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Pariser Klimaziele in weiter Ferne
Aus Echo der Zeit vom 27.10.2022.
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Klimakonferenz in Ägypten Die Zeit wird knapp für das 1.5-Grad-Ziel

Damit die katastrophalen Folgen des Klimawandels abgewendet werden können, müssen jetzt Massnahmen ergriffen werden.

Hitzewellen, Dürren und Überschwemmungen rund um den Globus haben die Folgen des Klimawandels nicht erst in den letzten Monaten deutlich gemacht. Trotzdem sind die Treibhausgas-Emissionen weiter angestiegen und die Versprechen der Länder, mehr zu tun, bleiben ungenügend.

Zwei Jugendliche sind hüfthoch im Wasser. Im Hintergrund ein Haus, zur Hälft unter Wasser. Bilder aus Nigeria.
Legende: Nigeria kämpft seit Wochen mit Überschwemmungen. Sie stehen im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Reuters/FW1F/Toby Chopra

Zu diesen Schlüssen kommen das UNO-Klimasekretariat (UNFCCC) und das UNO-Umweltprogramm (Unep) in ihren jüngsten Berichten kurz vor der nächsten Klimakonferenz im ägyptischen Sharm El-Sheikh.

«Wenn wir den Klimawandel ernst nehmen, müssen wir unverzüglich grundlegende Veränderungen anpacken: Der Elektrizitäts-, der Transport- und der Gebäudesektor müssen umgebaut werden, ebenso wie das Ernährungssystem und der Finanzsektor.» Das sagt die Direktorin des UNO-Umweltprogramms Unep, Inger Andersen, bei der Präsentation des sogenannten Emissions Gap Reports. Nur so könne der Treibhausgas-Ausstoss noch in der nötigen Frist so reduziert werden, dass das gemeinsame Ziel, die Erderwärmung auf unter 1.5 Grad Celsius zu begrenzen bis Ende des Jahrhunderts, erreichbar bleibe.

Anstatt zu sinken, sind die Emissionen in den letzten Jahren – abgesehen von einem pandemiebedingten kurzen Rückgang – aber stetig gestiegen. Und sie werden weiter steigen, mindestens bis ins Jahr 2030. Das steht im jüngsten Bericht des UNO-Klimasekretariats, der die Versprechen der knapp 200 Länder untersucht hat, die das Pariser Klimaabkommen unterzeichnet haben.

Zwar haben 26 Länder seit der letzten Klimakonferenz in Glasgow im November 2021 ihre Pläne zum Klimaschutz verschärft – um rund 0.5 Gigatonnen CO₂ bis 2030. Nötig wäre aber 40 Mal mehr, nämlich eine Reduktion um 20 Gigatonnen.

Die Katastrophe abwenden

Das Bild sieht etwas besser aus, wenn die langfristigen Ziele der Staaten betrachtet werden. Viele Länder, aber auch Unternehmen, haben sich – ähnlich wie Schweiz – vorgenommen, bis Mitte des Jahrhunderts klimaneutral zu werden. Würden diese Pläne umgesetzt, sind die Chancen intakt, dass sich die Erwärmung auf 1.8 Grad Celsius begrenzen liesse.

UNO- und Nichtregierungsorganisationen kritisieren aber, dass völlig unklar sei, wie diese langfristigen Ziel erreicht werden sollen. Die mittelfristigen Vorgaben, die sich die Länder gemacht haben bis 2030, führen laut dem Unep zu einer Erwärmung von rund 2.5 Grad bis ins Jahr 2100. Die Folgen wären in vielen Teilen der Welt katastrophal. Darin ist sich die Wissenschaft einig.

Hohe Erwartungen

Das Fenster zum 1.5-Grad-Ziel, mit dem die ärgsten Folgen des Klimawandels verhindert werden könnten, sei sich am Schliessen, betonte Inger Andersen vom UNO-Umweltprogramm. Ob die Staatengemeinschaft es schafft, dieses Fenster wieder aufzureissen, wird sich an der Klimakonferenz in Sharm El-Sheikh vom 6. bis 18. November zeigen.

