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Wer erhält den Corona-Impfstoff?
Aus Echo der Zeit vom 17.05.2020.
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Kampf gegen Coronavirus Wer bekommt den Impfstoff zuerst?

Überall wird nach einem Impfstoff gegen Corona geforscht. Ob er aber gerecht verteilt wird, wenn er da ist, ist offen.

Weltweit sind mehr als 100 Impfstoff-Projekte in Arbeit. Knapp ein Dutzend gilt als erfolgversprechend. Experten gehen davon aus, dass es aber noch mindestens eineinhalb Jahre dauern wird, bis eines dieser Projekte als fertige Impfung auf den Markt kommt. Dennoch stellt sich bereits jetzt die Frage, wie die Impfung später weltweit gerecht verteilt werden kann.

Sobald die ersten Impfstoffe vorliegen, muss das geklärt sein. «Man spricht davon, zunächst alle Beschäftigten im Gesundheitssektor zu impfen», sagt etwa Ilona Kickbusch, Beraterin für Gesundheitspolitik. Oder bestimmte Bevölkerungsgruppen – ältere Personen, chronisch Kranke. Oder Menschen in Ländern und Gegenden, die besonders stark betroffen sind.

«Zunächst müssen wir aber darüber sprechen, wie viele Dosen Impfstoff wir überhaupt herstellen können», sagt Kickbusch, die einst auch für die WHO tätig war.

Vorteil für Länder, die produzieren

Einige Unternehmen, die an der Impfstoff-Entwicklung beteiligt sind, haben bereits Zahlen genannt: Der Schweizer Pharmazulieferer Lonza, der für die Corona-Impfung mit der US-Biotech-Firma Moderna zusammenarbeitet, spricht von einer Milliarde Dosen pro Jahr.

Länder, die Impfstoffe produzieren können, haben einen Vorteil, sagt Marcel Tanner, emeritierter Professor für Epidemiologie und Mitglied der bundesrätlichen Corona-Task-Force: «Wer aktiv beteiligt ist, ist auch beteiligt am Prozess der gerechten Verteilung und des prioritären Einsatzes eines Impfstoffes.»

Werden die USA zuerst beliefert?

Hier zeigen sich erste Grabenkämpfe: So sagte der Chef des Pharmakonzerns Sanofi letzte Woche, die USA würden wohl zuerst beliefert. Er bezog sich auf Verträge mit der Barda, einer Behörde des US-Gesundheitsministeriums, die das Impfstoff-Projekt mitfinanziert.

Die harschen Reaktionen aus der Politik zeigen: Alleingänge kommen in diesen Zeiten schlecht an. «Selbst wo solche Verträge bestehen, versucht man international zusammenzuarbeiten, damit niemand einen solchen Vorteil daraus zieht», sagt Kickbusch.

Ideal wäre, wenn die Produktionsstätten auf allen Kontinenten vorhanden wären, so die Fachfrau. Experten rechnen mit rund 20 Milliarden Franken, die für den Aufbau nötig wären. Finanzieren könnten das Staaten, Stiftungen und Unternehmen gemeinsam. Doch vieles hänge davon ab, welche Art von Impfstoff gefunden wird, betont Kickbusch: «Wenn ein Impfstoff nur bei -80 Grad sicher gelagert werden kann, kann es in Ländern mit einer weniger guten Infrastruktur zu Problemen kommen.»

Wer bezahlt wieviel?

Die Infrastruktur der Länder und die unterschiedlichen Gesundheitssysteme machen die Frage der Verteilgerechtigkeit schwierig. Denn: Wer bezahlt wieviel? Ilona Kickbusch sagt, die Pharmafirmen hätten aus ihren Fehlern der Vergangenheit gelernt. Als es erste Medikamente gegen Aids gab, waren diese für Entwicklungsländer zu teuer.

Seither gibt es variable Preismodelle, die nun auch bei Corona-Impfstoffen zum Einsatz kommen könnten. Dabei wird die Zahlungsfähigkeit eines Landes berücksichtigt. Epidemiologe Tanner sagt, dass solche Modelle für die Corona-Impfung angepasst werden könnten, «damit die vermögenderen Länder die ärmeren direkt unterstützen. Das ist internationale Partnerschaft».

