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Indonesien schickt Armee nach Westpapua
Aus HeuteMorgen vom 07.05.2021.
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Konfrontation statt Dialog Indonesien schickt «Satanstruppe» nach Papua

Das Land schickt eine Truppe nach Papua, die für Gräueltaten an Separatisten bekannt ist. Es droht die Eskalation.

Am Donnerstag begann in Indonesien, eine Woche vor dem Fest zum Ende des Ramadans, ein landesweites Reiseverbot. Damit soll die Verbreitung des Coronavirus verhindert werden. Für Soldaten scheint dieses Verbot nicht zu gelten. Denn gleichentags verkündete ein Armeesprecher, man habe 400 zusätzliche Soldaten nach Papua geschickt. Dort, im Westteil der Insel Neuguinea, eskaliert der Konflikt erneut.

Das 315. Garuda-Bataillon, das eben nach Papua gesandt wurde, trägt den Spitznamen «Satanstruppe», weil es bekannt wurde für seine Gräueltaten und Morde an Separatisten in Osttimor Ende der 1990er Jahre.

Ein ähnliches Schicksal könnte nun in den kommenden Tagen und Wochen den Separatisten in Papua gelten: Sie kämpfen seit Anfang der 1960er-Jahre für Unabhängigkeit, also seit die holländischen Kolonialherren abgezogen waren und Indonesien den Westteil der Insel Neuguinea annektiert hatte.

Nun eskaliert die Gewalt wieder

Vor knapp zwei Wochen erschossen Papua-Rebellen einen hochrangigen Vertreter des indonesischen Geheimdienstes. Die indonesische Regierung erklärte daraufhin verschiedene Separatistengruppen zu terroristischen Organisationen, was der Armee noch mehr Möglichkeiten gibt, gegen sie vorzugehen. Präsident Joko Widodo ordnete an, die Separatisten zu verhaften und niederzuschlagen.

Dieses Vorgehen kritisieren Menschenrechtsorganisationen: Die indonesische Regierung versuche den Konflikt weiterhin mit Gewalt zu lösen, statt die anhaltende Unterdrückung der Papua zu beenden.

Zwischen 100'0000 und 500'000 Papuas sind in den letzten Jahrzehnten in diesem Konflikt bereits umgekommen. Mehr als 40'000 Zivilisten wurden bereits vertrieben und leben in Lagern. Gewalt, Verhaftungen und Diskriminierung gehören für die Papua zum Alltag. Mit der Ankunft der «Satanstruppe» wird sich diese Gewalt noch verschlimmern.

Karin Wenger

Karin Wenger

Südostasien-Korrespondentin, SRF

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Karin Wenger ist seit Frühling 2016 Südostasien-Korrespondentin von SRF in Bangkok. Sie berichtet über Indonesien, Malaysia, Philippinen, Thailand, Burma, Vietnam und weitere südostasiatische Länder. Wenger lebte zuvor sechs Jahre lang in der indischen Hauptstadt Neu Delhi. Früher berichtete sie als freie Journalistin aus dem Nahen Osten.

HeuteMorgen, 07.05.2021, 06:00 Uhr

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Denis Keranovic  (Denis94)
    würde hier eine Minderheit einen Anschlag auf den Geheimdienst-Chef verüben, hoffe ich, dass ihr (die die Indonesien verurteilen) auch friedliche Lösungen vorschlagen würdet.

    Aber dies würde nicht zu unserer westlichen Arroganz passen.
  • Kommentar von David Naegeli  (Dedun23)
    Ich wusste mit diesen Schurken sollte man kein Abkommen machen. Der Bundesrat sollte die Konsequenz daraus ziehen und das Abkommen aussetzen!
    1. Antwort von Denis Keranovic  (Denis94)
      Schurken? Wegen einer Truppenverlegung im Inland? Dann dürfen wir mit niemandem mehr Geschäfte machen
    2. Antwort von Adrian Weber  (Pöbel)
      @Dedun23 bin ihrer Meinung.
      @Denis94 "Truppenverlegung"? Killerkomando trifft es eher. Und ihr Verständnis von "Geschäfte machen" lässt tief blicken.
  • Kommentar von Lesek Hottowy  (Lhot)
    Ein Land wie Indonesien mit Hunderten verschiedenen Sprachen und Kulturen zu regieren ist um ein vielfaches komplizierter als die kleine Schweiz. Es ist notwendig hart durchzugreifen gegen Aufwiegler und Terroristen. Die Meinungen hier sind glücklicherweise nicht relevant und haben keinen Einfluss. Übrigens hat die Schweiz das Freihandelsabkomnen aus Eigeninteresse abgeschlossen um von Indonesien zu profitieren, nicht umgekehrt.
    1. Antwort von Mark R. Koller  (Mareko)
      Moment mal, L. Hottowy, das mit "Aufwiegler und Terroristen" lasse ich mir nicht gefallen. Die indigenen Einwohner in Westpapua haben eine sehr, sehr alte Kultur. Es waren Leute von ausserhalb, welche sich dort breitgemacht hatten und nun in der Folge die Einheimischen aus ihrem eigenen Land rechtlos vertreiben und, weil sie überwiegend Christen sind, von den Moslems grausam massakriert werden. Machen Sie sich bitte kundig, was dort seit Jahrzehnten abgeht.
    2. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Sobald ich das Wort "annektiert" lese, weiss ich da steckt nichts gutes dahinter. Da werden Machtansprüche auf Kosten der dort lebenden Bevölkerung angemeldet. Wie im Artikel erwähnt, folgt Unterdrückung und Vertreibung. Daraus entsteht Gegenwehr, was Sie nun mit weiterer Gewalt durch hartes Durchgreifen befürworten. Wären Sie auch der gleichen Meinung, wenn Sie aus Ihrem Zuhause vertrieben würden?