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Eine neue Stiftung soll die Finanzprobleme der WHO lösen
Aus Rendez-vous vom 22.07.2020.
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Hoffnung für die WHO Neue Stiftung soll WHO künftig mitfinanzieren

Nach dem Austritt der USA aus der WHO gibt es Licht am Ende des Tunnels: Eine neue Stiftung in Genf will der Organisation Milliarden Dollar zuführen.

Ebola in Schach halten, Malaria bekämpfen, das Gesundheitswesen in Drittweltländern auf Vordermann bringen, wie es die UNO-Nachhaltigkeitsziele verlangen und, ganz akut, die Coronakrise meistern: «Die Erwartungen an die Weltgesundheitsorganisation sind gewaltig», sagt Suerie Moon. Sie leitet das Zentrum für internationale Gesundheitspolitik am Genfer Graduate Institute: «Gleichzeitig werden der WHO die nötigen Mittel verweigert. Vor allem die finanziellen.»

Ein Budget wie ein Schweizer Unispital

Tatsächlich ist das Budget der WHO mit gut zwei Milliarden Dollar geringer als das eines grossen Schweizer Universitätsspitals. Dazu kommt: Fest kalkulieren kann die WHO nur mit den obligatorischen Beiträgen der Mitgliedstaaten – und selbst da gibt es Risiken.

Der bislang mit Abstand grösste Beitragszahler, die USA, treten nämlich 2021 aus der Organisation aus, falls im November Präsident Donald Trump nicht noch abgewählt wird. «Nur über die festen Mitgliederbeiträge, keine zwanzig Prozent des Haushalts, kann die WHO frei verfügen», klagt Generaldirektor Tedros Ghebreyesus.

Zu vier Fünfteln auf Spenden angewiesen

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Zu vier Fünfteln auf Spenden angewiesen
Legende:WHO-Generaldirektor Tedros Ghebreyesus.Reuters

Die Weltgesundheitsorganisation ist zu achtzig Prozent auf freiwillige Beiträge angewiesen. Diese kommen von Staaten, von Stiftungen und von Firmen. Wichtige Zahler sind etwa die Stiftung von Microsoft-Gründer Bill Gates und seiner Gattin oder die weltweit aktive Gavi-Impfallianz. Doch solche Grossbeiträge sind oft mit Auflagen verknüpft: Die WHO muss das Geld für Aufgaben einsetzen, die dem jeweiligen Spender wichtig sind. Das sind aber nicht immer jene, die sie selber als am dringlichsten erachtet.

Für Ghebreyesus ist die neue WHO-Stiftung deshalb «ein historischer Schritt». Die Idee für die Stiftung entstand in der WHO selber. Gründer und Präsident der Stiftung nach Schweizer Recht mit Sitz in Genf ist Professor Thomas Zeltner, früher Direktor des Bundesamts für Gesundheit (BAG).

Zeltner.
Legende: Der frühere BAG-Direktor Thomas Zeltner hat die WHO-Stiftung in Genf gegründet. Reuters

Auch Zeltner sieht die WHO krass unterfinanziert: «Gewisse Dinge können aufgrund der knappen Mittel nicht gemacht werden. Und das schadet der Gesundheit auf diesem Planeten.»

Milliarden für die WHO

Das Ziel der Stiftung ist enorm ehrgeizig: Der WHO soll zunächst eine Milliarde Dollar an zusätzlichen Mitteln zur Verfügung gestellt werden, verteilt über drei bis vier Jahre.

Als Geldgeber im Visier sind nicht Staaten, sondern drei andere Spendergruppen: «Erstens sehr wohlhabende Einzelpersonen, zweitens die allgemeine Bevölkerung und drittens der Wirtschaftssektor», führt Zeltner aus.

Gebäude und Logo der WHO.
Legende: WHO-Hauptsitz in Genf: Hier ist auch Thomas Zeltners Stiftung angesiedelt. Sie soll der WHO Milliarden Dollar und damit Unabhängigkeit verschaffen. Keystone

Bereits gebe es beträchtliche feste Zusagen, so der frühere BAG-Direktor. Nächstes Jahr sollen bereits 200 bis 300 Millionen Dollar zur Verfügung stehen. Namen nennt er noch keine, bevor rechtlich nicht alles abgesichert ist.

