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Parler: Zwischenzeitlich ein Forum weniger
Aus SRF 4 News aktuell vom 13.01.2021.
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Kontrolle von Sozialen Medien Eine Plattform weniger für Rechtsnationale in den USA

Auf Parler konnten Trump-Anhänger ungestört ihr Gedankengut verbreiten. Doch der Dienst ist (zurzeit) offline.

Was ist Parler? Parler ist eine Social-Media-App, ähnlich wie Twitter, über die vor allem rechtskonservative Kreise und Verschwörungstheoretiker in den USA kommunizieren. «Man kann Leuten folgen und im eigenen Netzwerk Beiträge posten», erklärt Jürg Tschirren, SRF-Digitalredaktor.

Parler stehe allen offen, so Tschirren. «Die Plattform positioniert sich aber vor allem für User, die auf anderen Plattformen gesperrt wurden.» Parler verspreche, keine Zensur zu üben. Allerdings sollen auch schon Nutzer gesperrt worden sein, die dort linkes Gedankengut verbreitet haben. «Bei Parler dominiert klar eine rechte Weltsicht.»

Warum ist Parler für Trump-Anhänger wichtig? Mittlerweile ist bekannt, dass sich diejenigen Personen, die das Kapitol in Washington gestürmt haben, auch auf Parler abgesprochen haben.

Amazon hat die Server von Parler abgestellt – was nun? Die Website von Parler wird nicht mehr angezeigt. «Die Betreiber von Parler sagen, sie seien darauf vorbereitet gewesen, dass Amazon ihnen die Server abstellen könnte. Sie hätten sich nie nur auf Amazon verlassen», sagt Tschirren. Klar ist: Soziale Netzwerke sind datenintensiv. Sie brauchen Platz für die Inhalte, die ihre Nutzer erstellen, und damit sie diese speichern können, greifen die meisten von ihnen auf Server kommerzieller Anbieter zurück. Kleinere Netzwerke wie Parler haben meist keine eigenen Server.

Ist Parler damit am Ende? «Nein», sagt Tschirren. Parler werde sich einen neuen Anbieter suchen. John Matze, der CEO von Parler, habe angekündigt, dass der Dienst bis zu einer Woche offline sein könne, so der Digitalredaktor. Allerdings könne auch der neue Serveranbieter die Zusammenarbeit beenden, wenn der Druck von aussen zu gross werde.

Auch Google und Apple haben Parler aus ihren App-Stores verbannt. «Gemäss dem CEO von Parler sollen zudem praktisch alle anderen Unternehmen, mit denen Parler zusammengearbeitet hat, die Kooperation gekündigt haben.» Fast noch schlimmer für Parler: Auch Anwälte, die das Unternehmen für seine Verteidigung braucht, seien abgesprungen.

Gibt es alternative Dienste für rechtskonservative Kreise? Es gebe einige, die sich genau an diese Kreise richteten, sagt Tschirren weiter. Sie heissen zum Beispiel Gap, Newsmax, MeWe oder Rumble. Allerdings sei keiner darunter, der so viele Menschen erreiche wie Twitter oder Facebook.

«Dies hat zur Folge, dass sich die Mitglieder in einer Art Echokammer wiederfinden. Sie sprechen nur noch mit Leuten mit der gleichen Weltsicht.» Zum Planen von Aktionen sei das praktisch, allerdings könnten so Unentschlossene oder die Medien nicht mehr erreicht und provoziert werden.

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Aus dem Archiv: Twitter sperrt Trump dauerhaft
Aus Tagesschau vom 09.01.2021.
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SRF 4 News, 11.01.2021; 11:08 Uhr;

