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Gewalt in Jerusalem hält an – Israel feiert Einnahme von Ostteil
Aus Tagesschau vom 10.05.2021.
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Jerusalemtag Eskalation zwischen jüdischer und arabischer Bevölkerung droht

Heute feiert Israel die Wiedervereinigung Jerusalems. Die gewaltsamen Zusammenstösse der letzten Tage in Jerusalem drohen erst recht zu eskalieren.

Worum geht es? Im Sechstagekrieg von 1967 hatte Israel Ost-Jerusalem von Jordanien zurückerobert und damit Kontrolle über die ganze Stadt erlangt. Das feiern junge Israelis seit Jahrzehnten mit einem Umzug durch die Altstadt. Die Route des Umzugs führt vom Damaskustor – dem Eingang zum muslimischen Viertel der Altstadt – zur Klagemauer. Dort ist die Stimmung nach der Gewalt der letzten Tage jedoch so angespannt, dass die Sicherheitskräfte vor einer Durchführung des Umzugs gewarnt hatten.

Karte mit der Altstadt von Jerusalem.
Legende: Die Altstadt von Jerusalem teilen sich vier Religionen. SRF

Wie ist die momentane Lage? Jugendliche – viele davon aus jüdischen Siedlungen – ziehen singend durch die Altstadt Jerusalems und provozieren dabei die arabische Bevölkerung. Zu gewalttätigen Zusammenstössen kommt es zwar jedes Jahr. In diesem Jahr ist die Lage jedoch noch angespannter als sonst. Jüdische Siedler und langjährige palästinensische Bewohner der Altstadt machen sich gegenseitig Häuser streitig im Sheikh-al-Jarrah-Quartier. Eine Gerichtsanhörung, die hätte stattfinden sollen, wurde kurzfristig verschoben.

Karte mit dem Quartier Sheikh al-Jarrah in Jerusalem.
Legende: SRF

Was waren Auslöser für die Gewalt? Die Wut der arabischen Bevölkerung über eine mögliche Vertreibung der palästinensischen Bewohnerinnen und Bewohner war ein Auslöser. Weiter hatten israelische Sicherheitskräfte ausgerechnet während des Ramadans das Areal der Al-Aqsa-Moschee gestürmt und viele verletzt, die nicht an den Demonstrationen beteiligt waren – auch Kinder.

Zudem hatte die Polizei das Damaskustor – ein beliebter Treffpunkt palästinensischer Jugendlicher – zu Beginn des Ramadans verbarrikadiert, was zu Ausschreitungen führte. Und: In den letzten Wochen machten radikale arabische und jüdische Jugendliche regelrecht Jagd aufeinander.

Wieso ist die Situation kritisch? Die Lage ist so explosiv, dass sich selbst der UNO-Sicherheitsrat mit der Gewalt in Jerusalem befassen will. Diese ist in den letzten Tagen auf andere Städte Israels und auf die besetzten palästinensischen Gebiete übergeschwappt – eine Gewaltwelle, die Extremisten auf beiden Seiten des Konflikts auszunutzen versuchen.

Wie reagieren andere Länder? Die muslimische Welt reagiert scharf auf die anhaltenden Zusammenstösse in Jerusalem. So hat die Arabische Liga für diesen Montag eine Sondersitzung angekündigt. Länder wie zum Beispiel Bahrain oder die Vereinigten Arabischen Emirate geben Israel die Schuld an der Eskalation zwischen Palästinensern und Sicherheitskräften.

Besonders scharfe Rhetorik wählte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, obwohl sein Land zuletzt versuchte, die Beziehungen zu Israel zu verbessern. Er bezeichnete Israel wegen der Unruhen als «Terrorstaat».

Was bezweckt Erdogan mit seinen Aussagen? «Er spricht damit vor allen Dingen seine islamistischen Anhänger in der Türkei an», erklärt Thomas Seibert, freier Journalist in Istanbul. Erdogan präsentiere sich seit langem als eine Art «inoffizieller Sprecher aller unterdrückten Muslime auf der Welt» und stehe diesbezüglich unter Druck. Zur Unterdrückung der Uiguren in China habe er sich bisher nämlich nicht geäussert. Der Grund: «Erdogan will die Beziehungen zu China auf keinen Fall gefährden.» Die Annäherung an Israel hingegen sei noch nicht weit gediehen. «Er hat also nicht viel zu verlieren.»

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Aus dem Archiv: Zusammenstösse in Jerusalem
Aus Tagesschau vom 08.05.2021.
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HeuteMorgen, 10.05.2021, 06:30 Uhr;

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48 Kommentare

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  • Kommentar von Andrew Simon  (A. Simon)
    Wow, mttlerweile schon 43 Kommentare (soviele kommen nicht mal bei Myanmar/Rohingya, China/Uiguren plus Türkei/Kurden zusammen). Viele Kommentare scheinbar emotional getrieben, stark vereinfachend mit schwarz/weiss, gut böse und oft schlicht mit unwahren Aussagen. Das sind dann dieselben, die behaupten, nicht antisemitisch zu sein, schliesslich dürfe man ein Land kritisieren dürfen. Klar, kein Problem, kommt dann halt bei den so unschuldigen Palästinensern dieses Bedürfnis auf …
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Würden die beiden Kontrahenten friedlich miteinander umgehen anstatt sich zu bekämpfen sähe es bald besser aus. Aber dort ist die Devise: Auge um Auge, Zahn um Zahn.
    2. Antwort von Markus Kohl  (Fischers)
      @Albert
      Die Utopie der Menschheit ist wenn die Kontrahenten friedlich miteinander umgehen.
      Eine dritte Partei wird nie Freude haben von einer Win/Win Situation.

      „Der Kluge gibt so lange nach, bis er der Dumme ist.“
    3. Antwort von Erik Eisermann  (ECATWEAZLE)
      Guten Morgen Andrew.
      Wenn das Wort antisemitisch fällt, dann ist das auch schwarz-weiss, oder?
      Ich habe in JEDEM Land Menschen getroffen, die eine angenehme Atmosphäre mit mir ausgetauscht haben, manchmal auch solche, die ich lieber von hinten sehe. Regierung und Staatsmänner reflektieren allerdings meist nicht die ganze Mehrheit, und da setze ich den Hebel an und fordere Gerechtigkeit, hohes ethisches und soziales Handeln und Verantwortung.
      Freundliche Grüsse, ee
  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    In mir kommt eher das Gefühl auf, mit dieser Aktion wird von dem wiederholten Versagen eine israelische Regierung zu bilden, abgelenkt.
    1. Antwort von Hanspeter Büchi  (Berg)
      Damit hat die Regierung nichts zu tun.Das Oberste Gericht war dabei, die rechtmässigen Ansprüche von 1948 aus ihren Häusern vertriebenen Juden anzuerkennen, was zwangsläufig Unruhen auslösen musste. Dies weil die Palästinenser ohnehin die Existenz Israels ablehnen, man lese die Charta der PLO. Warum all das? Nach islamischer Lehre darf einst islamisches Territorium niemals von Nicht-Muslimen beherrscht werden. Egal, ob der Völkerbund 1922 den Juden das ganze Gebiet zw.Jordan und Mittelmeer gab.
  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Auf beiden Seiten Sture Extremisten und so wird es eben nie funktionieren und wiedereinmal steht "Glaube und Religion" dem friedlichen Zusammenleben im Weg! Traurig, traurig!