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Hagia Sophia in Istanbul wird wieder eine Moschee
Aus Tagesschau vom 10.07.2020.
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«Historischer Fehler» Internationale Empörung über türkischen Entscheid zu Hagia Sophia

Eine Provokation für die zivilisierte Welt.
Autor: Lina MendoniGriechische Kulturministerin

Der türkische Präsident Erdogan führe sein Land sechs Jahrhunderte zurück, sagt Lina Mendoni, griechische Kulturministerin zur Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee. Der Bau war einst die grösste Kirche der Christenheit, dann eine Moschee – und seit 1934 ein Museum.

Auf diese Beleidigung der christlichen Welt müsse es eine entsprechende Antwort geben, erklärte ein griechischer Regierungssprecher weiter. «Griechenland verurteilt dieses Verhalten Erdogans und wird alles, was es kann, tun, damit es Konsequenzen für die Türkei gibt», sagte er.

Ganz im Sinn Erdogans

Auslöser für die griechische Empörung ist ein türkisches Gerichtsurteil, das ganz im Sinn des Präsidenten Erdogan ausfiel. Das Gericht hob den bisherigen Status der Hagia Sophia als Museum auf. Kurz darauf gab Erdogan bekannt, dass bereits in zwei Wochen wieder ein muslimisches Freitagsgebet stattfinden soll.

Unterstützer des Entscheids halten ihr Freitagsgebet auf dem Vorplatz der Hagia Sophia ab.
Legende: Unterstützer des Entscheids halten ihr Freitagsgebet auf dem Vorplatz der Hagia Sophia ab. Keystone

Kritik dafür gibt es vor allem, weil die Hagia Sophia auch für das Christentum eine grosse Bedeutung hat – und für viele orthodoxe Christen noch heute als Heiligtum gilt.

Die Geschichte der Hagia Sophia in Kürze

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  • Die Hagia Sophia (griechisch: Heilige Weisheit) wurde im 6. Jahrhundert nach Christus erbaut und war Hauptkirche des Byzantinischen Reiches, in der die Kaiser gekrönt wurden.

  • Nach der Eroberung des damaligen Konstantinopels durch die Osmanen im Jahr 1453 wandelte Sultan Mehmet II. die Hagia Sophia in eine Moschee um und liess als äusseres Kennzeichen vier Minarette anfügen.
  • Auf Betreiben des türkischen Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk ordnete der Ministerrat im Jahr 1934 die Umwandlung der Hagia Sophia in ein Museum an.

Das betont auch die Deutsche Bischofskonferenz. Der bisherige Status als Museum habe es möglich gemacht, dass beide Religionen sich mit der Hagia Sophia identifizieren konnten. Dieser Friede sei nun in Gefahr.

Symbol des Dialogs

Und auch die Unesco bedauert die Umwandlung zur Moschee. Das Gebäude sei ein einzigartiges Zeugnis der Begegnung von Europa und Asien im Lauf der Jahrhunderte. Als Museum sei es ein starkes Symbol des Dialogs gewesen.

Die US-Regierung hat ebenfalls ihr Bedauern zum Ausdruck gebracht. «Wir sind enttäuscht von der Entscheidung der Regierung der Türkei, den Status der Hagia Sophia zu ändern», hiess es in einer Erklärung der Sprecherin des Aussenministeriums in Washington, Morgan Ortagus. Ortagus machte deutlich, dass die USA von der Türkei erwarten, dass die Weltkulturerbestätte weiterhin für alle Besucher zugänglich bleibt.

SRF 4 News, 11.07.2020; 09:00 Uhr;

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52 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
    Erwachte heute Morgen mit der klaren, aber bitteren Erkenntnis: Die drei Religionen Judentum, Christentum, Islam stammen alle aus dem Gebiet des Nahen Ostens. Alle drei behaupten, die einzig richtige Religion zu sein. Der Raum des Nahen Ostens ist seit Jahrtausenden ein Raum der Unruhe/des Streites zwischen Nomaden und sesshaften Bauern. Ob in der Konkurrenz der drei Religionen nicht einfach diese Unruhe bis heute weiter gelebt wird? Und Erdogan schickt jetzt einen „Pfeil“ gegen die Christen.
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  • Kommentar von Heidy Rüegg  (heidy70)
    oder er wäre der grösste Verbrecher dieser Welt, da er ja die Macht hätte alles Unrecht zu beenden. Keine Kriege nichts, wäre das schön.
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  • Kommentar von Marc Kilchenmann  (marckilchenmann)
    Religionsfreiheit ist gut. Religions frei wäre besser.
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    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Marc Kilchenmann: Man kann immer versuchen die "ideale" Welt anzustreben. Mit Menschen wie Erdogan landet man aber dann knallhart auf dem Boden der Realität. Ich glaube nicht, dass Erdogan willens und fähig ist, sich mit ihren Gedankengänge auseinanderzusetzen. Für ihn ist eine fromme, islamische und starke Türkei das anzustrebende Ziel, ohne Rücksicht auf die Befindlichkeiten anderer Religionen und schon gar nicht von Atheisten. Atheisten gibt es in seinem Weltbild nicht.
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    2. Antwort von Marc Kilchenmann  (marckilchenmann)
      @Thomas Leu
      Sie haben vollkommen recht mit Ihrer Einschätzung. Erdogan wird nicht auf Leute wie mich hören. Ihm geht es aber weniger um Religion, sondern diese ist für ihn ein Mittel seines Machterhaltes. Dagegen gilt es die Fackel der Aufklärung hochzuhalten.
      Ich tue das auch in Gedanken an Freund*innen aus der Türkei, die wie Sie schreiben "knallhart auf dem Boden der Realität" gelandet sind.
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