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133 Kommentare

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  • Kommentar von René Pfister  (rpfi)
    Es ist eine Illusion zu glauben, man könne Gewalt und unliebsame Meinungen verdrängen, indem man liberale Grundprinzipien wie die Meinungsfreiheit mittels eindeutiger Zensur aushebelt. Das schadet letztlich der Demokratie und wird früher oder später auf uns alle zurückfallen. Und die Radikalisierung der mundtot Gemachten nimmt noch mehr zu. Das ist doch logisch. Es ist erschreckend, wie über die Zensur von Tech-Monopolisten wie Twitter gejubelt wird - vor allem von den Usern selber.
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    1. Antwort von Maciek Luczynski  (Steine)
      Warum darf ein Privat-Unternehmen wie "Twitter" kein Selbstbestimmungsrecht darüber haben, welche Benutzer/Partner bei ihm publizieren können, und welche nicht ?
      Vor allem da es ja auch zu 100% privat finanziert ist.
      Ja, die Regeln werden recht willkürlich durchgesetzt, aber man muss sich bei dieser Plattform bewusst sein, dass es um den Umsatz/Gewinn geht. Mehr nicht.
      Wenn Twitter morgen schliessen würde, wären unsere Rechte (egal in welchem Land wir leben) überhaupt nicht tankgiert!
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  • Kommentar von Reto Blatter  (against mainstream)
    Wieso darf man eigentlich schreiben, dass Präsident Trump zu Gewalt aufgerufen habe, wenn dies für jedermann überprüfbar falsch ist. Die Rede Trumps in Washington kann gehört oder gelesen werden. Er hat darin seine Unterstützer aufgefordert zum Capitol zu gehen und friedlich zu protestieren. Wieso wird in den Medien und Foren etwas behauptet, das nicht stimmt? Was soll damit bezweckt und wem soll damit gedient werden?
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    1. Antwort von Maciek Luczynski  (Steine)
      Zur Gewalt nicht, aber zur Aufruhr.
      Ausserdem könnte man ihm auch einen Eidbruch anlasten, da er bei seiner Einführung geschworen hat "die Verfassung der Vereinigten Staaten nach besten Kräften zu wahren, zu schützen und zu verteidigen"

      Somit hätte er auch eingreifen müssen, als die ersten Vandalen in Capitol eindrangen. Er hat aber nur zugeschaut.
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    2. Antwort von Thomas Bünzli  (Tumasch)
      Vielleicht haben Sie die Vorredner nicht gehört? Diejenigen, die der Menge so richtig eingeheizt und diese aufgeputscht haben? Und dann haben Sie vielleicht Trumps Rede in diesem Kontext und dem Kontext, dass er die Menge ermuntert hat, nicht zuzulassen, dass der " Wahlbetrug " akzeptiert wird aus Ihrer Warte interpretiert, so ganz ohne die Geschichte davor?
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    3. Antwort von Reto Blatter  (against mainstream)
      @tumasch: ihre Antwort in Ehren - die so stark für Vereinigung plädierenden Demokraten wollen aber Präsident Trump wegen Aufruf zur Gewalt seines Amtes entheben. Nicht seine Vorredner oder seine Tante:)
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  • Kommentar von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
    Was für eine Realsatire, wie jetzt sonstige Befürworter der Unternehmensfreiheit und Gegner eines starken Staates behaupten, nur der Staat habe solche Rechte. Da ist null Konsequenz zu entdecken - ausser in der Trump- Anhängerschaft. Na gut. Lasst wenigstens Orwell aus dem Spiel, sonst zeigt sich nur, dass man dessen Bücher nicht verstanden hat.
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    1. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Bei Orwell geht es gerade darum, dass ein totalitärer Staat absolut über die Sprache bestimmt - bis in die Formulierung („newspeak“).

      Meiner Meinung nach ist es tatsächlich Aufgabe des Staates, die Regeln zu setzen. Liberal, wobei Liberalismus/Restriktion eine Gratwanderung ist - auf der einen Seite lauert das Recht des Stärkeren, auf der anderen der totalitäre Staat.

      Diese Abwägung muss in der Tendenz auch hier gemacht werden - den Foifer und das Weggli gibt es nicht.
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    2. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Hat ein Konzern das Recht, User zu blockieren, gilt das dem Liberalismus immer innewohnende Recht des Stärkeren ein Stück weit (ein Konzern mit der Reichweite von Twitter hat grosse Macht, der User wenig Ausweichmöglichkeiten); verbietet der Staat den Konzernen das Sperren von Nutzerkonten oder eine eigene „Netiquette“, ist das ein Schritt in Richtung starker Staat - zumindest würde das normalerweise vom „bürgerlichen Block“ als Eingriff in die Unternehmensfreiheit bezeichnet.
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