Israel meldet den Tod einer weiteren Führungsfigur des iranischen Regimes. Der Chef des Sicherheitsrats, Ali Laridschani, sei in der Nacht bei einem gezielten Angriff getötet worden, sagte der israelische Verteidigungsminister Israel Katz. Noch steht eine Bestätigung des Todes von Laridschani aus dem Iran aus. Auslandredaktor Philipp Scholkmann ordnet ein.
Was ist von den Erklärungen aus Israel zu halten?
Sie ist mit Vorsicht zu behandeln. Es bleibt im Grunde ungesicherte Information einer Kriegspartei. Gleichzeitig fällt auf, dass Laridschani, der sich in den letzten Tagen gerne und demonstrativ in der Öffentlichkeit zeigte, acht Stunden danach nicht reagiert hat. Es wurde auf seinem Account in den Sozialen Netzwerken lediglich eine handschriftliche Nachricht publiziert, undatiert, die keinen Zusammenhang hat mit der Frage seines Wohlergehens.
Welche Rolle spielt – oder spielte – Laridschani innerhalb der iranischen Machtstruktur?
Eine Schlüsselrolle. Für die Exekutivgewalt in diesen Kriegstagen ist er wohl entscheidender als der neue Revolutionsführer selbst, Modschtaba Chamenei, der ja verletzt sein soll und in der Öffentlichkeit seit Kriegsbeginn nicht erschienen ist. Laridschani war noch von Ali Chamenei, vor dessen Tod, persönlich zum Sicherheitschef ernannt worden, mit weitreichenden Befugnissen. Gerade auch für den Fall, dass ihm, Chamenei, etwas zustossen sollte.
Welches ist sein Hintergrund?
Laridschani stammt aus einer der einflussreichsten Politikerfamilien der «Islamischen Republik». Mehrere seiner Brüder gehören ebenfalls zum theologischen oder politischen Establishment. Er ist einerseits ein feingeistiger Intellektueller, andererseits ein ruchloser Macher im Dienst des Regimes. Er begann seine Karriere bei den Revolutionsgarden als Offizier im Krieg gegen den Irak in den Achtzigerjahren. Er besetzte in den folgenden Jahrzehnten eine Reihe von hochrangigen politischen Positionen, auch bei den Nuklearverhandlungen mit dem Westen. Laridschani oszillierte dabei zwischen den Lagern, gab sich manchmal pragmatisch, gerade auf dem internationalen Parkett. Nach Innen trat er in letzter Zeit nur noch als Hardliner auf, auch im Januar, als die Protestbewegung blutig zerschlagen wurde. Zum letzten Mal in der Öffentlichkeit gesehen wurde er am Freitag, an den Kundgebungen zum sogenannten Jerusalemtag («Al-Kuds-Tag»). Da mischte Laridschani sich demonstrativ und unerschrocken unter die Massen von Regimegetreuen in der Innenstadt von Teheran, trotz des Risikos von Luftangriffen.
Falls Laridschani nun tatsächlich getötet wurde – was bedeutet das für das Regime?
Es wäre ein sehr schwerer Schlag. Israel setzt offensichtlich die Strategie fort, gezielt Köpfe des Regimes auszuschalten – insbesondere des Sicherheitsapparats. Und der israelische Verteidigungsminister hat am Morgen bekräftigt, dass Israel weiter gezielt Führungsleute des iranischen Regimes eliminieren wolle. Gleichzeitig gilt: Das iranische Regime, das immer stärker überlappt mit den Revolutionsgarden, bleibt ein gewaltiger Apparat. Es sind Figuren da, die nachrücken können – auch an der Spitze. Iranische Experten nennen zum Beispiel den Parlamentspräsidenten, den Justizchef, den Geheimdienstchef, die alle im Falle des Todes von Laridschani noch stärker ins Zentrum der Macht rücken könnten. Aber klar ist auch: Mit jedem Schlag, den die «Islamische Republik» absorbieren muss, wird das ganze Gebäude fragiler – oder noch repressiver. Oder beides.