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«Chinesische Schulen kommen am besten durch die Krise»
Aus Echo der Zeit vom 06.04.2020.
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Homeschooling in Krisenzeiten «Alles zu wiederholen, wäre wirklich ein verlorenes Jahr»

Das Homeschooling stellt die Lehrerschaft wie auch die Eltern in diesen Tagen vor grosse Herausforderungen. Er sei zuversichtlich, dass die Schüler wie Lehrer die Corona-Krise positiv nutzen könnten, sagt Andreas Schleicher, Direktor der Abteilung Bildung bei der OECD.

Andreas Schleicher

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Andreas Schleicher ist Direktor der Abteilung Bildung bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Er ist verantwortlich für die Pisa-Studien und hat diese einst auch konzipiert.

SRF News: Wo steht die Schweiz beim digitalen Fernunterricht im Vergleich der OECD-Länder?

Andreas Schleicher: Technologisch sind die Schulen in der Schweiz relativ gut ausgestattet. Noch mehr zu tun ist bei den Lehrkräften. Einem grossem Teil fehlen – zumindest nach Aussagen der Schulleitungen – die technischen und pädagogischen Fähigkeiten, um Technologie in innovative Unterrichtskonzepte zu integrieren.

Ein grosser Teil der Lehrerschaft kann die Technologie nicht in innovative Unterrichtskonzepte integrieren – zumindest laut den Schulleitungen.

In welchem Land läuft es am besten?

China ist am besten durch die Krise gekommen. Da waren schon nach einem Monat 50 Millionen Kinder online. Es ist auch gut gelungen, die sozialen Beziehungen zwischen Schülern und Lehrkräften zu erhalten. In Europa ist Estland bei der technologischen Ausstattung und den digitalisierten Unterrichtskonzepten sehr weit. Insgesamt stehen wir aber noch am Anfang einer sehr wichtigen Entwicklung.

Was bedeutet die Corona-Krise für die nächste Pisa-Studie?

Wir setzen dieses Jahr aus und machen mit Pisa 2021 unter Berücksichtigung neuer Aspekte weiter. Der Unterrichtsausfall wird Spuren hinterlassen. Ein noch zu entwickelndes Modul wird zeigen, wie Kinder bei geschlossenen Schulen lernen, wer profitiert und wer benachteiligt ist.

Befürchten Sie auch, dass sich die Schere zwischen leistungsstarken und -schwachen Schülern weiter öffnet?

Dafür gibt es sehr gute Hinweise. Für Schüler aus gut situierten Bereichen ist es wohl eine tolle Erfahrung. Sie haben die Unterstützung der Eltern, Zugriff auf neueste Lernmethoden und Technologien. Schüler aus ungünstigem sozialem Umfeld fehlt oft nicht nur der Zugang, sondern auch die häusliche Unterstützung. Hier geht die Schere sicher weiter auf. Das kann aber auch nach langen Ferien beobachtet werden.

Wie kann den Kindern trotz Corona möglichst viel Chancengleichheit gewährleistet werden?

Die Online-Plattformen müssen gut genutzt werden. Hier kann die Regierung viel tun, indem sie die besten Instrumente überall zur Verfügung stellt und die Lehrkräfte unterstützt – auch für mehr Zusammenarbeit untereinander.

Es gibt Stimmen, die das laufende Schuljahr abschreiben wollen. Was halten sie davon, das Jahr, oder zumindest ein Semester, zu wiederholen?

Da sind die Schüler wohl widerstandsfähiger, als wir das oft glauben. Von dem, was sie online lernen, bleibt sehr viel hängen. Alles nochmals zu machen, wäre dann wirklich ein verlorenes Jahr. Wenn es bei ein paar Monaten bleibt, ist dieses Problem zu bewältigen.

Bei den Schülern bleibt online sehr viel hängen. Alles zu wiederholen, wäre dann wirklich ein verlorenes Jahr.

Was überwiegt bei Ihnen – die Sorge um die Bildung oder die Freude über die Fortschritte im digitalen Unterricht?

Sicherlich die Sorge um die Schülerschaft. Denn nicht alle Lehrer sind darauf vorbereitet, und nicht alle Schüler haben zu Hause das entsprechende Umfeld. Ich denke aber auch, dass grosse Veränderungen oft in Zeiten tief greifender Krisen stattfinden.

Homeschooling.
Legende: Homeschooling: Laut OECD-Direktor Andreas Schleicher bestimmt das soziale Umfeld massgeblich über Erfolg und Misserfolg. Keystone

Das schlimmste Szenario wäre, wenn nach der Krise wieder alles so wäre wie vorher. Doch da bin ich gerade bei den Schülerinnen und Schülern optimistisch. Wer einmal gemerkt hat, dass man selbstständig lernen kann und sich die Lehrkräfte etwa in einem digitalen Laboratorium aussuchen kann, wird später einmal ein anspruchsvollerer Schüler sein.

Das Gespräch führte Roger Brändlin.

Echo der Zeit, 06.04.2020, 18:00 Uhr;

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Eliane Suter  (esuter)
    Zur Einführung des Fachs «Technik & Umwelt» haben wir 2016 mit einem Experiment begonnen und das «The Horse» Konzept erfunden. Lernende arbeiten über eine Website mit Login & nutzen div. Werkzeuge für die Erstellung kollaborativer Team-Projekte (sogar länderübergreifend!), welche online publiziert werden können (https://dontwastemy.energy). Wir haben einen Verein gegründet, um das Konzept zu verbreiten & entwickeln. Öffentl. Support zu finden ist aber schwierig. Infos: https://teachingweb.org
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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Tja, vermutlich wird nun nichts mit 6 Wochen Schulferien im Sommer, denn es könnte doch durchaus sein, dass drei Wochen davon gebraucht werden um das nötigste nachzuholen, besonders wenn ich an die Kinder mit eher mit bildungsfernem Hintergrund denke.
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    1. Antwort von Jenny Bühler  (jennilb)
      Da kann ich Ihnen widersprechen. Im neusten Bulletin steht, dass der Schulkalender 19/20 ohne Veränderung stehen bleibt - somit auch die Ferien.
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  • Kommentar von Samuel Nogler  (semi-arid)
    Über Jahrtausende hat sich Home-Schooling bewährt und es gibt es schon viel länger als Schulen. Es gibt keinen erkenntlichen Grund, wieso die heutigen Kinder von ihren Eltern nichts mehr lernen können sollten, nur weil sie üblicherweise von einer Lehrperson gelehrt werden. Diese Zeit ist durchaus eine Chance für Eltern, Kinder und Lehrpersonen. Leid tun mir die Kinder, die Eltern haben, die kaum für sie Zeit haben, nicht nur in Corona-Zeiten.
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    1. Antwort von Sascha Freitag  (SF)
      Danke, ich sitze wirklich gerne bis Mitternacht an Hausaufgaben und muss dann wieder früh morgens raus zur Arbeit.
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