Die UNO hat einen Bericht zur Gewinnung von kritischen Mineralien veröffentlicht. Der Abbau verursacht in Ländern wie Chile oder im Kongo hohe Umweltschäden. Die Situation droht sich weiter zu verschlimmern, wie das Institut für Wasser, Umwelt und Gesundheit der UNO-Universität schreibt. SRF-Wirtschaftsredaktor Klaus Ammann erläutert den Bericht.
Was sind kritische Mineralien?
Unter kritischen Mineralien versteht man Rohstoffe wie Lithium, Kobalt, Grafit oder Kupfer, die für die Energiewende zentral sind und bei denen das Vorkommen kritisch ist. Seltene Erden sind eine Untergruppe der kritischen Mineralien.
Was ist das Problem beim Abbau dieser kritischen Mineralien?
Kritische Mineralien stecken in fast allem drin, was mit der Energiewende zu tun hat, in Batterien, Windrädern, Solarpanels usw. Wenn es so weitergeht wie in den letzten Jahren, wird sich die Nachfrage nach kritischen Mineralien bis 2050 vervierfachen. Viele der kritischen Mineralien könnten zwar theoretisch in vielen Gegenden der Welt abgebaut werden, sie werden aber meist in verletzlichen Gebieten gewonnen. Oft sind das Gebiete, in denen indigene Völker wohnen oder wo das Wasser knapp ist. Das führt alles zu grossen Spannungen und Ungerechtigkeiten, wie die Forscherinnen und Forscher der Universität festgestellt haben.
Um eine Tonne Lithium zu bekommen, braucht es fast zwei Millionen Liter Wasser – was heisst das konkret?
Einerseits wird das Lithium heute häufig in Gebieten abgebaut, die ohnehin unter Wasserknappheit leiden. Beispielsweise in der Atacama-Wüste in Chile. Wenn von dem wenigen Wasser, das da ist, viel für den Lithiumabbau gebraucht wird, fehlt das Wasser als Trinkwasser für den Menschen, oder auch in der Landwirtschaft zur Nahrungsmittelproduktion. Dazu kommt, dass der Abbau von kritischen Mineralien eben oft dazu führt, dass das übrige Wasser verschmutzt wird, was wiederum negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung hat.
Aber die Länder – zum Beispiel Chile oder der Kongo – profitieren davon?
Bisher sehr wenig. Im Kongo zum Beispiel werden laut der Studie über 80 Prozent der abgebauten kritischen Mineralien von ausländischen Konzernen kontrolliert. Die lokale Bevölkerung profitiert nur sehr beschränkt. Trotz dieses Mineralienreichtums lebt die Bevölkerung nach wie vor von etwa zwei Dollar pro Tag. Es gibt zwei unterschiedliche Realitäten, was diese kritischen Mineralien betrifft: Während wir im globalen Norden wirtschaftlich profitieren, unsere Energieversorgung sichern und neue Jobs schaffen, verlieren Menschen im globalen Süden oft ihren Lebensunterhalt. Wir produzieren dank der kritischen Mineralien unsere Energie sauberer. Aber dort, wo diese Mineralien abgebaut werden, leidet die Umwelt und damit die Bevölkerung stark.
Sind diese Mineralien für die Energiewende tatsächlich alternativlos?
Bis jetzt schon. Aber es wird in vielen Bereichen intensiv nach Alternativen geforscht, zum Beispiel für die Produktion von Batterien. Auch bei Wind- und Solarkraftwerken sind Alternativen möglich. Häufig sind diese aber noch nicht ausgereift oder noch vergleichsweise teuer. Dies ist auch deshalb so, weil bei den kritischen Mineralien die sozialen und ökologischen Kosten nicht eingepreist sind.