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Legende: Audio Das Ende des Abkommens wird atomare Aufrüstungsvorhaben befeuern abspielen. Laufzeit 02:01 Minuten.
Aus HeuteMorgen vom 02.08.2019.
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INF-Abkommen Einer der wichtigsten Abrüstungsverträge ist Geschichte

Der INF-Vertrag über nukleare Mittelstreckenraketen ist tot. Mit ihm wurde erstmals eine ganze Waffengattung eliminiert. Zunächst hat Russland ihn verletzt, dann haben ihn die USA gekündigt. Damit wird die Welt erheblich unsicherer.

Weder in Moskau noch in Washington hat man in den vergangenen Monaten ernsthaft versucht, den INF-Vertrag zu retten. Und damit einen der historisch wichtigsten Abrüstungsverträge, 1987 unterzeichnet von US-Präsident Ronald Reagan und seinem sowjetischen Amtskollegen Michail Gorbatschow. Das Abkommen hat die Lage zwischen den beiden Mächten gewaltig beruhigt, für Transparenz gesorgt dank gegenseitiger Beobachtung, und es beendete in Europa die bittere Nachrüstungsdebatte der 1980er-Jahre.

Atomares Wettrüsten droht

Doch seit mehreren Jahren verletzt Russland den INF-Vertrag mit dem Bau und der Stationierung seiner SSC-8-Marschflugkörper. Das bestreitet man zwar in Moskau. Nicht nur die USA, sondern auch die europäischen Nato-Mitglieder und Militärexperten sind aber überzeugt vom russischen Vertragsbruch. Die USA haben deshalb im Februar den Vertrag gekündigt; jetzt läuft die Kündigungsfrist aus.

Das Ende des Abkommens wird im Kreml wie im Weissen Haus atomare Aufrüstungsvorhaben befeuern – und in Europa die Frage neu lancieren, ob man nun auch hier landgestützte atomare Mittelstreckenwaffen stationieren muss.

Die Nato meint, das sei nicht nötig. Vorläufig. Man wolle zunächst auf konventionelle Waffen setzen. Doch allein die Diskussion dürfte einen Keil zwischen die Staaten Europas treiben. Und die neue Lage verstärkt das Misstrauen zwischen Moskau und Washington zusätzlich. Der Welt droht ein neues atomares Wettrüsten.

Keine Kompromissbereitschaft erkennbar

Zudem steht auch eine Verlängerung des New-Start-Vertrages über atomare Langstreckenwaffen in den Sternen, und Russland wirft den USA bereits vor, den Atomteststoppvertrag brechen zu wollen.

Über neue, umfassendere Abrüstungsabkommen, die auch China einbinden sollen, wird zwar vage gesprochen. Doch sie sind weithin nicht in Sicht. Kompromissbereitschaft ist keine zu erkennen – nicht in Washington, nicht in Moskau, nicht in Peking.

Fredy Gsteiger

Fredy Gsteiger

Diplomatischer Korrespondent, SRF

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Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

Legende: Video Das Aus des Abrüstungsvertrages INF abspielen. Laufzeit 04:30 Minuten.
Aus Tagesschau vom 02.08.2019.
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49 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Steiner  (Stein des Anstosses)
    Eine fundiertere und vor allem neutralere Betrachtung (grad beim Videobeitrag dazu) der Situation wird dazu von Telepolis geliefert. Es ist scheinbar nicht bewiesen dass Russland den Vertrag verletzt hat - man wollte das gar nicht genau prüfen. Andererseits ist der Grund für das Ende wahrscheinlich, dass China gar nicht an solche Bedingungen gebunden ist.
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  • Kommentar von Richard Limahcer  (Limi)
    Angesichts der Tatsache, dass die beiden Grossmächte mit ihrem nuklearen Potential die Welt bereits mehrfach vernichten können, ist weiteres Wettrüsten einfach nur dumm! Von sowas profitiert nur der industriell, militärische Komplex. Ich bin überzeugt 99.9% wollen Frieden. Warum nur lassen sie sich derart von den 0.1% dominieren?
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  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    DT will ja im naechsten Jahr wieder gewählt werden, also muss er
    seinen blauäugigen Wähler etwas biete
    In seinem Groessenwahn ist er zu jeder Schandtat
    Faehig ein neuer
    Konflikt wenn noetig
    mit einigen hundert
    Toten wird in Kauf genommen armes Amerika
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