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Die Zeichen stehen auf Krieg in Nahost
Aus SRF 4 News aktuell vom 12.05.2021.
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Israel «Die Heftigkeit der Angriffe auf Tel Aviv war überraschend»

Die Gewaltspirale dreht sich weiter: Gegen 1000 Raketen wurden aus dem Gazastreifen in Richtung Tel Aviv abgefeuert, die israelische Armee flog Gegenangriffe. Auf beiden Seiten gibt es Tote und Verletzte. Die freie Journalistin Joëlle Weil schildert, wie es ist, derzeit in Tel Aviv zu leben.

Joëlle Weil

Joëlle Weil

Journalistin

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Seit 2013 lebt und arbeitet die Zürcherin Joëlle Weil als freie Journalistin und Kolumnistin in Tel Aviv.

SRF News: Wie haben Sie die letzte Nacht erlebt?

Joëlle Weil: Es war eine unruhige Nacht – um drei Uhr gingen die Sirenen los. Dann schnappt man sich sein Telefon, Hund und Kind und wartet im Bunker, bis alles vorbei ist.

1000 Stück – so viele Raketen aus dem Gazastreifen wurden noch nie auf Tel Aviv abgefeuert. Wie ist die Stimmung in der Stadt?

Die Lage hat sich seit der Nacht etwas entspannt, trotzdem bleiben die Leute heute in Israel zu Hause. Im ganzen Land sind die Schulen geschlossen, und wer Homeoffice machen kann, arbeitet heute von zu Hause aus.

Nicht auszumalen, wenn alle Raketen in Israel eingeschlagen wären.

Das israelische Luftabwehrsystem «Iron Dome» konnte nicht alle Raketen abfangen. Fühlen sich die Israeli trotzdem sicher?

Es stärkt das Gefühl von Sicherheit durchaus. Es wäre ja nicht auszumalen, wenn alle Raketen, die auf Israel abgefeuert worden sind, auch eingeschlagen wären. Trotzdem ist klar: Das System kann nicht alle Geschosse abfangen, entsprechend haben die Raketen aus Gaza in Israel mehrere Todesopfer gefordert.

Wie überraschend waren die Raketenangriffe für die Menschen in Tel Aviv?

Sie waren von den militanten palästinensischen Organisationen ja angekündigt – trotzdem kommen solche immer wieder überraschend. Vor allem die Heftigkeit der Angriffe und dass sie auch mitten in der Nacht erfolgten, war doch überraschend.

Werden angesichts der sich zuspitzenden Lage in Israel jetzt auch Stimmen laut, die eine Deeskalation fordern?

Solche Stimmen gibt es immer. Normalerweise sind es die politisch linken Kreise, die sich gegen militärische Operationen im Gazastreifen stellen.

In mehreren israelischen Städten kam es zu massivsten Ausschreitungen arabischer Jugendlicher.

Doch inzwischen ist die Situation derart ausser Kontrolle geraten – neben den Raketenangriffen ist es in mehreren Städten auch zu massivsten Ausschreitungen arabischer Jugendlicher gekommen –, dass die Stimmung im israelischen Volk relativ homogen ist.

Es ist die schwerste Krise zwischen Israelis und Palästinensern seit dem Gazakrieg von 2014. Wie geht es jetzt weiter?

Die Prognose ist leider düster. Wir sehen wohl den Anfang eines neuen Krieges. Premierminister Benjamin Netanjahu hat bereits angekündigt, dass die militärische Operation weitergehen und nicht rasch beendet wird.

Das Gespräch führte Lillybelle Eisele.

SRF 4 News aktuell vom 12.5.2021, 10.05 Uhr;

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72 Kommentare

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  • Kommentar von Martin Vischer  (Martin Vischer)
    Ich kann mir kein Land vorstellen, auf welches 1000 Raketen abgefeuert werden, das nicht sofort einmarschieren und aufräumen würde. Keines.
    Israel braucht wieder eine zu allem entschlossene Regierung.
    1. Antwort von Burak Ünlü  (Burak)
      Israel braucht Vernunft und Empathie mehr als alles.
      Es braucht keine extreme, zu allem entschlossene, Regierung, die Leben von Unschuldigen und von weiteren Kindern feiert.
  • Kommentar von Hanspeter Schwarb  (Ganymed)
    In Ashdod kenne ich eine Familie die ich 2013 besucht habe. Als gestern Raketen Angriffe auf die Stadt gemeldet wurden habe ich angerufen. Er hat mir einige Mit dem Handy gemachten Aufnahmen geschickt. Es ist wie im Krieg Sirenengeheul, Blitze und Lichter wie schnelle Satelliten in grosser Anzahl. Die Bewohner versammelten sich im Treppenhaus. Das bietet einen erhöhten Schutz. Ich habe diesen religiösen Fundamentalismus und Fanatismus noch nie verstanden.
    1. Antwort von Mauro Dossena  (mavedox)
      Versuchen Sie sich, 70 Apartheid, Unterdrückung und ethnische Säuberung vorzustellen, und Sie werden verstehen.
    2. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      @ Herr Dossena: Und deswegen darf man Raketen auf Zivilisten schiessen? Sicher nicht!
  • Kommentar von Alex Volkart  (Lex18)
    Was ich hier vermisse ist die Aufklärung darüber wer die Raketen lieferte, die Extremisten haben Sie wohl kaum selbst gebaut.
    1. Antwort von Erwin Jenni  (ej)
      Bitte lesen sie doch meinen Kommentar Hr. Volkert. Der Iran steht als Hauptakteur hinter den Waffenlieferungen, sowohl für die Hisbollah als auch für die Hamas. Paradoxerweise an Schiiten und Sunniten, welche sonst erbitterte Feinde sind. Wenn es aber um den Hauptfeind Israel geht, spannt man zusammen. Ohne das gemeinsame Feindbild Israel würden sie sich vermutlich gegenseitig bekämpfen.
    2. Antwort von Manu Meier  (Manuel Meier)
      Die Kassam Raketen bauen sie selbst. Die grösseren Artillerieraketen kommen zum teil aus dem Iran durch Schmuggel auf verschiedene Wege. Waffen kommen immer irgendwie ans Ziel. Erstaunlich ist, dass ein eigenständiges "Land" wie der Gaza Streifen sich mit Schmuggel Sprengstoff und Raketen holen muss, und die nicht einfach wie jedes normale Land kaufen darf. Das zeigt ja schon, wie der Gaza Streifen unter Blockade steht. Das ruft halt auch solche Aktionen hervor. Ein Teufelskreis.
    3. Antwort von Erwin Jenni  (ej)
      Ja, Hr. Buso, meine Kommentare sind einseitig, weil diese die andere Seite zeigen, welche meistens zu kurz kommt. Sie befinden sich hier ja in bester Gesellschaft mit ihren "objektiven" Kommentaren. Vielleicht kann ich mit untenstehendem Link ihren Horizont doch etwas erweitern, was den Nahen Osten betrifft. Wünsche einen friedlichen Abend.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Hamas