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Boris Johnson in einer Zwischenbilanz
Aus Echo der Zeit vom 02.10.2021.
abspielen. Laufzeit 03:44 Minuten.
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Halbzeit-Bilanz als Premier Der Geschichtenerzähler Boris Johnson

Boris Johnson hat ein Talent, über das nur wenige Politiker verfügen. Er bringt die Menschen zum Lachen. Kermit der Frosch, habe sich getäuscht, sagte Johnson kürzlich vor der UNO-Vollversammlung. Grün zu sein, sei gar nicht so schwer, wie der Frosch immer behauptet habe. Dies zeige die Klimapolitik Grossbritanniens.

Mit dieser Pointe erheiterte Johnson die Welt in New York, mit der Realität zu Hause hatte sie jedoch wenig zu tun. Der Kollaps des britischen Tankstellen-Netzes und die steigenden Gaspreise zeigen, wie schmerzhaft das Vereinigte Königreich immer noch von fossilen Brennstoffen abhängig ist.

Die Episode zeigte vor allem eines: Der Premierminister ist ein Journalist geblieben. Eine gute Geschichte ist ihm immer noch wichtiger, als eine Strategie – und gelegentlich selbst als die Wahrheit.

Slogans statt Lösungen

Die Methode wird von der Opposition regelmässig unterschätzt. Während sich Labour unter Keir Starmer in internen Grabenkämpfen verstrickt, bespielt Johnson die grosse Arena. Mit vielversprechenden Slogans wie «Take back control» und «Global Britain» hat er seine Tories zum Erfolg geführt. Die Pandemie hat den Premierminister fast das Leben gekostet, aber sie hat ihn auch geschützt. Dass seine Wahlversprechen bis heute Worthülsen geblieben sind, geht im Schatten der globalen Gesundheitskrise fast vergessen.

Mit der zügigen und unbürokratischen Beschaffung einer Covid-Impfung ist der konservativen Regierung zwar unbestritten ein Erfolg gelungen, den die Britinnen und Briten zu schätzen wissen. Doch die Impfung verliert an Wirkung. Das politische Kapital des Vakzins schrumpft mit jedem Tag mehr.

Denn eine giftige Kombination von Unterbrüchen in den globalen Lieferketten, Folgeschäden des Brexits und wirtschaftlichen Nebenwirkungen der Pandemie führen in Grossbritannien zu massiven Engpässen. Steigende Lebensmittel- und Energiepreise und Steuern lassen die Lebenskosten von Millionen von britischen Familien bedrohlich steigen. Viele Leute im Vereinigten Königreich fürchten sich vor einem harten Winter.

Johnsons Umfragewerte leiden

Das schlägt auf die Stimmung und die Umfragewerte. Sie gehen abwärts: Die Konservativen verfügen gegenüber Labour zwar immer noch über einen Vorsprung, aber die Popularität von Johnson nimmt ab. Seine Basis wird ihn in Manchester immer noch feiern, aber das kann sich rasch ändern.

Gerade die konservative Partei ist wenig zimperlich, wenn es darum geht, einen Partei-Vorsitzenden zu entsorgen, wenn er zur Last wird. Wenn Johnson also weiterhin an der Macht bleiben will, muss er sich ziemlich bald eine gute Geschichte ausdenken. Denn, wenn alles drunter und drüber geht, wünscht sich das Publikum in der Arena keinen Clown, sondern einen Zirkusdirektor, der das Geschehen unter Kontrolle hat. 

Patrik Wülser

Patrik Wülser

Grossbritannien-Korrespondent, SRF

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Patrik Wülser arbeitet seit Ende 2019 in London als Grossbritannien-Korrespondent für SRF. Wülser war von 2011 bis 2017 Afrika-Korrespondent und lebte mit seiner Familie in Nairobi. Danach war er Leiter der Auslandsredaktion von Radio SRF in Bern.

Echo der Zeit, 2. Oktober, 18:00 Uhr

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Margot Helmers  (Margot Helmers)
    Johnson sagte gerade: "Was wir nicht wollen, ist zurückzukehren zu einer Situation, in der die Logistikbranche sich auf eine Menge Einwanderung günstiger Arbeitskräfte stützt. Die britische Wirtschaft müsse ihre Abhängigkeit von schlecht bezahlten ausländischen Arbeitskräften beenden, um eine gut bezahlte, gut ausgebildete, hochproduktive Volkswirtschaft zu werden" Das sehe ich genauso, Angebot und Nachfrage regeln den Preis. Es gibt genug Chauffeure, wenn sie anständig entlöhnt werden.
    1. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      Dasselbe auch in der Schweiz, immer wieder wird über die prekären Arbeitsstuationen der Chauffeure berichtet. Aber wegen der PFZ können die Arbeitnehmer bei den Löhnen und Arbeitszeiten gegen einander ausgespielt werden, Profiteure sind die Konzerne.
  • Kommentar von Bruno Bär  (Wahrheitssucher)
    Die Briten werden den Brexit, den Johnson zwar nicht verursacht hat, aber letztendlich tatkräftig durchgeboxt hat, jeden Tag der vergeht noch bitterer bereuen. Die Schotten werden aus GB austreten und wieder der EU beitreten. Nordirland wird sich möglicherweise Irland und damit auch wieder zur EU begeben. Das endgültige aus des Empire steht vor der Tür.
  • Kommentar von Max Wyss  (Pdfguru)
    Johnson wurde ja schon als Bürgermeister von London als Politclown bezeichnet. Daran hat sich nichts geändert.

    Und das wird vom Sauhaufen, aka seinen Ministern, schamlos ausgenutzt.