Wenn wir den Klimawandel ernst nehmen, müssen wir unverzüglich grundlegende Veränderungen anpacken
Autor: Inger Andersen Direktorin des UNO-Umweltprogramms Unep

Die Erwartungen sind hoch, möglicherweise zu hoch. Denn an Klimakonferenzen werden die Rahmenbedingungen definiert. Die konkreten Massnahmen müssen anschliessend die Staaten selbst treffen, und das ist oft schwieriger als Ziele zu definieren, wie der jahrelange Kampf um die Revision des CO₂-Gesetzes in der Schweiz zeigt.

SRF 4 News, 27.10.2022, 15:00 Uhr

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74 Kommentare

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  • Kommentar von SRF (SRF)
    Guten Abend, liebe Community. Besten Dank für Ihre Kommentare zur Klimakonferenz in Ägypten. Mit neuen Inputs und Fragen im Gepäck schliessen wir diese Kommentarspalte nun. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Auch ich habe meinen kleinen Anteil zum Klimawandel beigetragen, ich lebe schließlich nicht als Eremit im Wald. Vor über 30 Jahren mit Mitte 20, ist mir aber vieles bewusst geworden und ich habe mein Verhalten gegenüber der Umwelt rigoros geändert. Hat leider nichts gebracht, ausser mir ein besseres Gewissen. Jedenfalls bin ich froh und dankbar, dass ich noch eine intakte Natur und Umwelt erleben durfte. Ohne vermüllte Meere, mit "normalen" Jahreszeiten und einer großen Artenvielfalt.
    1. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Herr Kirchhoff, Letzthin hatte ich eine Diskussion mit einer 40jährigen Frau. Ich musste feststellen, für sie hat sich das Klima im Verlauf der letzten 30 Jahre nicht gross verändert. Sie kennt nichts anderes. Menschen, die mit vermüllten Meeren/Stränden, ohne Insekten, ohne abgegrenzte Jahreszeiten aufwachsen, wissen nicht wie es früher war. Traurig aber wahr.
  • Kommentar von Herbert Menzi  (hmenzi)
    Trotz vielen Gegenbeweisen glauben leider viele Menschen immer noch, dass man einfach ein paar GT CO2 weniger produzieren muss, damit sich das Klima weniger stark erwärme. Solange aber kein "Wissenschaftler" nachvollziehbar vorrechnen kann, was 1 GT weniger für die Erdtemperatur bedeutet, sollten wir aufhören, Billionen zu versenken. Einfach diese Frage zu zensieren bzw. auf die 100'000e Seiten umfassenden IPCC-Reports zu verweisen ist zu billig u. naiv. Zudem: CO2-neutral ist NICHT klimaneutral
    1. Antwort von Peter Zurbuchen  (drpesche)
      Wenn man etwas nicht genau quantifizieren kann, ist es nicht wahr, Herr Menzi?
      Und Ihre "Gegenbeweise" sind wirklich nachvollziehbar und genau quantifiziert?
      Auf einen Aspekt (weniger CO2 produzieren) zu verzichten, weil es auch noch andere gibt, ist auch nicht gerade zielführend.
    2. Antwort von Dietmar Logoz  (Universalamateur)
      Vorschlag: "Klimaskeptiker" kaufen die gemäss "Klimawarnern" gefährdeten Landstriche (Meeresküsten etc.) auf und "versenken keine Billionen" für Klimaschutzmassnahmen. Falls diese Landstriche das Jahr 2050 oder 2100 unbeschadet überstehen, machen diese Leute Riesenprofite. Andernfalls haben sie einen Totalverlust.
  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Wie in allen Konferenzen zu vor "absolut nichts"!
    Bla, bla, hilft dem Klima rein nichts!
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      In welcher Form sollen dann die Mächtigen dieser Welt über die Klimaerwärmung sprechen?