diese Woche herausgekommen, dass in Alters- und Pflegeheimen katastrophale Zustände herrschten. Vernachlässigung, Verwahrlosung, miserable Ernährung, Gewalt seien dort endemisch.

Und das sei, sagen Experten, eine Folge der fast kompletten Privatisierung des Sektors in den letzten Jahren. «Es wird an Personal gespart», kritisiert Wälterlin. Die Suche nach Lösungen werde allerdings schwierig, «weil ein doch sehr gewinnsüchtiger und politisch gut vernetzter Sektor an seinen hohen Profit auf Kosten der alten Menschen gewöhnt ist».

Hier finden Sie Hilfe in der Corona-Zeit

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Corona beschäftigt uns alle. Unten finden Sie eine Liste mit Hotlines und Ratgebern rund um Corona.

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Dureschnufe, Link öffnet in einem neuen Fenster: Plattform für psychische Gesundheit rund um das neue Coronavirus

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Pro Juventute, Link öffnet in einem neuen Fenster, Hotline für Kinder- und Jugendliche: 147 (24x7)

Schweizer Sorgen-Telefon, Link öffnet in einem neuen Fenster: 143 (24x7)

Suchthilfe Schweiz, Link öffnet in einem neuen Fenster: Hotline für Jugendliche im Lockdown 0800 104 104 (Di. bis Do. 9 bis 12 Uhr)

Branchenhilfe.ch, Link öffnet in einem neuen Fenster: Ratgeberportal für Corona betroffene Wirtschaftszweige

SRF 4 News, 04.03.2021, 06:20 Uhr;

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Es ist furchtbar wenn man solche Zeilen lesen muss. Was denken solche Menschen nur? Dabei tun die Eltern ja alles für ihre Sprösslinge, damit sie überleben können. Sie denken wohl nicht daran, was sie jetzt Sääen, die Saat einmal gegen sie richten wird, denn auch sie werden älter. Was für eine Gesellschaft entwickelt sich hier?
  • Kommentar von Sebastian Köhler  (Tekk)
    Ich denke diese Probleme haben wir auf der ganzen Welt, dazu kommen psychische Probleme von Kindern und Gewalt an diesen da viele Eltern durch den Lockdown in existenzieller Not leben, auch hier bei uns. Wie wir an diesen Punkt kommen konnten und immer noch davon überzeugt sind das wir mit unsere Vorgehensweise alles richtig machen, ist mir ein Rätsel.
    1. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Die für die Studien zum Kindswohl in der Krise zuständige Kinderpsychiaterin vom UKE Hamburg äusserte bei Drosten in der Maskenfrage das Fazit, sie fühle sich (wörtlich) ,hin- und hergerissen zwischen Kindswohl und Infektionsschutz' - aber (kleinlaut) letztendlich entscheide letzterer. Ich weiss nicht, kann man sie bei dieser Aussage in Schutz nehmen mit dem Umstand, dass es bei Drosten war und Lothar Wieler zugegen war. Prof. Klaus Püschel (ebenfalls vom UKE): "Wir haben Kinder eingesperrt!"