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Klage wegen Völkermord Rohingya hoffen auf späte Gerechtigkeit

Am UNO-Gerichtshof läuft der Prozess wegen Völkermords an den Rohingya. Betroffene haben die Anhörungen gebannt verfolgt.

«Wir sind hier», rufen mehrere Dutzend Rohingya und halten Transparente in die Höhe. Alamgir hat die kleine Kundgebung organisiert und ein Video davon online geteilt. «Bitte vergesst die Rohingya nicht», sagt er im Videocall. Gerechtigkeit brauche halt Zeit.

Häuser angezündet und geschossen

Bald sieben Jahre sind seit der Klageerhebung durch Gambia vergangen. Inzwischen haben sich der Klage des mehrheitlich muslimischen Landes elf weitere Staaten angeschlossen, darunter Deutschland und Kanada. Diesen Monat haben die entscheidenden Anhörungen in Den Haag begonnen. Alamgir ist froh. Die Verantwortlichen könnten sich nicht mehr verstecken. Nun komme die Wahrheit endlich ans Licht.

Bewaffnete Gruppen kamen in unsere Dörfer, haben erst Menschen verprügelt, dann Häuser angezündet und geschossen.
Autor: Mohammed Johair Rohingya, in einem Flüchtlingslager in Indonesien

Im gesamten Flüchtlingslager hätten die Menschen die Anhörungen verfolgt. «Ob sie Englisch können oder nicht, alle sind gebannt», erzählt Alamgir. Einer von ihnen ist Mohammed Johair. Er ist als Jugendlicher mit seiner Familie aus Myanmar geflüchtet. «Bewaffnete Gruppen kamen in unsere Dörfer, haben erst Menschen verprügelt, dann Häuser angezündet und geschossen», erinnert er sich.

Ein junger Mann in einem weissen T-Shirt. Er lächelt schüchtern.
Legende: Alamgir lebt in einem Flüchtlingslager in Indonesien. Er hofft, eines Tages in seine Heimat zurückzukehren. SRF/Martin Aldrovandi

Viele seiner Verwandten und Nachbarn seien in die Wälder gerannt, um sich zu verstecken. Eine UNO-Mission kam 2019 zum Schluss, dass Myanmars Regierung wahrscheinlich Völkermord begangen oder diesen zumindest nicht verhindert habe.

Die Verfolgung der Rohingya

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Die Rohingya sind eine muslimische Minderheit, die seit Generationen hauptsächlich im buddhistisch geprägten Bundesstaat Rakhine in Myanmar lebt. Trotz ihrer langen Geschichte im Land wird ihnen die Staatsbürgerschaft verweigert, was sie staatenlos und rechtlos macht. Die Spannungen eskalierten über Jahrzehnte immer wieder in Gewalt. Im August 2017 führte eine massive Militäroffensive zu brutalen Menschenrechtsverletzungen. Auch der ethnischen Rebellenorganisation Arakan Army, die gegen Myanmars Militär und für einen eigenen Staat kämpft, wird vorgeworfen, die Rohingya in dem von ihr kontrollierten Gebiet zu unterdrücken.

Mohammeds Flucht führte ihn über das grösste Flüchtlingslager der Welt in Cox's Bazar, Bangladesch, auf ein Schlepperboot nach Indonesien. Über zwei Wochen war er unterwegs. Die Reisen sind gefährlich, immer wieder kommt es zu Unfällen, Boote versinken im Meer. Seine Eltern und Geschwister musste er in Bangladesch zurücklassen.

Ein modernes Gebäude, zusammengesetzt aus zwei Würfeln
Legende: Es ist der erste Fall von Völkermord, den der Internationale Gerichtshof (IGH) seit mehr als einem Jahrzehnt vollständig verhandelt. Keystone/Robin Utrecht

Eine Verurteilung Myanmars, so sagt er, sei das Einzige, was ihm geblieben sei.

Myanmars Regierung weist Vorwürfe zurück

Ganz anders klingt es im Friedenspalast in Den Haag. Ein Vertreter Myanmars weist den Vorwurf des Genozids entschieden zurück und erklärt, der Fall werde aufgrund von beweisbaren Fakten entschieden, «nicht aufgrund von unbelegbaren Vorwürfen, emotionaler Sprache oder verschwommener Bilder».

Ursprünglich glaubten wir, Aung San Suu Kyi könnte als internationales Symbol für Menschenrechte die Lage der Rohingya verbessern.
Autor: Zarni Soe Rohingya-Aktivist, im Exil in den USA

Diese Haltung überrascht Zarni Soe nicht. Der langjährige Rohingya-Aktivist lebt im Exil in den USA und stellt klar, dass nicht nur die heutige Militär-Junta für die Unterdrückung verantwortlich sei. Die Massaker von 2017 fanden noch unter der Zivilregierung von Friedens­nobelpreis­trägerin Aung San Suu Kyi statt. «Ursprünglich glaubten wir, sie könnte als internationales Symbol für Menschenrechte die Lage verbessern», so Zarni Soe.

Person am Rednerpult der Vereinten Nationen.
Legende: Zarni Soe spricht auf einer UNO-Konferenz zur Situation der Rohingya. UN Photo/Manuel Elias

Stattdessen verteidigte sie damals ihr Land gegen die Vorwürfe. Inzwischen wurde sie selbst vom Militär entmachtet und inhaftiert.

Testfall für Klage gegen Israel?

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Die Genozid-Klage gegen Myanmar könnte zum Präzedenzfall werden, wie Völkermord definiert und nachgewiesen werden kann. Der Gerichtsfall gilt deshalb auch als Test für das Verfahren wegen Völkermords gegen Israel. Südafrika hatte Israel 2023 im Namen der Palästinenser wegen Genozid im Gazastreifen verklagt. Seitdem haben sich weitere Länder diesem Verfahren angeschlossen.

Bis das Gericht ein Urteil fällt, kann es noch lange dauern. Doch für Flüchtlinge wie Alamgir ist der Prozess schon jetzt ein wichtiges Zeichen. Er sagt, der Fall am Internationalen Gerichtshof zeige immerhin, dass die Welt die Rohingya noch nicht vergessen habe.

Eine Gruppe junger Männer steht mit Plakaten da.
Legende: Rohingya-Flüchtlinge machen auf einer Kundgebung auf sich aufmerksam. SRF/Martin Aldrovandi

Echo der Zeit, 28.1.2026, 18 Uhr

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