Seit zwei Wochen greifen die USA und Israel den Iran aus der Luft an, der mit Gegenschlägen im Nahen Osten reagiert und dabei auch die Golfstaaten in den Konflikt zieht.
Israel verfolgt dabei eine Strategie, die auf Schwächung abziele, erklärt Simon Wolfgang Fuchs von der Hebräischen Universität in Jerusalem. Es handle sich um eine Taktik, die man aus den Nachbargebieten Gaza oder dem Libanon kenne – «sozusagen der Versuch, alles so weit zurückzuwerfen, dass der Gegner erst mal für lange Zeit geschwächt ist.»
In den letzten Tagen hätten sich die militärischen Prioritäten verschoben, erklärt der Nahostexperte. Anfangs hätten es die USA und Israel bei ihren Angriffen vor allem auf die Luftabwehr Irans abgesehen. Mittlerweile liege der Schwerpunkt aber auf der Repressionsinfrastruktur des Regimes – Stellungen der Revolutionsgarden etwa – sowie auf Produktionsstätten für Raketen und Drohnen.
Teheran hat zu Beginn des Krieges empfindliche Rückschläge hinnehmen müssen, doch der Experte Fuchs mahnt an: «Seit ungefähr zehn Tagen bleibt das Niveau bei konstant rund 30 Raketenstarts täglich.» Es gebe zudem Anzeichen dafür, dass Teheran seine modernsten und wichtigsten Raketen noch in der Hinterhand hält.
Zuletzt kursierten immer wieder Gerüchte darüber, dass die USA Truppen in die Strasse von Hormus entsenden würden. Experte Fuchs hält das für unrealistisch: «Solche Spekulationen sind weit hergeholt, weil man dazu gar nicht die Soldaten in der Region hat und sie auch nicht hinbringen könnte.»
Das Regime deutet das eigene Überleben als Sieg
Solange der Krieg weiterläuft wie bisher, weiss Teheran das Geschehen für seine Propagandazwecke zu nutzen. Gezeigt hat sich dies etwa bei der Al-Kuds-Demonstration am Freitag in Teheran. Dort zeigten sich Spitzenpolitiker öffentlich – laut Fuchs ein Signal: «Man will diese Bilder in die Welt senden, um zu sagen: ‹Wir sind immer noch da, ihr habt eigentlich gar nichts erreicht. Ihr habt unsere Strategie völlig unterschätzt und alles, was ihr euch ausgemalt habt, ist so nicht eingetreten.›»
In der konventionellen Kriegsführung ist der Iran unterlegen. In der Strasse von Hormus könne Teheran aber mit seinen vielen kleinen Schiffen und unbemannten Einheiten Nadelstiche setzen, sagt Simon Wolfgang Fuchs.
Nach zwei Wochen Krieg passe Israel seine Strategie derzeit an, ist er überzeugt. Die israelische Armee greife vermehrt Checkpoints in Teheran an, basierend auf Informationen aus der Bevölkerung – möglicherweise in der Hoffnung auf einen Aufstand. Ob diese Strategie aufgehe, bleibe aber fraglich. «Derzeit deutet nichts darauf hin», stellt Fuchs fest.
Keine Anzeichen für Deeskalation
Wie also wird es weitergehen in diesem Krieg? Ausschliessen mag der Experte derzeit nur eines: «Bodentruppen will niemand. Israel kann sich das nicht leisten, die USA müssten Hunderttausende Soldaten bringen.» Die Luftangriffe dürften andauern – allenfalls begleitet von Spezialoperationen, fügt der Nahostexperte hinzu.
Derzeit stünden die Zeichen aber auf Eskalation: «Ich habe nicht das Gefühl, dass beide Seiten im Moment ein Interesse haben, klein beizugeben.» Auf die längere Sicht sei es aber möglich, dass Donald Trump die Kosten für die USA zu hoch würden und er sich – wie im letzten Sommer – zurückziehen würde. «Dann würden wir in einem Jahr wieder genau vor denselben Verhältnissen stehen.»