Viele Experten bezeichnen den Willen zur Zusammenarbeit derzeit als historisch. Ob dieser Optimismus gerechtfertigt ist, wird sich erst zeigen.

Echo der Zeit, 17.05.2020, 18 Uhr;

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34 Kommentare

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  • Kommentar von Juha Stump  (Juha Stump)
    Die Antwort ist leicht, falls es überhaupt gelingen sollte, bald einen entsprechenden Impfstoff zu entwickeln, und dieser sich auch "bewährt" hat. Es wäre dann wie auf der Titanic: Zuerst die Leute der ersten Klasse, dann die der zweiten und erst dann (vielleicht) noch die vom Zwischendeck!
  • Kommentar von Georg Fischer  (SGF)
    Man darf gespannt sein welche Länder/Politiker vor Trump kuschen werden und wie sich die WHO gegenüber den USA/Trump verhalten wird nachdem dieser die Beitragszahlungen an die WHO aufs Eis gelegt hat.Den einzigen denen ich zutraue den USA Paroli zu bieten ist China was jedoch auch für den Westen einen Preis haben wird. Und die EU? Welche Rolle wird sie in diesem Verteilungskampf spielen?Auf jeden Fall ist die WHO gefordert wie selten zuvor hier eine für alle tragbare,gerechte Lösung zu finden.
    1. Antwort von Klaus KREUTER  (SWISSKK)
      Herr Fischer: wieso kuschen vor TRUMP? Würde eine Schweizer Firma (denen traue ich zu als #1 zu landen) sich mit TRUMP einlassen? Wohl eher nein. Wieso in diesem Zusammenhang immer wieder TRUMP genannt wird, das erschliesst sich mir nicht. Der trompetet schon jetzt überall herum dass es noch 2020 einen Impfstoff gibt weil er zu dämlich ist zu begreifen was hinter Entwicklung eines Impfstoffes steht. Ich vertraue sehr den Schweizer Forschern - that`s it.
    2. Antwort von Georg Fischer  (SGF)
      @Kreuter:Sie haben schon auch recht,aber die Erfahrung hat gezeigt dass Trump keine Mühe scheut die EU/China und andere mit Sanktionen zu brüskieren/nötigen wie auch immer wenn sie nicht nach seiner Pfeife tanzen.America first auf Teufel komm raus.Manch ein Land das von den USA vor allem wirtschaftlich abhängig ist wird sich 2x mal überlegen ob es sich mit DT anlegen will.Die Ernennung des mittlerweile Ex VR von Lonza durch Trump zum US Impfstratege ist nicht zufällig,
  • Kommentar von Christian Baumann  (Christian Baumann)
    Das Fatale an dieser Diskussion ist, dass es trotz ausreichender Hinweise u. glasklarer Beweise, dass eine Pandemie vor der Tür steht bzw. regelmässig solche in bestimmten Zeitabständen auftreten in Forschung, Produktion u Politik verschlafen wurde innert kürzester Zeit einen Impfstoff für eine bekannte Klasse von Viren verfügbar zu machen.
    1. Antwort von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
      Ich denke Sie unterschätzen die Komplexität des Entwicklungsvorganges grundlegend. Z.B. 11+ Jahre hat eine Gruppe in der CH geforscht und versucht eine Impfung gegen Corona Viren zu entwickeln. Wussten Sie das?
    2. Antwort von Georg Fischer  (SGF)
      @Baumann:Die Pandemie wurde erst erklärt als COVID19über die ganze Welt zu schwappen begann,nicht vorher.SARS und MERS waren keine Pandemien weil "nur" lokal in Asien verbreitet.Eine weitere Fehleinschätzung von Ihnen:COVID19 gab es vorher nicht,Coronaviren sind NICHT GLEICH Coronaviren und schon gar nicht gleich Grippeviren.Auf welcher Grundlage soll man dann einen wirksamen Impfstoff entwickeln wenn man zuwenig oder gar nichts weiss über COVID19?Impfstoffe müssen 100% sicher sein.