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Carola Rackete zu ihrem Einsatz auf der «Sea-Watch 3»
Aus News-Clip vom 12.11.2019.
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Kapitänin Rackete polarisiert «Den Schleppern ist es egal, ob die Flüchtlinge ankommen»

Im Juni wollten italienische Behörden die «Sea-Watch 3» mit 53 Flüchtlingen
an Bord nicht anlegen lassen. Die Kapitänin Carola Rackete ist trotzdem in den Hafen von Lampedusa gefahren. Ihre anschliessende Verhaftung hat weltweit für Aufsehen gesorgt.

Hassposting vor der Universität in Genf.
Legende: Hassposting vor der Universität in Genf. SRF

Aus Deutschland und verschiedener anderer Länder erreichte die Kapitänin eine Welle der Solidarität. Aber es gab auch viele negative Stimmen und zahlreiche Hasskommentare bis hin zu Morddrohungen.

SRF News: An den Mauern der Uni Genf steht hingesprayt eine Hassbotschaft: «Kill Carola Rackete». Hat sie dies, hier in der Schweiz, überrascht?

Carola Rakete: Doch das hat mich hier in Genf eigentlich schon überrascht. Aus deutscher Sicht nehmen wir die Schweizer als sehr vernünftige Menschen wahr. Als Organisation können wir damit umgehen, aber das ist keine Kritik.

Sie retten Menschenleben auf hoher See während wir auf dem Sofa zuschauen. Was ist Ihre Botschaft an uns?

Gegen Aussagen, wie etwa «die sollen alle ersaufen», dagegen müssen wir als Zivilgesellschaft aktiv werden. Ich finde es wichtig, das persönliche Gespräch mit den Flüchtlingen zu suchen, dann verstehen wir auch, warum die Leute gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen.

Was ist Ihre Forderung an die Politik, an die EU und an die Schweiz?

Es muss wieder eine europäische Seenot-Rettungsmission geben. Für uns als reicher Kontinent ist es das Mindeste, dass wir die Leute, die vor dem Bürgerkrieg fliehen, retten.

Hilfsorganisationen wie Sea Watch werden immer wieder mit dem Vorwurf konfrontiert, Teil des Schleppernetzwerkes zu sein. Was entgegnen Sie?

Den Schleppern ist es völlig egal, ob die Menschen ankommen oder ertrinken. Wir hingegen setzen uns für das Recht auf Leben an unserer EU-Aussengrenze ein. Wir erfüllen das internationale Seerecht.

Das Menschenleben ist das Allerwichtigste und das muss auch auf dem Mittelmeer gelten.
Autor: Carola RacketeKapitänin des Rettungsschiffs «Sea-Watch 3»

Wir haben eine Verantwortung dort die Menschenrechte zu schützen – unabhängig davon, wo die Leute herkommen oder warum sie sich in diese Notlage begeben haben. Das Menschenleben ist das Allerwichtigste und das muss auch auf dem Mittelmeer gelten.

Im Buch «Handeln statt Hoffen» schreiben Sie über die Flüchtlings- aber auch über die Klimakrise. Was ist der Zusammenhang?

Beispielsweise im Tschad ist es jetzt schon 1.5 Grad heisser als es vor der Industrialisierung war. Die Trinkwasserreserven gehen zur Neige, die Leute verlieren die Möglichkeit Landwirtschaft zu betreiben. So zerstören wir die ökologische und ökonomische Lebensgrundlage dieser Menschen. Dafür sind wir als Industrienation verantwortlich und dieser Verantwortung müssen wir gerecht werden.

Was gibt Ihnen Hoffnung?

Jede Aktion der Zivilgesellschaft gibt mir Hoffnung. Wenn ich sehe, dass hier noch andere Leute dabei sind, die etwas tun, das gibt mir Hoffnung.

Das Gespräch führte Marc Meschenmoser.

