Zum Inhalt springen

Header

Audio
Kein UNO-Sitz für die Taliban und Myanmars Putschgeneräle
Aus HeuteMorgen vom 02.12.2021.
abspielen. Laufzeit 1 Minute 52 Sekunden.
Inhalt

Kein Sitz bei der UNO Diplomatische Ohrfeige für Myanmars Generäle und die Taliban

Der UNO-Beglaubigungsausschuss steht kaum je im Scheinwerferlicht. Doch diesmal musste er eine brisante Entscheidung fällen. Sowohl die Putsch-Generäle in Myanmar als auch die afghanischen Taliban forderten nämlich von den Vereinten Nationen nachdrücklich, ihre Vertreter als UNO-Botschafter in New York und in Genf zu akkreditieren.

Myint Thu
Legende: Myint Thu war schon vor dem Militärputsch in Myanmar Botschafter bei der UNO. Keystone

Der Ausschuss, in dem auch die Grossmächte USA, China und Russland vertreten sind, lehnt dies nun ab. Das heisst, legitime Vertreter der beiden Länder bei der UNO bleiben bis auf Weiteres die Emissäre der gewählten Vorgängerregierungen – jene von Aung San Suu Kyi in Myanmar und von Ashraf Ghani in Afghanistan. Eine Anerkennung wäre für die neuen Machthaber wichtig gewesen. Sie hätte ihnen die Tür geöffnet, auch in sehr vielen Hauptstädten als rechtmässige Vertreter ihres Landes akzeptiert zu werden. Denn viele Regierungen orientieren sich bei solchen Fragen an der UNO. Daraus wird nun vorläufig nichts.

Nasir Ahmad Andisha
Legende: Nasir Ahmad Andisha von der Vorgängerregierung bleibt UNO-Botschafter Afghanistans. Keystone

Für das UNO-Gremium war die Entscheidung keine leichte und ist deshalb bemerkenswert. Die Vereinten Nationen sind auf Universalität erpicht. Mitglied werden kann jedes Land. Wer de facto die Macht innehat, wird als nationale Vertretung anerkannt, weshalb auch das nordkoreanische Kim-Regime oder das syrische Assad-Regime ihre UNO Vertretung haben.

Das Nein macht die internationale Anerkennung schwierig

In den beiden Fällen Myanmar und Afghanistan, wo sich die neuen Machthaber offenkundig unrechtmässig die Macht angeeignet haben, setzt die UNO nun zumindest ein Zeichen. Dafür gibt es Präzedenzfälle, wenngleich nur wenige. Schon vor zwei Jahrzehnten, als die Taliban in Kabul regierten, verweigerte ihnen die UNO die Anerkennung. Ebenso in den 1970ern dem Apartheid-Regime in Südafrika. Nicht anerkannt wurden in den 1990ern auch Juntas in Sierra Leone und Haiti.

Gelegentlich gewichtet die UNO also Prinzipien höher als Realpolitik. Für die Vertreter des politischen Widerstands in Myanmar und in Afghanistan ist die UNO-Entscheidung ein zumindest symbolisch wertvoller Sieg.

Fredy Gsteiger

Fredy Gsteiger

Diplomatischer Korrespondent, SRF

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

HeuteMorgen, 02.12.2021, 06:00 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen