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Glencore-Blei im Blut: Recherchen aus der Minenstadt Mount Isa
Aus Rundschau vom 10.06.2020.
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Hohe Bleiwerte Glencore und die Kinder von Mount Isa

In der Umgebung der Glencore-Minen von Mount Isa in Australien werden hohe Schadstoffwerte gemessen. Laut Tests der Gesundheitsbehörde hat rund ein Viertel der Kinder zu viel Blei im Blut. Glencore betont, ihr Betrieb in Mount Isa halte die Emissions-Grenzwerte ein und gibt Verhaltenstipps.

Die Bergbauanlagen der Mount Isa Mines werden seit 2003 von der Schweiz aus kontrolliert, zuerst von Xstrata und seit 2013 von Glencore. Mount Isa gilt als weltweit wichtigster Produktionsort für Blei. Nach bald hundert Jahren Minenbetrieb sind die Böden der Wohnquartiere der Stadt, wo über 20’000 Menschen leben, stark mit Blei kontaminiert.

Die Gesundheitsbehörde des Bundesstaates Queensland hat der «Rundschau» die Daten zu den Bluttests zur Verfügung gestellt, die in Mount Isa zwischen 2016 und 2019 an Kindern unter 5 Jahren durchgeführt wurden. Der Anteil der Kinder mit zu viel Blei im Blut lag bei 29 Prozent. Von total 1076 getesteten Kindern wiesen 309 Kinder Bleiwerte jenseits des Grenzwertes auf.

Erhöhte Bleiwerte können bei Kindern zu einer irreversiblen Schädigung der Gehirnentwicklung und der Intelligenz führen. Australien wendet den international gebräuchlichen Grenzwert von 5 Mikrogramm Blei pro Deziliter Blut an.

Die Blutuntersuchungen von Mount Isa sind nicht repräsentativ. Die Testgruppe umfasst vor allem Kinder von Familien, die den Test aus eigener Initiative durchführen liessen. Kinder von Aborigines waren signifikant untervertreten, wiesen aber tendenziell höhere Werte auf.

Bergbaumine in Australien. Tiefer Krater.
Legende: Eine Luftaufnahme zeigt die Mount Isa-Mine im September 2009. Seit 2013 gehört die Mine nach der Übernahme von Xstrata zu Glencore. GettyImages/Jack Atley/Bloomberg

Glencore: «Wir setzen weniger Blei frei»

Glencore weiss um die Blei-Problematik in Mount Isa. Der Konzern hat in den letzten Jahren Werbespots finanziert, in denen Ratschläge zur Minimierung der Bleibelastung erteilt werden. Dazu gehören Händewaschen, Oberflächenreinigung mit Feuchttüchern oder die Begrünung von kontaminierten Spielplätzen. Die Spots erfolgten im Rahmen der sogenannten Bleiallianz, einer Partnerorganisation mit den Stadt- und den Regionalbehörden.

Hängige Klagen gegen Xstrata und Glencore

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Schon 2008 hatten Blutuntersuchungen bei Kindern in Mount Isa hohe Bleiwerte ergeben. In der Folge klagten mehrere Familien gegen Xstrata und Glencore. Die Fälle sind bis heute nicht abgeschlossen. Das australische Anwaltsbüro Slater&Gordon vertritt sechs Geschädigte und ihre Familien, wollte sich gegenüber der Rundschau aber nicht zu den Verfahren äussern, genauso wenig wie Glencore.

Für die erhöhten Blutwerte macht Matt O’Neill, leitender Manager bei Glencores Mount Isa Mines, die «natürliche Bleibelastung» in der Gegend mitverantwortlich. Er verweist zudem auf die Umweltschutzmassnahmen des Betriebs: «Wir haben investiert und setzten jetzt viel weniger Blei frei. Die Werte sind signifikant besser.» Glencore unterstreicht, die Bleibelastung der Luft sei im letzten Jahrzehnt um 92 Prozent zurückgegangen.