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Schuld und Sühne – Wie ernst ist es uns mit der sozialen Gerechtigkeit
Aus Club vom 12.11.2019.
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110 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
    Ich habe mir 10 Minuten der Sendung angeschaut. Fazit dieser 10 Minuten: Frau R. wurde von der Moderatorin nie unterbrochen. A. Baur wurde jedesmal unterbrochen. Frau R. , Soziologe Mäder und Meyer SP blieben bei ihrer eindimensionalen Perspektive: Schuld und Verantwortung allein bei Europa. Solange das so bleibt, wird dieses Migrationsproblem Afrika-Europa nicht gelöst. Wer unter Ausblendung des Bevölkerungsproblems moralisierend Schuld verteilt, ist nicht mehr ernst zu nehmen.
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    1. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Herr Baumann: Ich denke nicht, dass gesagt wurde, Europa sei allein verantwortlich für diese Situation. Aber europäische Länder haben Afrika jahrhundertelang ausgebeutet, und im heutigen Kapitalismus dauert dies auch von Seiten Europas weiter an. Geldfluss von Süden nach Norden. Der Neoliberalismus, der wenige Gewinner und viele Verlierer generiert, wirkt sich ebenfalls gegenüber Afrika aus. Mehr soziale Verantwortung ist internat. wie national geboten.Ca. 3% besitzen z.B.in CH so viel wie 97%.
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    2. Antwort von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
      @UvK Es gibt genügend Beispiele, wo europäische Kolonisation „Ausbeutung“ bedeutete und heute sind einigermassen prosperierende Staaten vorhanden mit Regierungen und Eliten, die ihre Bürger einigermassen menschenrechtsgerecht behandeln. Leider sind die wenigsten Staaten in Afrika zu finden. Das hat Gründe, die ich Ihnen nicht zum x-ten Mal wiederholen muss. Die Kolonisations-Opfer-Rolle in der Endlosschlaufe zu wiederholen, bringt niemanden weiter. Das Opfer-Lied beherrscht Frau R. perfekt.
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  • Kommentar von Peter Imber  (Wasserfall)
    Herr von Känel: Es geht hier nicht darum, als Person nicht seine eigene Meinung zu äussern. Aber per Definition hat ein/e ModeratorIn in einer Gesprächsrunde neutral zu sein. Frau Meier, die im Übrigen meiner Meinung nach in dieser Sendung jeweils einen sehr guten Job macht und gut vorbereitet ist, liess sich dieses Mal aber von ihrer eigenen Meinung mitreissen, widersprach einer Partei immer wieder mit ihren eigenen Argumenten und versuchte mehrmals ihnen das Wort abzuklemmen. Das geht nicht.
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    1. Antwort von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
      Auch Wahrnehmung. Man beachte, wie sie bei R.s Aussagen mit dem Kopf immer bestätigend mit nickte. Die Körpersprache von Meier sagt alles.
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  • Kommentar von Peter Imber  (Wasserfall)
    Ganz unabhängig, wie ich in dieser Sache denke, finde ich es schlimm, Tötungsparolen auf Wände zu schmieren oder im Netz dazu aufzurufen, nur weil sie mit der Meinung von andern Menschen nicht einig gehen. Dazu noch feige anonym bleiben!
    Was mich auch unabhängig von meiner Meinung störte, ist wie die Moderatorin eindeutig auf die Seite der Befürworter der Aktion von Frau Rackete tendierte. Als Moderatorin sollte sie sich neutraler verhalten, ohne einer Partei ständig heftig zu widersprechen.
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    1. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Herr Imber: Neutralität kann auch Ausdruck von Feigheit bedeuten, vor allem dann, wenn man nicht auf der Seite „Schwächerer“ steht, sondern sich „vornehm“ darum futiert. Partei zu ergreifen für Leute, die in Not sind, finde ich wichtig, wollen wir uns als einigermassen humanitäres Europa entwickeln - auch gegen weitere Ausbeutung Afrikas. Denn wir alle gehören zum weltweiten kapitalistischen System, das sich entsprechend in Afrika auswirkt und das Nord-Südgefälle (Reich-Arm) konsolidiert.
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