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International Krawall-EM: Über 300 Verhaftungen seit Turnier-Beginn

An der Fussball-EM in Frankreich lähmen Ausschreitungen ganze Städte. Nach nur sieben Spieltagen hat die Polizei bereits 323 Personen verhaftet. Die Uefa bleibt vorerst nur «besorgt» ob der blutigen Krawalle.

Rund um die Fussball-Europameisterschaft in Frankreich ist es erneut zu blutigen Krawallen gekommen. Seit Beginn des Turniers – nach nur sieben Tagen – hat die Polizei bereits 323 Personen verhaftet. Davon seien 196 in Gewahrsam genommen worden, acht wurden zu Haftstrafen verurteilt, bei dreien wurde eine Bewährungsstrafe ausgesprochen.

Trotz dieser immer neuen Gewaltszenen rund um das Fussball-Turnier ist die Drohkulisse der Uefa sozusagen eingebrochen. Nach den wüsten Ausschreitungen rund um das Spiel Russland-England vom letzten Samstag in Marseille hatte der europäische Fussballverband noch mit harten Sanktionen gedroht. Bei wiederkehrender Gewalt der – insbesondere russischen – Anhangs drohe der Ausschluss von der EM. Dies allerdings nur innerhalb der Fussballstadien.

Derzeit ist man bei der Uefa vorerst nur noch «besorgt» ob der erneut blutigen Ausschreitungen. Eine ausserordentliche Sitzung will die Uefa nicht mehr vornehmen – trotz der neuerlichen Ausschreitungen vom Mittwoch.

Bei Fan-Krawallen Lille waren am Mittwoch 50 Menschen verletzt worden. 16 Personen mussten ins Spital gebracht werden. Total wurden während des ganzen gestrigen Tages 36 Fans festgenommen. Rund 4000 Sicherheitskräfte standen in der Stadt im Einsatz.

Krawalle rund um die EM-Spiele im Überblick:

  • Am Samstag eskalierte die Lage in Marseille rund um das Spiel Russland-England komplett. Bereits vor der Partie kam es zu wüsten Strassenschlachten. Gegen Ende des Spiels griffen russische Fans noch im Stadion Engländer an. Mehrere Dutzend Menschen wurden verletzt, ein Engländer schwebte tagelang in Lebensgefahr.
  • Auch in Nizza kam es am Samstagabend vor dem Match Nordirland-Polen zu Auseinandersetzungen. Dort sollen französische Jugendliche und nordirische Fans aneinander geraten sein. Sieben Menschen wurden verletzt.
  • Am Sonntag randalierten über 50 deutsche Hooligans mit Reichskriegsflagge vor dem Spiel Deutschland-Ukraine in der Innenstadt von Lille. Sie griffen ukrainische Fans an. Vor Strassencafés flogen Flaschen, Stühle und Rauchbomben. Mindestens drei Personen sollen verletzt worden sein, darunter ein Reporter.
  • Am Mittwoch kam es bereits am Nachmittag zu Krawallen in Lille. Dort spielte Russland gegen die Slowakei. Zudem spielt England am Donnerstag im nur wenige Kilometer entfernten Lens gegen Wales. Die Polizei ging in Lille mit Tränengas gegen rund 200 englische Anhänger vor. Das gemäss Reportern «harte» Vorgehen der Polizei führte zu einem Katz- und Maus-Spiel zwischen der Polizei und Fussballfans.
  • Im Vorfeld des Risikospiels zwischen Russland und der Slowakei (1:2) waren zehn Personen in Lille festgenommen worden. Vier von ihnen blieben auch in der Nacht noch in Polizeigewahrsam – eine Russin und ein Ukrainer wegen unerlaubten Waffenbesitzes, zwei weitere Russen wegen Gewalttätigkeiten. Nach Behördenangaben soll das Quartett ausgewiesen werden.
  • Nach dem Spiel Frankreich-Albanien kam es beim Verlassen der Fanzone in Lille zu Flaschen- und Steinwürfen von Franzosen gegen die Polizei. Das Spiel fand in Marseille statt.
  • In einem Zug auf der Strecke Calais-Lille gab es am Mittwoch Schlägereien zwischen englischen und walisischen Fans. Nach der Ankunft im Bahnhof wurden fünf Personen festgenommen. Um 15 Uhr spielt England gegen Wales in Lens.

Weitere Risiko-Spiele:

  • Die Spiele mit russischer und englischer Beteiligung werden aufgrund der Vorfälle von Marseille mit besonderer Wachsamkeit verfolgt.
  • Die Begegnung zwischen Deutschland und Polen am Donnerstagabend in St. Denis gilt als Hochrisiko-Spiel. Die Anhänger der beiden Mannschaften gelten traditionell als verfeindet. «Wir gehen fest davon aus, dass diese Begegnung gewaltbereite Störer anziehen wird», sagen szenekundige Beamte aus Deutschland.

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