Zum Inhalt springen

Header

Video
Konfliktparteien werfen sich Bruch der Waffenruhe vor
Aus Tagesschau vom 12.01.2020.
abspielen
Inhalt

Hoffen und Bangen Brüchige Waffenruhe in Libyen

  • In der Nacht trat die von Russland und der Türkei geforderte Waffenruhe für Libyen doch noch in Kraft.
  • Der abtrünnige General Haftar stimmte der Feuerpause zu, obwohl er sie Tage zuvor noch abgelehnt hatte.
  • Mittlerweile werfen sich die Konfliktparteien einen Bruch der Waffenruhe vor.

Der gegen die libysche Regierung kämpfende General Chalifa Haftar hat der Waffenruhe doch noch zugestimmt. Diese sei am frühen Sonntagmorgen um eine Minute nach Mitternacht (23.01 Uhr MEZ) wirksam geworden, teilte Haftars selbst ernannte Libysche Nationalarmee (LNA) mit.

Noch am Freitag hatte Haftar erklärt, die Offensive auf die Hauptstadt Tripolis fortsetzen zu wollen und dies damit begründet, ein ziviler Staat könne nur errichtet werden, wenn die «terroristischen Gruppen» völlig zerstört würden. Haftars Streitkräfte kämpfen seit April um Tripolis und hatten ihren Kampf in den vergangenen Wochen intensiviert.

Karte von Libyen.
Legende: In Libyen herrscht seit dem Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi 2011 Bürgerkrieg. SRF

LNA-Sprecher Ahmed al-Mesmari warnte die von den Vereinten Nationen unterstützten gegnerischen Einheiten vor einer «harschen Antwort», sollten sie den Waffenstillstand verletzen. Aus LNA-Kreisen verlautete, die Waffenruhe im Westen des Landes, wo sich auch Tripolis befindet, sei in den ersten Stunden nach Eintreten nicht verletzt worden.

Vorwürfe von beiden Seiten

Derweil werfen sich die beiden Konfliktparteien einen Bruch der Waffenruhe vor. Bereits Minuten nach deren Inkrafttreten in der Nacht auf Sonntag habe es in zwei Randbezirken in der Hauptstadt Tripolis Verstösse gegeben, teilte die Regierung mit. Ein LNA-Kommandant erklärte, die Regierung habe «mit allen möglichen Waffen, darunter Artillerie, an mehr als einer Front» gegen die Waffenruhe verstossen.

Die Regierungseinheiten hatten den Vorschlag nach einer Waffenruhe begrüsst. Die Türkei und Russland hatten am Mittwoch eine Waffenruhe in Libyen angemahnt. Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin riefen dazu auf, dass diese in der Nacht auf Sonntag in Kraft treten solle.

Video
Krisenherd Libyen
Aus Tagesschau vom 08.01.2020.
abspielen

Russland unterstützt – wie auch Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate – in dem Konflikt Haftar, die Türkei die Regierung in Tripolis. Ankara hatte trotz internationaler Kritik beschlossen, eigene Truppen in das nordafrikanische Land zu schicken.

Initiative aus Berlin

Deutschland bemüht sich seit Monaten um eine politische Lösung für den Konflikt. Mit einer internationalen Konferenz in Berlin wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel und der russische Präsident Wladimir Putin eine Friedenslösung für das Bürgerkriegsland erreichen.

Russland werde diese deutsche Initiative unterstützen, hatte der Kremlchef am Samstag bei einem Treffen mit Merkel im Kreml in Moskau gesagt.

Die Vereinten Nationen begrüssten die Waffenruhe und riefen die Konfliktparteien auf, an dieser festzuhalten. Die UNO-Mission in Libyen (Unsmil) teilte mit: «Die (UNO-)Mission bringt ihre volle Bereitschaft zum Ausdruck, die Libyer zu unterstützen und will alle ihre Quellen nutzen, ihnen zu helfen, eine endgültige friedliche Lösung für die libysche Krise zu finden.»

«Die Richtung stimmt»

Haftar hatte im vergangenen Jahr eine Offensive auf Tripolis begonnen, wo die international anerkannte Regierung von Fajis al-Sarradsch sitzt.

Italiens Premier Conte zum Waffenstillstand

Der italienische Regierungschef Giuseppe Conte twitterte, die Truppen Haftars hätten den Waffenstillstand akzeptiert. Dies sei ein erster Schritt auf dem Weg zu einer politischen Lösung. «Es sind noch weite Strecken zu gehen, aber die Richtung stimmt.»

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    Es fehlen Meinungen zu diesem wichtigen
    Treffen Frau Merkel mit Präsident Putin
    diese Gespräche werden sehr viel bringen, das Wichtigste ist, dass RUSSLAND wieder als gleichwertig in der Europapolitik gilt
    Frau Merkel hat das Eis gebrochen der Einfluss und die Angst vor Repressalien durch DT schwindet
    Nordstream wird fertig gebaut und Putin macht seinen Einfluss in Lybien geltend. Eine Art neue Zeitrechnung beginnt
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Konrad Schläpfer  (Koni)
    Auch hier müssen die Verursacher des Konflikts klar und schonungslos benannt werden. Die USA haben mit der Liquidierung Gaddafis den Konflikt losgetreten!
    Es wäre allerhöchste Zeit, dass sich die USA aus dem nahen / mittleren Osten zurück ziehen. Es ist nicht anzunehmen, dass sofort der Frieden ausbrechen würde aber die Konflikte würden nicht immer von neuem am Köcheln gehalten. AMY go Home!!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von kurt trionfini  (kt)
      Herr Schläpfer: Der Konflikt begann mit Protesten in allen grösseren Städten Lybiens. Stichworte „Tage des Zorns“ / „Arabischer Frühling“. Herr Ghadadaffi wurde am 20. Oktober 2011 von den Rebellen aus seinem Versteck gezogen und starb Stunden später an einem Kopfschuss. Folge eines Schusswechsels oder Opfer einer gezielten Hinrichtung? Die Umstände könnten nie geklärt werden.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von m. mitulla  (m.mitulla)
    "Deutschland bemüht sich seit Monaten um eine politische Lösung für den Konflikt. Aus Deutschland, genauer aus Ramstein, fliegen immer wieder US- Drohnen, die bombardieren - in Libyen, Syrien, Irak, Afghanistan, Pakistan u.v.m.- und dabei immer wieder viele Zivilisten treffen. Laut dem im London ansässigen Bureau of Investigative Journalism fanden 2019 mindestens 5.888 Drohnenangriffe statt. Am 9.1.20 traf es 60 Zivilisten in Afghanistan. D wird wohl kaum als unabhängige Vermittlerin angesehen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen