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Der israelische «Mister Cyber»
Aus Echo der Zeit vom 11.10.2019.
abspielen. Laufzeit 05:44 Minuten.
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Israels «Mr. Cyber» warnt «Die Schweiz muss eine Cyberkultur entwickeln»

Israel ist das Land, das wohl am besten auf die Abwehr von Cyberattacken vorbereitet ist. Das ist nicht zuletzt das Verdienst von Rami Efrati. Auch wenn sich die Bedrohungslage in der Schweiz kaum mit derjenigen Israels vergleichen lässt: Israels «Mr. Cyber» empfiehlt der Schweiz dringend, im Kampf gegen Cyberattacken nachzurüsten.

Rami Efrati

Rami Efrati

Israelischer Cyber-Experte

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Efrati ist einer der führenden Experten für die Kriegsführung im Cyberspace. Er war in Israel fast 30 Jahre für das Verteidigungsministerium tätig und zudem Berater für die israelische Regierung.

SRF News: Israel hat die Cybersicherheit seit 2003 in seiner nationalen Sicherheitsstrategie verankert. Die Schweiz hat seit 2012 eine Cyberstrategie.

Ich glaube, Sie haben ein wenig spät damit angefangen. Aber: Der Cyberkampf geht immer weiter.

Warum gilt Israel als eines der fortgeschrittensten Länder, was die Abwehr von Cyberattacken angeht?

Die Menschen in Israel leben jeden Tag mit einer gewissen Bedrohung. Sie haben realisiert, dass die Bedrohung nicht nur von Raketen kommt, sondern auch aus dem Netz. Das ist etwas, das Israel kennt: Die Gefahren voraussehen und etwas daraus machen.

Heisst das im Umkehrschluss, dass wir die Gefahr lange unterschätzt haben, weil wir uns nicht unmittelbar bedroht fühlten?

Die Schweiz ist ein einzigartiges Land. Ihr führt keinen Krieg, seid neutral, aber jeder hat ein Gewehr daheim. Die Schweiz ist aber ein reiches Land und deshalb ein interessantes Ziel. Cyberattacken werden ja nicht nur von Regierungen gegen andere Länder gestartet, sondern auch von Kriminellen. Sie schalten eine Nachricht auf Ihrem Rechner auf: Zahlen Sie, oder Sie bekommen ihre Daten nicht zurück.

So wie die öffentliche Hand dafür sorgt, dass Sie sauberes Trinkwasser haben, muss sie dafür sorgen, dass die digitale Welt sauber bleibt.

Wenn das einer Privatperson passiert, sind vielleicht Fotos oder Korrespondenz betroffen. Bei einem Spital können Erpresser dafür sorgen, dass Sie nicht mehr wissen, welche Operationen geplant sind, wie die Patienten heissen, wer dringend operiert werden muss. Stellen Sie sich vor, was bei Banken passieren kann – und ich glaube, Schweizer Banken sind ein beliebtes Ziel.

Wo herrscht bei uns Nachholbedarf?

Sie müssen unbedingt eine Cyberkultur entwickeln. Jeder sollte begreifen, dass er einen Beitrag leisten muss, um die Schweiz sicherer zu machen. Sei das ein Supermarkt, ein kleines oder grosses Spital, eine Bank. Das kostet viel Geld. Und normalerweise investiert niemand gerne viel Geld in etwas, das er nicht sehen kann.

Wenn unsere Regierung nicht grosszügig in Start-Ups investiert hätte, wären wir nicht federführend im Kampf gegen die Gefahren aus dem Cyberspace.

Das muss also die Rolle der Regierung sein: Sie muss sicherstellen, dass sie eine «Cyberhygiene» im Land haben. So wie die öffentilche Hand dafür sorgt, dass Sie sauberes Trinkwasser haben, muss sie auch dafür sorgen, dass die digitale Welt sauber bleibt. Das kostet ein Vermögen!

Sie plädieren dafür, dass die öffentliche Hand massiv in Firmen investiert, die sich mit Cybersicherheit befassen.

