Der Katzenjammer ist gross in Italien nach der Nichtqualifikation der Fussballnationalmannschaft für die WM in Amerika. Das Team von Trainer Gennaro Gattuso verlor das Qualifikations-Entscheidungsspiel am Dienstag gegen Bosnien-Herzegowina im Penaltyschiessen.
Es ist das dritte Mal in Folge, dass sich der vierfache Weltmeister nicht für eine WM-Endrunde qualifizieren konnte. Die rosarote «Gazzetta dello Sport» nennt das Spielresultat vom Dienstag denn auch eine «historischen Niederlage» für die Azzurri.
Den Entscheidungsmatch gar nicht geschaut
Was für eine Misere, was für eine Schande – so tönt es jetzt aus Italien. Doch das Land hat sich an die Fussballniederlagen gewöhnt und das Interesse am Fussball hat im Belpaese arg gelitten, wie der Besuch in einer kleinen Römer Bar zeigt.
Das ist ja nicht mehr mit anzusehen!
Dort steht Antonello hinter dem Tresen und lässt einen Caffè nach dem anderen aus seiner Maschine. «Nein, ich hab mir den Match nicht angeschaut. Das ist ja nicht mehr mit anzusehen», klagt er.
Auch seine Kinder, seine Frau – nulla! niente! keiner hat den Fernseher gestern angestellt.
Warum ist das so? «Leider setzen die italienischen Clubs nur noch auf ausländische Spieler. Und so hat Italien keine eigenen Champions mehr», sagt Antonello.
Der Match gestern hat mir gar nicht gefallen.
Hinter ihm an der Wand hängt ein leicht angestaubter gelbroter Schal, die Farben der AS Roma. In dieser kleinen Bar, in dieser kleinen Welt gleich neben dem Vatikan versteht man also etwas vom Fussball.
Wird sich der italienische Calcio erholen?
Carlo, ein Tifoso und Kenner stellt fest: «Ich bin sehr enttäuscht. Der Match gestern hat mir gar nicht gefallen.» Neben Carlo sitzt Luigi vor einem Cappuccino. Er sagt: «Ich habe nur die erste Halbzeit geschaut, dann ging ich ins Bett.»
Der italienische Fussball wird sich erholen.
Und seine Kinder hätten sich überhaupt nicht für das Spiel interessiert. Sie begeistern sich für ganz andere Sportarten: Tennis, Radsport. Und vor Kurzem für den Medaillensegen bei den olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina.
Ist es das also gewesen mit dem italienischen Calcio? «Nein, der italienische Fussball wird sich erholen», prophezeit Carlo. Bloss: Das sagte man auch schon vor vier und vor acht Jahren.
Tatsache ist: Inzwischen hat beinahe eine ganze Generation von jungen Italienerinnen und Italienern noch nie bei einer WM für die Azzurri mitgefiebert.