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Schwere Zusammenstösse in Jerusalem
Aus SRF 4 News aktuell vom 26.04.2021.
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Unruhen in Jerusalem Junge Araber und orthodoxe Juden machen Jagd aufeinander

Jugendliche verschiedener Lager gehen seit Tagen aufeinander los. Der Grund ist ein Gitter am Damaskustor in Jerusalem.

In Israel ist es über das Wochenende zu den schwersten Unruhen seit Jahren gekommen. Vor allem in Jerusalem, aber auch an anderen Orten im Land, kam es zu Krawallen. Junge Araber und orthodoxe Juden gingen aufeinander los.

Dabei kam es zu regelrechten Jagdszenen, wie Medienberichte und Videos in den sozialen Netzwerken zeigen. Auch Sicherheitskräfte wurden angegriffen, als sie versuchten, die beiden Gruppen auseinander zu halten. Begonnen hatte es am Donnerstagabend und es hat sich seither jeden Abend verstärkt.

Am Sonntagabend wurden aus dem Gazastreifen zudem Raketen in Richtung Israel abgefeuert. In Jerusalem blieb es letzte Nacht dagegen relativ ruhig.

Israel schliesst Fischereizone

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Nach anhaltenden Raketenangriffen aus dem Gazastreifen hat Israel die Fischereizone vor dem Gazastreifen, einem Palästinensergebiet, geschlossen. Die Massnahme gelte bis auf Weiteres, teilte die zuständige Behörde am Montagmorgen mit.

Nach Angaben der israelischen Armee wurden in der Nacht insgesamt fünf Raketen abgefeuert. Die erste explodierte demnach im Gazastreifen. Wenig später feuerten militante Palästinenser vier weitere Raketen ab. Zwei der Geschosse wurden nach israelischen Angaben vom Abwehrsystem «Eisenkuppel» abgefangen, eine dritte landete im Gazastreifen.

Medienberichten zufolge ging die vierte in offenem Gelände nieder. Berichte über Verletzte oder Schäden gab es zunächst keine. Seit Freitagabend wurden insgesamt rund 40 Geschosse aus dem Palästinensergebiet auf Israel abgefeuert.

Gisela Dachs, Journalistin in Israel, erklärt, was hinter den Unruhen, die in den letzten Tagen aus Jerusalem und anderen Städten gemeldet wurden, steckt. «Es ging um ein Gitter.» Die Polizei habe wegen des Ramadans – er dauert noch bis Mitte Mai – die Stufen am Damaskustor abgesperrt, angeblich um Fussgängerströme in die Jerusalemer Altstadt zu regulieren. «Auf diesen Stufen sitzt man oft nach dem Fastenbrechen. Das war ein Auslöser.»

Tiktok-Trend hat Krawalle befeuert

Gestern seien diese Gitter wieder abgebaut worden, so Dachs. «Seither hat sich die Lage wieder etwas beruhigt.» Es seien aber weitere Dinge vorgefallen, die die Stimmung angeheizt hätten. «Es gab letzte Woche einen neuen Trend auf Tiktok: Videos, die zeigen, wie arabische Jugendliche ultraorthodoxe Juden angreifen.» Sie hätten andere dazu ermutigt, es ihnen gleichzutun.

«Daraufhin kam es letzten Donnerstag zu einer Versammlung der anti-arabischen Organisation Lehava in Jerusalem, die dagegen protestiert hat. Im Anschluss sind die Mobs von beiden Seiten aufeinander losgegangen.»

Gitter und Polizeiaufgebot am Damaskustor in Jerusalem
Legende: Polizeiaufgebot beim Gitter am Damaskustor in Jerusalem: Inzwischen wurde es abgebaut. Keystone

Dass Lehava inzwischen eine politische Legitimation bekommen habe, spiele auch eine Rolle, so die Journalistin. Abgeordnete, die die rechtsextreme Organisation mitbegründet hatten, seien im März in die Knesset gewählt worden.

Und es gebe noch ein weiteres Phänomen, so Dachs: «Ultraorthodoxe Juden gehen zunehmend von ihren Religionsschulen ab. Das sind 2000 bis 3000 Jugendliche im Jahr, die sich auf der Strasse, ohne Rahmen wiederfinden.» Diese hätten sich stärker organisiert. «Und sie wählen weiter rechts.»

Hamas will Kapital daraus schlagen

Auf der anderen Seite suchen auch Palästinenser die Konfrontation. Auch sie sind politisch organisiert: «Bei den Palästinensern versucht die radikal-islamische Hamas jetzt, aus dem Ganzen Kapital zu schlagen», erklärt Dachs.

In Jerusalem stehen in drei Wochen Wahlen an und diverse Fragen seien noch offen – wie etwa jene, ob die Palästinenser aus Ostjerusalem wählen gehen dürfen oder nicht. «Und da hat sich nun auch die Hamas eingemischt und unter anderem letzte Nacht wieder fünf Raketen nach Israel abgefeuert.»

Verstösse gegen Waffenruhe

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Im August 2020 hatte die im Gazastreifen herrschende radikal-islamistische Hamas nach Vermittlung des Emirats Katar eine Waffenruhe mit Israel verkündet. Danach gab es immer wieder Verstösse dagegen. Israel hatte 2007 eine Blockade des Gazastreifens verschärft, die inzwischen vom Nachbarland Ägypten mitgetragen wird. Beide Länder begründen die Massnahme mit Sicherheitserwägungen. Die Hamas wird von Israel, den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft.

In Israel höre man dazu relativ wenig von Politikern, sagt die Journalistin. «Man versucht derzeit, eine Regierung zu bilden. Nach der vierten Wahl innerhalb von zwei Jahren steuert man auf die fünfte zu.» Der Bürgermeister von Jerusalem habe versucht, die Lage zu beruhigen. Arabische Abgeordnete verurteilten die Videos, sagten aber auch, es sei ein Spiel mit dem Feuer.

Die UNO hat sich eingemischt, weil die Eskalationsgefahr in Momenten wie diesen jeweils gross ist. «Jerusalem ist immer ein sensibler Punkt», so Dachs. «Deshalb versucht man jetzt, die Lage etwas zu beruhigen.»

SRF 4 News, 26.04.2021, 07:20 Uhr;

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Leu  (tleu)
    Religionsschulen auf beiden Seiten bringen noch keine Jobs. Die jungen Menschen sollten gemeinsam Berufsschulen besuchen, wo sie ein Handwerk lernen, das man später im Alltag brauchen kann und Geld verdienen kann damit. Weder mit Abschlüssen von islamischen noch jüdischen Religionsschulen lässt sich später der Lebensunterhalt bestreiten.
  • Kommentar von Christoph Heierli  (help)
    Araber gegen Araber. Keine Seite hat recht und keine Seite ist besser. Und wie immer muss auch noch die Religion mitmischen.
    1. Antwort von Maciek Luczynski  (Steine)
      Ich bezweifle, dass sich orthodoxe Juden zu den Arabern zählen würden.
      Da wäre in etwa so, wie wenn man Katholiken zu den Muslims zählen würde.
    2. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      @Luczynsk. Sie verwechseln Religion mit Ethnie. Juden und Moslems können sehr wohl der gleichen Ethnie angehören, aber die meisten Israelis haben Migrationshintergrund.
    3. Antwort von Philipp Reinhard  (Fippu)
      Wenn sich sogar die Perser nicht zu den Arabern zählen lassen dann wohl erst Recht nicht orthodoxe Juden.