Vor einem Jahr hat der Softwareingenieur und Start-up-Gründer Dariush den Iran verlassen, um in Europa ein sichereres Leben führen zu können. Bereits zum dritten Mal ist seine Heimat seither mehr oder weniger von der Aussenwelt abgeschnitten.
«Das Internet wurde im 12-Tage-Krieg vom vergangenen Juni blockiert, danach während der Proteste diesen Januar. Und auch jetzt gibt es nur selten eine Verbindung ins Ausland. Und wenn, dann ist sie sehr langsam», sagt Dariush, der eigentlich anders heisst.
Wer via Starlink-Satellit ins Internet gehe, riskiere den Tod durch den Strang, denn das Regime betrachte diese Leute als CIA- oder Mossad-Spione, sagt Dariush. «Es ist sehr gefährlich und so beängstigend.»
Klima des Misstrauens
Telefonverbindungen funktionierten nur vom Iran ins Ausland und seien sehr teuer. Ärmere Familien könnten sich das nicht leisten, erzählt der 38-Jährige. Seit Kriegsbeginn konnte er mehrmals mit seinen Eltern in Teheran und Freundinnen und Freunden im ganzen Land telefonieren.
Mit ihm sprächen die Menschen relativ offen, aber alle hätten Angst, sagt Dariush und beschreibt ein Klima des Misstrauens, das ihn an die Stasiherrschaft zu DDR-Zeiten erinnere.
Es gibt kein Warnsystem, keine Sirenen, keine Schutzräume. Nichts für die Zivilisten. Ihnen wird nur gesagt: Seid vorsichtig.
So brutal die Repression im Innern ist: Gewalt droht auch von aussen. Israelische und US-amerikanische Kampfflugzeuge greifen den Iran seit zwei Wochen an. Laut iranischen Angaben sind seit Kriegsbeginn über 1300 Zivilistinnen und Zivilisten getötet worden.
Offene Diskussionen im Internet
«Natürlich haben die Menschen Angst! Das Schlimmste ist: Das Regime mag ein paar Raketen bauen, mit denen es Israel angreifen kann. Aber es gibt kein Warnsystem, keine Sirenen, keine Schutzräume. Nichts für die Zivilisten. Ihnen wird nur gesagt: Seid vorsichtig», sagt Dariush.
Doch trotz der Bombenangriffe gehe das Leben irgendwie weiter. Zurzeit fehle es weder an Benzin noch an Wasser, Strom oder Nahrungsmitteln. Innerhalb des Landes funktioniere auch das Internet, dessen Anonymität offenere Diskussionen möglich mache. Und diese zeigten, wie komplex die Gefühle der meisten Menschen seien.
Ein islamisches Regime mit einem neuen Chamenei ist gefährlich. Trumps und Netanjahus Bomben auf Teheran und andere Landesteile sind ebenfalls gefährlich.
«Viele wissen nicht, worauf sie hoffen sollen. Sie versuchen einfach, ihre Menschlichkeit zu bewahren, und wünschen sich ein Ende des Krieges. Doch was kommt danach? Ein islamisches Regime mit einem neuen Chamenei ist gefährlich. Trumps und Netanjahus Bomben auf Teheran und andere Landesteile sind ebenfalls gefährlich. Die Menschen sind machtlos und verwirrt. Sie hoffen auf ein Happy End.»
Und wie würde das aussehen, ein Happy End? «Ein freier Iran», sagt Dariush. «Ein demokratisches Land, in dem ein schlechter Entscheid des Volkes nach vier Jahren an der Urne korrigiert werden kann, nicht nach 40 Jahren.» Doch wie es so weit kommen könne, wisse er auch nicht.