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Kolumbien legalisiert venezolanische Flüchtlinge
Aus Echo der Zeit vom 23.02.2021.
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Kolumbiens Flüchtlingspolitik Papiere für Venezolaner: Humanitäre Geste mit politischem Risiko

Nie zuvor gab es in Südamerika eine Migrationswelle wie die der letzten fünf Jahre, in denen bereits fast sechs Millionen Venezolaner nach Kolumbien, Peru, Chile, Ecuador und in andere Länder der Region migriert sind.

Auch weltweit gibt es kaum eine Region, in der so viele Menschen ihr Land verlassen haben. Die meisten Flüchtlinge hat das Nachbarland Kolumbien aufgenommen: Knapp zwei Millionen Venezolaner leben dort, meist unter prekären Bedingungen. Kolumbiens rechtskonservativer Präsident Ivan Duque kündigte nun an, dass er ihren Aufenthalt legalisieren will.

Die venezolanischen Flüchtlinge in Kolumbien haben Anspruch auf einen für zehn Jahre gültigen Aufenthaltsstatus. Die Flüchtlinge werden geimpft, sie erhalten reguläre Papiere, Zugang zum Arbeitsmarkt und zum Gesundheitswesen.

Weltweit viel Lob und Anerkennung

«Es ist eine emblematische humanitäre Geste für die Region, sogar für die ganze Welt», sagte Filippo Grandi, Leiter des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen. Lob kam auch von der Katholischen Kirche, verschiedenen anderen Stellen der UNO und von der US-Regierung.

Denn ein Grossteil der venezolanischen Flüchtlinge arbeitet schwarz und ist deswegen Ausbeutung, Missbrauch und Diskriminierung ausgesetzt. Der neue Status gibt den Menschen Schutz.

Vor allem innenpolitisch riskant

Doch die Integration der Venezolaner wird angesichts Kolumbiens eigener Probleme gewaltige Anstrengungen verlangen. Der 50-jährige Bürgerkrieg hat über sieben Millionen Binnenflüchtlinge hinterlassen, die Armut ist gross und die Pandemie trifft die Wirtschaft hart.

Kolumbien ist in der grössten Rezession seiner Geschichte, die Arbeitslosenquote von fast 14 Prozent ist so hoch wie noch nie. Gleichzeitig insgesamt fast zwei Millionen Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren, fordert einen riesigen Kraftakt. Präsident Duque hofft, dass angesichts seiner grosszügigen humanitären Geste finanzielle Unterstützung aus dem Ausland kommen wird.

Doch die Anerkennung der venezolanischen Flüchtlinge strapaziert nicht nur das Budget. Monika Pachón, Politologin an der Universität de Los Andes in Bogotá, sagt gegenüber SRF News: «Wenn es nun im Land zu Delikten kommen sollte mit registrierten Venezolanern als Täter, dann steigt die Fremdenfeindlichkeit. Dann fragen sich die Menschen: Wieso haben wir ihnen so viel geschenkt?»

Effekt auf die Region?

Die UNO hofft, dass diese Geste Kolumbiens auf die ganze Region ausstrahlt. In Ecuador, Peru oder Argentinien leben hunderttausende venezolanische Flüchtlinge. Aber viele Länder scheuen sich wegen des immensen innenpolitischen Drucks, deren Aufenthalt zu legalisieren. Chile hat gerade begonnen, venezolanische Flüchtlinge wieder abzuschieben.

David Karasek

David Karasek

Südamerika-Korrespondent, SRF

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David Karasek ist seit Anfang 2021 Südamerika-Korrespondent von SRF. Von 2015 bis 2018 lebte und arbeitete er als freier Journalist in Kolumbien und berichtete aus verschiedenen Ländern wie Ecuador, Venezuela oder Kuba für mehrere Medienunternehmen – unter anderem für SRF, die «Neue Zürcher Zeitung» und den «Tages-Anzeiger». Danach war er als Produzent und Redaktor bei SRF 4 News tätig. Karasek studierte in Bogotá an der Universität Javeriana Politologie.

Echo der Zeit, 23.02.2021, 18:00 Uhr

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Heinimann  (uh4000)
    Wirklich vorbildlich wie in Kolumbien die venezolanischen Flüchtlinge aufgenommen werden. Ältere Menschen werden sich erinnern, als vor ca. 50 Jahren gegen 1 Million Kolumbianer im damals reichen Venezuela arbeiteten und wöchentlich einen Teil ihres Lohnes an Angehörige in Kolumbien überwiesen. Einfach nur traurig was sich in den letzten 20 Jahren in Venezuela abgespielt hat.
  • Kommentar von Martin H. Meier  (Mahame)
    Offenbar hat etwas nicht funktioniert bei der Einführung des Sozialismus in Venezuela.
    Damit konnte niemand rechnen.