Wenn unsere Regierung nicht grosszügig in Start-Ups investiert hätte, wären wir nicht federführend im Kampf gegen die Gefahren aus dem Cyberspace. Auch die Schweiz muss Prioritäten setzen. Sonst wird die Forschung nicht gestützt und innovative Start-Ups müssen sich mit der Hilfe privater Investoren begnügen. Dann wird es vielleicht zwei erfolgreiche Firmen in dem Bereich geben.

Und dann wären wir gegen Cyberattacken gewappnet?

Wir haben ein nationales Bildungsprogramm, das mit zehnjährigen Kindern beginnt. Wir müssen sie nicht zu Hackern ausbilden. Aber sie müssen wissen, wie sie sich im Netz verhalten, sich zur Wehr setzen und sich schützen können. Denn diese Kinder werden einmal erwachsen und stellen dann die Bevölkerung. Zudem fokussieren wir auf die Ausbildung von Informatikern, Mathematikern und Elektro-Ingenieuren. Denn sie sorgen in Zukunft dafür, dass wir geschützt sind vor Cyberattacken.

Das Gespräch führte Nicoletta Cimmino.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Ziegler  (Urs Ziegler)
    Hr. Efrati hat vollkommen recht und die Kommentare zeigen es: Es ist offensichtlich vielen Leuten in der Schweiz nicht klar, wieviel bereits heute am Internet hängt und damit an der Cyber-Sicherheit. Cyber-Sicherheit gehört in die nationale Verteidigungsstrategie, ins Verteidigungsbudget und in sämtliche Ausbildungsprogramme, es ist wichtiger als eine Luftverteidigung, denn der "Cyber War" ist schon im Gang und er kennt keine Landesgrenzen.
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    1. Antwort von Charles Grossrieder  (View)
      Vollkommen einverstanden mit Ihnen und Herrn Efrati. Ich denke sein Team ist so weit fortgeschritten, dass es mit einigen IT Anweisungen die ganze Schweiz lahmlegen koennte. Aber, das wird er uns weder verraten noch antun. Es koennte aber ein nützliches Beispiel sein um den Leuten klar zu machen was mit Cyber Security gemeint ist. Auch, dass in solch einem Fall keine milliardenteure Luftwaffe hilft, die hebt dann nämlich auch nicht ab.
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  • Kommentar von Thomas Brand  (tomcomm)
    Der Cyberspace ist etwas aus den 90er Jahren, häufig verbunden mit 3D Technologie.
    Leute die heute vom "Cyber" sprechen meinen i.d.R. EFK, also elektronische Kriegsführung (und Abwehr). Wenn unsere Frau Amherd jeweils vom "Cyber" spricht denke ich mir, ach ja, stimmt, habe ich ganze vergessen, der "Cyber". Ein Mr. "Cyber" hat uns gerade noch gefehlt.
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  • Kommentar von Robin Niederberger  (R. N.)
    Mir ist überhaupt nicht klar, was Cybersicherheit mit Landesverteidigung zu tun hat. Weiss sich eine Bank denn nicht selbst wesentlich besser gegen solche Angriffe zu wappnen? Man denke an die teilweise riesigen IT-Abteilungen solcher Unternehmen. Hier würde ich mir einen Artikel mit etwas mehr klärendem Tiefgang wünschen. Wir können ja schliesslich nicht alle "Mr. Cyber" sein.
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    1. Antwort von E. Meier  (Eme)
      Stimmt, bessere Information ist nötig. Es trifft nicht nur Firmen. Wir fahren Zug, regeln den Verkehr mit Ampeln, beziehen Strom und Wasser, konsumieren selber Internet, Radio, TV. Verlassen uns auf Rettung, Spital, Polizei. All diese selbstverständlichen Dinge sind zunehmend vernetzt, nicht direkt am Internet aber doch erreichbar. Unser Leben wird völlig lahmgelegt wenn solche Infrastruktur getroffen wird. Firmen können Konkurs gehen wenn sie das unterschätzen. Wir sollten mehr tun zum Schutz
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