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Die Furcht vor Chinas Einfluss
Aus HeuteMorgen vom 24.06.2020.
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Hoffen auf britischen Pass «Unser Hongkong gibt es nicht mehr»

In Hongkong steigt die Angst vor Chinas Einfluss. Viele liebäugeln mit einer Flucht nach Grossbritannien.

Die Konditorei im Stadtviertel Mongkok ist voller Gäste. Kwok Cheuk Lun verziert eine Mango-Torte mit Schlagrahm. Vor sechs Jahren haben er und seine Ehefrau Coco Chan die Konditorei und das Café eröffnet.

Beide sind sie um die vierzig, beide arbeiteten früher in einer Bank, mit dem Lokal haben sie sich einen Traum erfüllt. Doch: Wie lange sie noch in Hongkong bleiben und ihr Geschäft weiterführen werden, ist unklar.

Wir sind unglücklich und würden lieber woanders leben.
Autor: Kwok Cheuk LunCafé-Betreiber in Hongkong

Kwok Cheuk Lun sagt: «Die Situation wird sich weiter verschlechtern, wir sind unglücklich und würden lieber woanders leben. Das Hongkong, das uns vertraut ist, das wir aus unserer Kindheit kennen, dieses Hongkong gibt es nicht mehr.»

Post-it-Kleber an den Wänden
Legende: Gäste der Konditorei haben überall Post-it-Kleber angebracht. Martin Aldrovandi

Beide fürchten sich vor Pekings Einfluss in ihrer Stadt. Ihre politische Überzeugung ist auch in der Konditorei unübersehbar: Die Wände sind voller Post-It-Kleber, die von Gästen angebracht wurden. Darauf stehen Slogans wie «Revolution» oder «freies Hongkong».

Pass ist seit 20 Jahren abgelaufen

Das Paar setzt auf sogenannte BNO-Pässe. Das sind britische Übersee-Reisepässe, die die ehemalige Kolonialmacht Grossbritannien für die Hongkonger ausstellte.

Coco Chans BNO-Pass ist vor 20 Jahren abgelaufen, seither nutzt sie für Reisen ins Ausland den chinesischen Pass der Sonderverwaltungszone Hongkong.

Klar ist für mich: Ich bin eine Hongkongerin.
Autor: Coco ChanCafé-Betreiberin

Würde sie ihr Nationalität als britisch oder chinesisch bezeichnen? Diese Frage habe sie sich vor allem nach der Übergabe Hongkongs vor gut 20 Jahren gestellt, sagt Coco Chan, etwa wenn sie ein Formular ausfüllen musste. Sie sagt: «Ich habe mir dann überlegt, soll ich nun Britin oder Chinesin hinschreiben? Dieser Teil meiner Identität ist verwirrend. Klar ist für mich aber: Ich bin eine Hongkongerin.»

Viele junge Hongkonger gehen leer aus

Der BNO-Pass gab den Hongkongerinnen und Hongkongern in Grossbritannien selbst bislang jedoch kaum Rechte. Geht es nach der britischen Regierung, soll sich dies nun ändern: Als Reaktion auf Chinas geplantes Sicherheitsgesetz stellte sie BNO-Passbesitzern einen visumfreien Aufenthalt von bis zu einem Jahr und eine vereinfachte Einbürgerung in Aussicht.

Protestierende Jugendliche in Hongkong.
Legende: Sei gehen leer aus: Wer nach 1997 in Hongkong geboren wurde, hat keinen Anspruch auf einen britischen BNO-Reisepass. Reuters

Anspruch auf einen BNO-Pass haben aber nur jene Hongkonger, die vor 1997 geboren wurden, als Hongkong noch eine britische Kronkolonie war. Unzählige junge Hongkongerinnen und Hongkonger, die seit letztem Jahr auf den Strassen demonstrieren, gehen leer aus.

Wie es für das Paar Coco Chan und Kwok Cheuk Lun konkret weitergeht, ist noch nicht klar. Die beiden wollen erst abwarten, bis das nationale Sicherheitsgesetz in Kraft tritt. Ihre neuen BNO-Pässe haben sie trotzdem bereits beantragt, damit sie Hongkong wenn nötig so schnell wie möglich verlassen können.

SRF 4 News, Heute Morgen vom 24.6.2020, 06.00 Uhr

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Jeanôt Cohen  (Jeanot)
    Genau deswegen kaufe ich keine Produkte aus dieser brutaler Diktatur. Und es wäre wichtig auch in technischer Hinsicht, dieses Land nicht zu berücksichtigen. Wir zum Beispiel die Ausbau des G5 Netz. Wenn China das hier tut, wird sie dies schamlos ausnutzen auf Kosten unsere Freiheit.
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    1. Antwort von Javier López  (Javier López)
      Ihr Kommentar teile ich zu 50%. Mir muss einer erklären, warum ich Produkte hergestellt in einer Diktatur boykottieren soll und Produkte, die unter ausbeuterischen und sklavenähnlichen Bedingungen hergestellt wurden, nicht.

      Wo war und ist die Empörung oder die Solidarität für diejenigen, welche unsere Smartphones unter ausbeuterischen Bedingungen produzieren?

      Absolut lächerlich, der Westen entdeckt die Freiheit und die Menschenrechte für andere. Was ganz neues!
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  • Kommentar von Peter Zuber  (Hä nuuh)
    Das selbständige Hong Kong war etwas. Hong Kong als Teil von China ist nichts besonderes mehr. Die 150 Jahre unter britischer Kolonialverwaltung haben Hong Kong sicher weniger geschadet als die 20 Jahre mit China.
    Wer etwss anderes behauptet soll mal dort arbeiten, so wie ich.
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  • Kommentar von René Balli  (René Balli)
    Bin froh, dass China immer mehr sein wahres Gesicht zeigt. Die ganze Euphorie über die Seidenstrasse, welche angeblich für die halbe Welt gut sein soll, war doch sehr ätzend.
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