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Hantavirus-Ausbruch Alle Passagiere evakuiert +++ «Hondius» legt in Teneriffa ab

Die Betroffenen aus insgesamt 23 Ländern haben Teneriffa in mehreren Sondermaschinen verlassen – der Überblick.

Evakuierung abgeschlossen: Auf Teneriffa haben am Montagabend letzte Passagiere und Besatzungsmitglieder das von einem Hantavirus-Ausbruch betroffene Kreuzfahrtschiff «Hondius» verlassen. Zwei letzte, von der niederländischen respektive von der australischen Regierung gecharterte Sonderflüge sind am Montagabend mit den Betroffenen von der Kanareninsel abgehoben. Sie sollen am späteren Abend beziehungsweise in der Nacht in Eindhoven landen, wo die Passagiere in die Quarantäne kommen. Eine Restbesatzung von rund 30 Seeleuten verbleibt auf dem unter niederländischer Flagge fahrenden Kreuzfahrtschiff. Die «Hondius» legte am Montagabend in Teneriffa ab und hat die Fahrt nach Rotterdam begonnen. Bereits am Sonntag hatten erste Sonderflüge einen Teil der insgesamt 122 Menschen unter speziellen Sicherheitsvorkehrungen in ihre Heimat zurückgebracht.

Kapitän meldet sich mit Videobotschaft

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Der Kapitän des vom Hantavirus betroffenen Kreuzfahrtschiffes «Hondius», Jan Dobrogowski, hat sich erstmals in einer Videobotschaft zu der Krise geäussert. Er bedankte sich bei seiner Besatzung und den Passagieren für «Geduld, Disziplin und Freundlichkeit». «Diese vergangenen Wochen waren extrem anstrengend», sagte der aus Polen stammende Kapitän. Die Menschen hätten aber unter diesen schwierigsten Umständen «Fürsorge, Zusammenhalt und Kraft» gezeigt. Er habe gesehen, dass «Menschen einander vertrauen können, auch wenn nicht sofort Hilfe bereitsteht». Allen Menschen an Bord wünschte der Kapitän eine sichere Heimreise.

Bestätigte Hantavirus-Fälle: Einer der 14 evakuierten spanischen Passagiere wurde positiv auf das Hantavirus getestet, wie die spanischen Behörden am Montagabend mitteilten. Zuvor hatten die französischen Behörden bei einer von fünf evakuierten französischen Staatsangehörigen das Hantavirus nachgewiesen. Die US-Behörden hatten informiert, dass einer der 17 evakuierten amerikanischen Passagiere positiv getestet wurde, jedoch keine Symptome zeige. Bei einem weiteren habe ein PCR-Test «mild positiv» angeschlagen. Bis Sonntag zählte die WHO sechs bestätigte Hantavirus-Fälle und zwei Verdachtsfälle. Drei Personen sind gestorben. Bei den Verstorbenen handelt es sich um ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden und eine Frau aus Deutschland. Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem niederländischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien noch an Land angesteckt haben könnte. Alle Passagiere und Besatzungsmitglieder seien nach weiterhin geltenden Informationen ohne Krankheitssymptome, sagte die spanische Gesundheitsministerin Mónica García.

Chef des Robert Koch-Instituts: «Nicht vergleichbar mit Covid»

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Trotz des Hantavirus-Ausbruchs auf einem Kreuzfahrtschiff sieht der Chef des deutschen Robert Koch-Instituts keine Gefahr für die Bevölkerung. Das Virus könne Menschen sehr krank machen, sagte Lars Schaade im ZDF. Aber es sei kein Virus, das sich verbreitet und es bestehe keine Pandemiegefahr. Mit Blick auf den Vergleich mit dem Coronavirus sagte Schaade: «Das ist ein ganz anderes Virus, und die Gefahr ist überhaupt nicht vergleichbar.» Man kenne das Virus schon sehr lange und könne es deshalb sehr gut einschätzen.

Diese Einschätzung zur Gefährdung teilt auch die EU-Gesundheitsbehörde ECDC: Selbst wenn es zu einer Übertragung des Virus durch Passagiere käme, die vom Schiff evakuiert wurden, sei das Virus nicht leicht weiter übertragbar, «sodass es unwahrscheinlich ist, dass es zu vielen Infektionsfällen oder einem grossflächigen Ausbruch in der Bevölkerung käme». Das Risiko für die Allgemeinbevölkerung in der EU durch eine Ausbreitung des Andesvirus infolge des Ausbruchs auf dem Kreuzfahrtschiff sei «sehr gering».

