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Gewalt in Myanmars Grenzregionen nimmt zu
Aus SRF 4 News aktuell vom 09.06.2021.
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Kämpfe in Grenzregionen Myanmar: Immer mehr Flüchtlinge im eigenen Land

Im Februar hat das Militär die Regierung aus dem Amt geputscht. Seither herrscht im Land Angst und Gewalt, viele sind auf der Flucht.

Worum geht es? Am 1. Februar hat das Militär in Myanmar – dem früheren Burma – die Regierung aus dem Amt geputscht. Seither haben die Kämpfe im Land zugenommen. Für viele Menschen bedeutet das: Sie müssen fliehen. Laut der UNO sind seit dem Putsch über 170'000 Personen zusätzlich im eigenen Land auf der Flucht. Andere sind bereits ins Ausland geflohen. Insgesamt sind eine halbe Million Menschen in Myanmar auf der Flucht.

Wer sind die Menschen, die fliehen? Es sind vor allem Menschen, die in den Grenzregionen wohnen, denn dort haben die Kämpfe seit dem Putsch stark zugenommen. Rebellengruppen von ethnischen Minderheiten kämpfen schon seit Jahrzehnten gegen das Militär und für mehr Selbstbestimmungsrechte. Einige Rebellengruppen hatten mit der Armee Waffenstillstände beschlossen. Nach dem Putsch wurden diese aber aufgekündigt, weil sich die meisten Gruppen auf die Seite der Demokratie-Aktivisten stellten. Durch die Kämpfe sind viele Bewohner der Regionen jetzt zwischen die Fronten geraten.

Min Aung Hlaing
Legende: Von Putschgeneral Min Aung Hlaing können die Rohingya keine Sympathien erwarten. Keystone

Wo finden die Flüchtlinge Schutz? Die Menschen fliehen in die Wälder und Hügel, wo sie sich verstecken. Sie hausen unter Zeltplanen oder unter Bäumen und in Höhlen. Manche schleichen sich nachts zurück in ihre Dörfer, um Nahrung zu holen, andere erhalten Schutz bei den Rebellengruppen. Andere fliehen in Städte oder zu Verwandten. Bilder und Nachrichten von Hilfsorganisationen, die in den Grenzregionen tätig sind und dort medizinische Hilfe leisten, zeigen, wie Menschen mit einem Sack Reis oder einem Kind auf dem Rücken durch die Wälder flüchten oder mit Schusswunden auf dem Boden liegen.

Welche Perspektiven haben sie? Schlechte. Nicht nur, weil die Kämpfe wohl noch sehr lange anhalten werden, sondern auch, weil die Vertriebenen nun auch nicht aussäen können und damit die Ernte wohl ausfällt. Die UNO warnte bereits im April, dass in Myanmar bis im Herbst mehr als drei Millionen Menschen zusätzlich an Hunger leiden werden, wenn die Kämpfe nicht aufhören. Diese Menschen bräuchten dringend Nahrung und Wasser, Unterkunft und Medizin, so die UNO. Aber die Hilfe erreicht die Flüchtenden nur schwer, wegen der Kämpfe, weil die Armee Strassensperren aufgestellt hat und weil die Wege zum Teil vermint sind. Zudem fehlt es am nötigen Geld.

Flüchtlinge auf einem Damm
Legende: Wenn die Saat nicht ausgebracht werden kann, wird es im Herbst zu einer Hungersnot kommen. Reuters

Was ist mit jenen, die das Land verlassen? Mehrere Tausend Personen sind seit Februar bereits über die Grenze nach Indien geflohen. Andere flohen nach Thailand, wurden aber von der thailändischen Armee wieder nach Myanmar zurückgeschafft. Die thailändische Regierung sagt zwar, Flüchtlinge seien willkommen, doch sie fürchtet sich vor einem grossen Ansturm von Flüchtlingen und auch davor, dass damit das Coronavirus eingeschleppt wird.

Gibt es Hoffnung für die Vertriebenen? General Min Aung Hlaing hält an seiner Macht fest. Mehr als 800 Personen wurden bereits ermordet und Tausende politische Gegner sitzen in Gefängnissen. In einem Interview mit einem chinesischen TV-Sender sagte er zudem, dass er nicht gedenke, die Rohingya zurück ins Land zu lassen. Vor vier Jahren mussten über 700'000 Angehörige der muslimischen Minderheit vor der burmesischen Armee nach Bangladesch fliehen, wo sie seither in Lagern leben. Zudem haben sich die einst friedlichen Widerstandsgruppen in Myanmar längst bewaffnet. Für die kommenden Monate bedeutet das also nicht weniger, sondern mehr Gewalt – und das heisst auch, dass noch mehr Menschen werden fliehen müssen.

SRF 4 News, 09.06.2021, 08:20 Uhr;

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