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Jugendgewalt Soziale Netzwerke beschleunigen Bandenkriege in Frankreich

Dramen, die sich immer öfter wiederholen: Jugendliche gehen aufeinander los, schlagen einander spitalreif.

357 Zusammenstösse Jugendlicher zählte das Innenministerium letztes Jahr. Das sind 24 Prozent mehr als im Vorjahr. Drei von vier Bandenkriegen konzentrieren sich auf den Grossraum Paris, wo die idyllische Landschaft täuschen kann.

Mitte Januar wurde ein 15-Jähriger ins Koma geprügelt. Vergangene Woche wurden drei Teenager getötet, zwei erstochen, einer erschossen. Eines der Opfer war ein 14-Jähriger, der am Montag auf einem Petanque-Platz an einem Messerstich starb. Gut 60 Jugendliche aus benachbarten Gemeinden waren aufeinander losgegangen.

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Marwan Mohammed: «Der Bandenkrieg wird als Realityshow inszeniert»
Aus News-Clip vom 28.02.2021.
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Solche Territorialkämpfe sind für den Soziologen Marwan Mohammed nichts Neues, doch die sozialen Netzwerke wirkten als Beschleuniger: «Früher lief alles persönlich ab. Man traf sich, trommelte Kameraden zusammen, schlug sich.» Das brauchte Zeit und liess Raum für eine mögliche Beruhigung des Konflikts.

Reputation – das Kapital der Jugend

Heute passiere alles live im Netz. «Der Bandenkrieg wird gefilmt und als Realityshow inszeniert, was die Streithähne in Echtzeit mobilisiert», meint der Soziologe weiter. «Erwachsene, Lehrer, Eltern können kaum mehr eingreifen.»

In den Internet-Echokammern gehe es um die Reputation, das Kapital der Pubertierenden. Denn alle könnten es sehen und kommentieren. Man stelle sich einen Jugendlichen vor, der für alle sichtbar geschlagen und blossgestellt werde. «Wie kann er darauf nicht reagieren? Das ist die Logik der Strasse, der Gewaltspirale von Hohn und Erniedrigung.»

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Alain Bauer: «Es geht um, als nur alleinerziehende oder überforderte Eltern»
Aus News-Clip vom 28.02.2021.
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Eine Politik nötig, die alle einbinde

Der aufgeschreckte französische Innenminister schickte 100 zusätzliche Polizisten in die Region und prangert den Mangel an elterlicher Autorität an. Für den Kriminologen Alain Bauer ist das aber zu kurzsichtig: «Es geht um viel mehr, als nur alleinerziehenden oder überforderten Eltern zu helfen.»

Es brauche eine Politik, die Bildung, Sozialwesen, Familienhilfe und Justiz einbinde. Das Problem sei, dass sich jeder die heisse Kartoffel zuwerfe und mit dem Finger auf den anderen zeige, so der Kriminologe vom Conservatoire National des Arts et des Métiers. Doch ohne enormen Effort auf allen Ebenen ist diese Gewaltspirale kaum zu stoppen.

«Tagesschau» 22.50 Uhr

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Mehr zum Thema sehen Sie heute in der «Tagesschau» auf SRF 1 um 22.50 Uhr.

Tagesschau, 28.2.2021, 19:30 Uhr;

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    "Erwachsene, Lehrer, Eltern können kaum mehr eingreifen.» - Logisch in diesem Alter. Wir müssen den Spiess umdrehen und nicht die Situation verharmlosen wie die dies Marwan Mohammed ansatzweise tut: Die Schuldigen sind eben genau die oben erwähnten. Es ist ein Recht jedes Kindes eine Erziehung zu erhalten, damit es sich dann im Leben zurechtfindet. Wo die liebe, verständnisvoll, ehrliche, korrekte, manchmal auch harte Erziehung in den ersten 6 Jahren fehlt, ist die Gefahr der Entgleisung gross.
  • Kommentar von Jerome Gerster  (jgerster)
    1995, über 25 Jahre her, kam "La haine" in die Kinos. Die Gewalt unter Banden, der Hass gegen die Polizei, aber auch Polizeigewalt wurden darin thematisiert. Er ist aktueller denn je. Es hat sich eigentlich nichts getan. Die Bandenkriege, der Hass, die Polizeigewalt sind heute nur viel sichtbarer, da jeder sofort sein Handy zückt, wenns etwas zu filmen gibt. Es sind dann alle geschockt, passieren tut aber nichts. Einfach nur traurig...
  • Kommentar von Norbert Zeiner  (ZeN)
    Das hätte ich nie gedacht, dass solche Banden sich mit Social Media in faktisch staatsrechtfreien Regionen organsieren… jedem sein Smartphones kommt inzwischen einem Menschenrecht gleich. Wenn Behörden einen Willen gegen solche Banden hätten, wären diese Smartphones schnell abgeschaltet.
    1. Antwort von Norbert Zeiner  (ZeN)
      Nachtrag: bei Trump waren Twitter&Co schnell, diese abzuschalten, also liegt's nicht am Können, sondern am Wollen.
    2. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Solche Ideen sind Illusionen. In der Realität ist ein Trump auf einen Twitteraccount angewiesen ... als Donald Trump! Der jugendliche YCX kann auch als XYC twittern, mit einem neuen Account und einem anderen Handy. Sie schlagen hier buchstäblich der Hydra einen Kopf ab um sofort zwei neue zu haben! Wenn Sie alle Handys abschalten, treffen Sie nicht nur die Jugendlichen, sondern alle! Das ist ein Ding der Unmöglichkeit.