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Kavanaugh-Anhörung in den USA «Powergame» statt seriöse Befragung

Zuerst sah es aus, als ob die Anhörung von Christine Blasey Ford und Brett Kavanaugh im US-Justiz-Ausschuss zivilisiert und effizient ablaufen könnte.

Demokraten und Republikaner sprachen von der Wichtigkeit des respektvollen Umgangs. Die Anhörung war streng strukturiert in eröffnende Statements und Fragerunden mit jeweils fünfminütigen Slots. Die Anwesenheit einer Ermittlerin sollte Professionalität garantieren.

Doch die Realität holte bald alle ein. Das hatte zum einen mit der Emotionalität der Zeugen zu tun. Christine Blasey Ford wirkte traumatisiert von den Ereignissen, die sie vor über 35 Jahren mutmasslich erlebt hat. Sie beschuldigt Brett Kavanaugh der versuchten Vergewaltigung im Highschool-Alter. Sie stotterte und stockte, als sie ihre Erinnerungen zu präzisieren suchte.

«Charaktermord»

Brett Kavanaugh, der als zweiter befragt wurde, «came out swinging». Sein kategorisches Dementi geriet zu einer Tirade, während welcher er sich als das wahre Opfer einer politisch motivierten Hetze darzustellen versuchte. Er sprach von «Charaktermord», davon, dass seine Familie «zerstört» sei. Mehrere Male war er den Tränen nahe und musste pausieren.

Während der Befragung Kavanaughs eskalierte die Situation endgültig. Die Ermittlerin Rachel Mitchell wurde zur Seite geschoben. Stattdessen begannen die Senatoren den Zeugen direkt zu befragen, oft hielten sie auch nur Monologe, pro oder contra Kavanaugh.

Altbekannte Fronten

Die Republikaner sangen ein Hohelied auf den makellosen Ruf ihres Richterkandidaten. Für die «Scharade» der Demokraten fanden sie wüste Worte.

Die Demokraten hingegen hämmerten auf der Tatsache herum, dass keine FBI-Untersuchung angeordnet worden sei, und sprachen von republikanischer «Verlogenheit».

Ermittlerin der Aufgabe nicht gewachsen

Glorios scheiterte die aus Arizona eingeflogene Ermittlerin Rachel Mitchell. Sie verschwand bei der Kavanaugh-Befragung völlig von der Bildfläche. Die auf sexuelle Straftaten spezialisierte Ermittlerin schien der Aufgabe denn auch nicht gewachsen.

Sie stellte Christine Blasey Ford zwar zunächst genaue Fragen zum Tathergang, stellte aber bald irrelevante Fragen, wie etwa, wer den Lügentest bezahlt habe, oder ob Blasey Ford unter Flugangst leide.

Wer schreit am lautesten

Die nötige Expertise fehlte schliesslich, um eine seriöse Befragung durchzuführen, die zu neuen Erkenntnissen hätte führen können. Stattdessen kam es zum bekannten «Powergame»: Wer schreit am lautesten in Washington.

Präsident Trump fand Gefallen am Chaos: Kavanaughs Zeugnis sei «stark, ehrlich, und faszinierend» gewesen, twitterte er. Nun könne der Senat abstimmen. Kein Wort verlor er über die Aussage Christine Blasey Fords.

Isabelle Jacobi

Isabelle Jacobi

USA-Korrespondentin, SRF

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Nach dem Studium in den USA und in Bern arbeitete Jacobi von 1999 bis 2005 bei Radio SRF. Danach war sie in New York als freie Journalistin tätig. 2008 kehrte sie zu SRF zurück, als Produzentin beim Echo der Zeit, und wurde 2012 Redaktionsleiterin. Seit Sommer 2017 ist Jacobi USA-Korrespondentin in Washington.

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48 Kommentare

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  • Kommentar von Ueli von Känel (uvk)
    Die Demokraten schaden sich in diesem „Hoselupf“ mit den Republikanern eher selber. Die Demokraten sollten jetzt endlich daran gehen, ein gutes politisches Programm aufzustellen. Mit diesem könnten sie dann eine Mehrheit der Amerikaner überzeugen, so dass Trump mit seiner destruktiven, asozialen und für die Welt gefährlichen Politik von der Bildfläche verschwinden würde.
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  • Kommentar von Karl Kirchhoff (Charly)
    Ich hoffe, dass der Richter im Falle von Schuld, doch noch bestraft wird. "Auf Lebenszeit" darf dann nicht gelten. Für Trump wünsche ich mir, dass er der erste Präsident ist, dem sämtliche Privilegien von Ex-Präsidenten aberkannt werden.;)
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  • Kommentar von Thomas Steiner (Thomas Steiner)
    ...und Trump freut sich noch über solche Szenen.
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