Epidemiologische Untersuchung: Kurz nach der Ankunft am Hafen hatten sich Ärzte an Bord der «Hondius» begeben. Erst nach der Feststellung, dass keine akuten Krankheitssymptome vorliegen, wurde die schrittweise Evakuierung eingeleitet.

Besorgte Bevölkerung auf Teneriffa

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Auf der Insel waren in den vergangenen Tagen erhebliche Bedenken gegen die Ankunft des Schiffes laut geworden. Viele Menschen fühlten sich an die Corona-Pandemie erinnert. Er werde erst beruhigt sein, wenn alle Schiffspassagiere die Insel verlassen hätten und die «Hondius» ihre Fahrt in die Niederlande fortgesetzt habe, sagte der Regierungschef der Kanaren, Fernando Clavijo.

Der WHO-Direktor beschwichtigte jedoch, dass es sich bei dem aufgetretenen Hantavirus nicht um ein mit Corona vergleichbares Virus handelt. «Das ist nicht ein neues Covid.» Und: «Sie werden keinen Kontakt zu ihnen haben – ebenso wenig wie Ihre Familien», versicherte Tedros Adhanom Ghebreyesus der Bevölkerung Teneriffas im Vorfeld.

Die spanische Regierung wertete die unter strengen Sicherheitsvorkehrungen abgelaufene Evakuierung der Menschen als grossen Erfolg. Allerdings sei einer der beteiligten Polizisten durch einen Herzinfarkt gestorben.

Schweizer Crewmitglied in Quarantäne: Ein Schweizer Crewmitglied ist bei der Evakuierung in Quarantäne gebracht worden. Dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) zufolge sind derzeit keine weiteren Schweizer bekannt, die sich an Bord des Schiffs befanden. Die Quarantäne dürfte sechs Wochen dauern, teilte das BAG am Sonntag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit. Der Betroffene sei trotz der Situation guter Dinge und zeige keine Symptome. Gemäss der Agentur Reuters befindet sich das Schweizer Crewmitglied in den Niederlanden in Quarantäne.

London lässt Helfer mit Fallschirm abspringen

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Karte mit Tristan da Cunha im Südatlantik markiert.
Legende: Die Insel Tristan da Cunha gilt als einer der entlegensten Orte der Welt. Weil ein Passagier der Hondius dort Symptome zeigt, schickte London nun Fallschirmspringer und medizinisches Material. SRF/Datawrapper

Wegen eines Hantavirus-Verdachtsfalls hat die britische Regierung Helfer, die per Fallschirm von einem Flugzeug absprangen, auf eine Insel im Südatlantik gebracht. Zudem wurde medizinisches Material abgeworfen. Die Insel Tristan da Cunha ist das entlegenste britische Überseegebiet und kann gewöhnlich nur per Schiff erreicht werden. Sie hat nur 221 Einwohner.

Die britische Gesundheitsbehörde UKHSA hatte zuvor einen Verdachtsfall auf Tristan da Cunha gemeldet. Nach Angaben des Ministeriums handelt es sich um einen Passagier der Hondius, der auf der Insel lebt und dort von Bord gegangen sein soll.

Die Gruppe bestehe aus sechs Fallschirmjägern und zwei Militärmedizinern, teilte das Verteidigungsministerium in London mit.

Das passiert mit der «Hondius»: Das unter niederländischer Flagge fahrende Kreuzfahrtschiff hat am Montagabend mit dem Rest der Besatzung Teneriffa verlassen. Laut dem Betreiber dauert die Überfahrt nach Rotterdam etwa sechs Tage. Dort soll die «Hondius» gründlich desinfiziert werden.

Hondius liegt in einem Hafen im Süden Teneriffas vor Anker

Leute in Schutzkleidung steigen auf ein Boot im Hafen.
Legende: Auf dem Kreuzfahrtschiff sind Reisegäste und Besatzungsmitglieder aus 23 Ländern. AP Photo

Übertragung auch von Mensch zu Mensch möglich: Hantaviren werden üblicherweise durch infizierte Nager wie Ratten oder Mäuse übertragen. Bei dem aktuellen Ausbruch geht es um den sogenannten Andes-Typ, bei dem eine Übertragung von Mensch zu Mensch bereits in der Vergangenheit in Einzelfällen dokumentiert wurde.

Tagesschau, 10.5.2026, 19:30 Uhr ; 

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