Das ist passiert: In Kongo-Kinshasa ist ein Ausbruch der lebensgefährlichen Ebola-Krankheit festgestellt worden, der inzwischen auch Uganda betrifft. Ausgelöst wird er durch die seltene Bundibugyo-Variante des Virus. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat deshalb eine internationale Gesundheitsnotlage ausgerufen. Alle zehn Nachbarländer des Kongo seien einem hohen Risiko ausgesetzt. Mit diesem Schritt will die UNO-Behörde in Genf unter anderem Nachbarländer in erhöhte Alarmbereitschaft versetzen und die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft mobilisieren. Gleichzeitig betont die WHO, dass es sich nicht um einen Pandemie-Alarm handelt, obwohl sich der Ausbruch bereits über Ländergrenzen hinweg ausgebreitet hat.
Die aktuelle Lage: Bislang ist von dem Ausbruch vor allem die Provinz Ituri im Nordosten Kongo-Kinshasas betroffen. In Ituri gibt es laut WHO bislang 80 mutmassliche Ebola-Todesfälle. Die Afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC geht bislang von 336 Verdachtsfällen und 88 Todesfällen aus. Aktuell wird noch untersucht, wo und wann genau der Ausbruch begonnen hat. Erst mithilfe dieser Informationen könnten Expertinnen und Experten das komplette Ausmass des aktuellen Ausbruchs einschätzen, so Afrika CDC.
Ebola und die Bundibugyo-Variante: Ebola ist eine ansteckende und lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Das Virus wird durch Körperkontakt und über Körperflüssigkeiten übertragen. In Kongo-Kinshasa und in Uganda, wo derzeit über zwei importierte Fälle berichtet wird, grassiert die seltene Bundibugyo-Variante des Virus. Für diese gibt es weder einen Impfstoff noch eine Therapie. Die Bundibugyo-Variante hat nach Angaben des US-Gesundheitsinstitutes NIH eine niedrigere Sterblichkeitsrate von etwa 37 Prozent als beispielsweise die Zaire-Variante. Bei einem Ausbruch des Zaire-Stamms in den Jahren 2014 und 2015 in Westafrika waren mehr als 11'000 Menschen gestorben. Beim letzten Ebola-Ausbruch in Kongo-Kinshasa starben in der südwestlichen Provinz Kasaï 45 Menschen zwischen September und Dezember 2025.
Das Ausmass: Der ansteigende Trend von Verdachts- und Todesfällen weise darauf hin, «dass der Ausbruch möglicherweise viel grösser ist als bislang entdeckt und berichtet», heisst es von der WHO. Man habe es in dem am stärksten betroffenen Gebiet mit einer fragilen Sicherheitslage, einer humanitären Krise und starken Bevölkerungsbewegungen zu tun. Deshalb bestehe ein beträchtliches Risiko für eine lokale und regionale Ausbreitung des Virus. Auch die medizinische Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen bezeichnet die Lage als «besorgniserregend». Die Provinz Ituri grenzt an Uganda und den Südsudan. Ein weiteres Nachbarland, Ruanda, schloss am Sonntagmorgen seine Grenze zum Kongo.
Was nun unternommen und gefordert wird: Ärzte ohne Grenzen bereiten einen Grosseinsatz vor und mobilisieren medizinische Teams sowie Hilfsgüter. Die Organisation weist darauf hin, dass der Zugang zur medizinischen Versorgung in der Region schwierig ist. Die WHO fordert die betroffenen Länder auf, Infektionsketten zu unterbrechen und eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Gleichzeitig sollen Nachbarstaaten ihre Bereitschaft erhöhen, um Ebola-Fälle früh zu erkennen und zu behandeln. Alle zehn Nachbarländer des Kongos gelten als besonders gefährdet.