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Matt O’Neill, leitender Manager bei Glencores Mount Isa Mines, über die Bleiallianz.
Aus News-Clip vom 09.06.2020.
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Keine Verbesserung

Ein anderes Bild ergeben die öffentlich zugänglichen Daten der Umweltbehörde von Queensland. Demnach enthielt die Luft im Stadtzentrum von Mount Isa im Jahr 2019 durchschnittlich 0.13 Mikrogramm Blei. Das ist immer noch genau gleichviel wie im Jahr 2010.

Mark Taylor, Professor für Umweltwissenschaften an der Macquarie Universität in Sidney, sieht Glencore in der Pflicht, die Emissionen zu senken: «Die Bleiexposition der Kinder führt zu einer lebenslangen Beeinträchtigung, was hohe soziale Kosten für die Allgemeinheit verursacht.»

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Mark Taylor, Professor für Umweltwissenschaften an der Macquarie Universität in Sidney, sagt: Die Verhaltenstipps funktionieren nicht.
Aus News-Clip vom 09.06.2020.
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Taylor hat mehrere Studien zu Mount Isa publiziert – nachdem er die Belastung um die Mine untersucht hatte. Die Staub-Frachten in der Umgebung der Mine seien derart hoch, dass Anwohner ihre Häuser mehrmals täglich reinigen müssten, um die Richtlinien für Blei-Staub-Ablagerung einzuhalten. «Das ist eine unlösbare Aufgabe», sagt Taylor.

Rundschau, 10.06.2020, 20.05 Uhr

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Da Auszralien ein Rechtsstaat und eine auf Gewaltentrennung basierende Demokratie ist, sehe ich keinen Zusammenhang zwischen der Konzerninitiative und den hier angmahnten Unzulänglichkeiten, die von den betroffenen jederzeit ohne Problem vor einem australischen Gericht eingeklagt werden können! Wieso dazu künftig die Schweizer Justiz bemüht weden soll ist schlicht mit diesem Veispiel nicht erklärbar! Exterritoriale Einmischung ist bei funktionierenden Justizsystemen vor Ort nur dumm!
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  • Kommentar von Willi Fetzer  (wi)
    Wieso bringt ihr nicht so wichtige Kernaussagen aus dem Rundschaubericht nicht auch in speziellen Abschnitten, mit Textunterschrift, wie die Werbeaussagen von Glencore? Erwarte gleich lange Spiesse zugunsten auch der Befürworter der Iniative! Z.B. dass in der Mine noch teilweise mit Gerätschaft aus dem letzte Jahrhundert (1960) gearbeitet wird, obwohl jedes Jahr über Milliardenwert umgesetzt wird! Bitte ausgewogen berichten, wenn ihr glaubwürdig sein wollt!
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  • Kommentar von Barbara Mujagic  (bdm)
    "Koloniales Denken", einer der besonders perfiden Einwände gegen die KVI. Australien wurde historisch, ebenso wie der Amerika und Afrika, von weissen Europäern in Besitz genommen, die Ureinwohner verdrängt und dezimiert, versklavt, eben kolonialisiert. Die heutige Form kolonialen Denkens ist die skrupellose Ausbeutung von Bodenschätzen unter Zerstörung von Lebensraum, und nicht das Bestreben, gegen diese gravierendsten Menschenrechts- und Umweltverbrechen zu intervenieren.
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    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Irgendwie tönt das wie Schweiz zuerst, sprich wir setzen den Standard - weltweit, alleine und nur für uns, samt der Beweisumkehr. Internationale Organisationen - multilaterale Instrumente - wie die trumpsche USA massen wir uns an, das Heil der Welt und unser eigenes moralische Heil zu kennen. Die Konzerninitiative ist nichts anderes als Switzerland first. Trump lachen wir aus - wenn wirs selbst tun, bemerken wir die eigene Überheblichkeit nicht mal mehr!
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