Nur so viel: Es soll sich bislang primär um wohlhabende Mäzene handeln, denen die Stärkung des internationalen Gesundheitswesens ein Anliegen ist. Sie stellen offenbar keine Bedingungen für ihre finanzielle Unterstützung: «Nein, Gott sei Dank nicht», sagt Zeltner.

Kann die Stiftung das leisten?

Das heisst, die WHO kann die Mittel frei verwenden und muss nicht Interessen und Vorgaben der Stifter berücksichtigen: «Durch die zusätzlichen Geldquellen wird die Ressourcenbasis breiter», sagt Zeltner.

Durch die zusätzlichen Geldquellen wird die Ressourcenbasis breiter.
Autor: Thomas ZeltnerEhemaliger BAG-Direktor, Gründer der WHO-Stiftung.

Somit soll die WHO weniger politischem Druck unterworfen sein wie ihn die USA vor ihrer Austrittsentscheidung ausübten. Auch würde es keine Bedingungen zur Verwendung des Geldes geben, wie sie die bisherigen Spender oft stellten. Damit würde die WHO unabhängiger, so Zeltner.

Die Zukunft der WHO hängt nun nicht unwesentlich davon ab, ob die WHO-Stiftung tatsächlich leisten kann, was man sich von ihr verspricht.

SRF 4 News, Rendez-vous vom 22.7.2020, 12.30 Uhr

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30 Kommentare

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  • Kommentar von Kurt Looser  (Dremel)
    @SRF Bitte publizieren Sie die Geschäftszahlen der WHO. Ein Bericht über die Arbeitsweise der Organisation und die Verwendung der Spendengelder würde doch sehr zur Vertrauensbildung beitragen.
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  • Kommentar von Thomas Ramseier  (ramtho)
    Es ist schon eine sehr alte Weisheit die über diese lange Zeit die Wahrheit nie eingebüsst hat: "Wes Brot ich ess, des Lied ich sing."

    Und, Stiftungen von sehr reichen Leuten sind allermeistens Konstrukte um Steuern zu sparen.

    Dass SRF dies nicht ausgewogener und kritischer hinterfragt ist nicht ihren Auftrag entsprechend gehandelt.
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  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    "Der bislang mit Abstand grösste Beitragszahler, die USA, treten nämlich 2021 aus der Organisation aus..." Ja, da hat man den Bogen überspannt. Es kann ja nicht sein, dass die USA mit nur 227 Mio. Einwohner mehr bezahlen als zB China (1379 Mio). In der UNO, WTO, Entwicklungshilfe usw. sieht es ja gleich aus. Kein Wunder, dass da dem "Unternehmer" Trump der Kragen platzte.
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    1. Antwort von Reto Frischknecht  (refrisch)
      Der Beitragsschlüssel für die Pflichtbeiträge zum regulären Haushalt der UNO orientiert sich an der relativen Zahlungsfähigkeit der Mitgliedstaaten. Als Masstab hierfür wird das Bruttonationaleinkommen in Ansatz gebracht, wobei die Werte der letzten 6 Jahre in die Berechnung einfließen.
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    2. Antwort von Reto Frischknecht  (refrisch)
      Für den Beitragssatz der USA wurde aus politischen Gründen eine Kappungsgrenze bei 22 Prozent Beitragsanteil am Gesamthaushalt der UN eingeführt. Der minimale Beitragssatz für die ärmsten oder kleinsten Länder liegt bei 0,001 Prozent.
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    3. Antwort von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
      @Frischknecht: Ok, ich habe verstanden Herr Frischknecht. Die Kappung bei 22 % (fast ein Viertel) der Gesamtbeiträge ist wohl aus dem Jahr annodomini und müsste sicher angepasst werden. Weil: Im Gegenzug zählt die Zweitgrösste Wirtschaftsmacht der Welt, China, immer noch als Schwellenland. Da ist doch Handlungsbedarf!!
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