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Krieg im Iran USA verantwortlich? Trump unter Druck nach Angriff auf Schule

Ende Februar waren am ersten Kriegstag im Süden des Irans bei der Bombardierung einer Schule rund 170 Mädchen ums Leben gekommen. In Medienberichten wurden die USA dafür verantwortlich gemacht, Präsident Trump beschuldigte den Iran selber. Die vorläufigen Ergebnisse einer Untersuchung scheinen nun zu bestätigen, dass doch die USA die Schule attackiert haben. Das berichten die «New York Times» und CNN unter Berufung auf vertrauliche Quellen. Barbara Colpi beantwortet die wichtigsten Fragen.

Barbara Colpi

USA-Korrespondentin

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Barbara Colpi berichtet seit Juli 2022 als Korrespondentin für Radio SRF und News Digital aus den Vereinigten Staaten. Sie ist seit 2005 bei Radio SRF und begann als Redaktorin in der Sportredaktion, wo sie 2008 die stellvertretende Leitung übernahm. Im Frühling 2016 wechselte die studierte Sozialanthropologin auf den Korrespondentenposten nach Lausanne.

Hier finden Sie weitere Artikel von Barbara Colpi und Informationen zu ihrer Person.

Gemäss US-Medien sollen die USA den Angriff auf die Schule verantworten. Was ist da dran?

Die Medienberichte stützen sich auf vertrauliche Informationen von US-Beamten, die mit den vorläufigen Untersuchungsergebnissen vertraut sind. Diese Quellen sagen, dass veraltete Satellitendaten verwendet worden waren, Aufnahmen aus dem Jahr 2013. Damals befanden sich auf dem betroffenen Gelände sowohl eine Schule als auch ein Stützpunkt der iranischen Revolutionsgarden. Spätere Bilder aus dem Jahr 2016 zeigen jedoch bereits eine klare Trennung durch einen Zaun. Dort, wo die betroffene Schule lag, wurden auch Wachtürme entfernt. Man sieht Spielplätze, Sportflächen, bunt angemalte Wände. Das deutet darauf hin, dass das Militär auf der Grundlage von über zehn Jahre alten Daten angegriffen hat und damit einen schweren Fehler bei der Zielidentifikation gemacht hat. Offiziell bestätigt ist das alles bislang nicht. Das Pentagon betont, die Untersuchung sei noch nicht abgeschlossen.

Wie reagiert die US-Politik auf diese Erkenntnisse?

Im Kongress wächst der Druck auf eine transparente Aufklärung. Besonders brisant ist die Lage, weil Donald Trump unmittelbar nach dem Angriff dem Iran die Verantwortung zugeschrieben hatte. An dieser Linie hält Trump öffentlich weiter fest. Er hat lediglich erkennen lassen, dass er die Untersuchungsergebnisse akzeptieren werde. Deshalb gibt es auch Kritik an der Kommunikation, an der vorschnellen Schuldzuweisung, bevor die Fakten geklärt waren. Für Donald Trump und die Regierung geht es nun vor allem auch darum, Vertrauen zu bewahren.

Hat das innenpolitische Konsequenzen?

Die Situation für Trump ist heikel, da dieser Vorfall ein Element mehr ist, welches Kritik auslöst. In seiner sehr treuen Wählerbasis, in der Maga-Basis, häufen sich kritische Stimmen zum Angriff auf den Iran. Jüngstes Beispiel ist der einflussreiche Podcaster Joe Rogan. Rogan sagt, dass sich Trump-Wählerinnen und -Wähler verraten fühlten. Hinzu kommt: Anfang November sind Zwischenwahlen, bei dem es um die Mehrheiten in den beiden Parlamentskammern geht. Und auch wenn Trump auf keinem Wahlzettel stehen wird, könnte die Republikanische Partei hart abgestraft werden.

In Afghanistan haben die USA 2015 ein Spital beschossen. Lässt sich das vergleichen?

Damals stellte sich heraus, dass Fehler bei der Zielidentifikation und der Kommunikation eine Rolle spielten. Der wesentliche Unterschied liegt aber vor allem in der anschliessenden Kommunikation und dem Verhalten der USA. Zwar gab es auch damals zuerst unterschiedliche Darstellungen, doch schon wenige Tage später übernahm der damalige US-Präsident Obama die Verantwortung. Er bedauerte den Fehler, entschuldigte sich bei Opferangehörigen, beim damaligen Präsidenten Afghanistans, Ashraf Ghani, bei der Organisation Ärzte ohne Grenzen, die das Spital betrieb. Parallel dazu wurden ebenfalls US-Militär interne Untersuchungen eingeleitet.  Diese detaillierten Endergebnisse lagen dann erst ein halbes Jahr später vor. 

Echo der Zeit, 12.3.2026, 18 Uhr ; 

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