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ETH-Sicherheitsforscher Masuhr: «Je mehr sich Kämpfe in Städte verlagern, umso höher werden die humanitären Kosten»
Aus SRF 4 News aktuell vom 02.03.2022. Bild: Keystone
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Krieg in der Ukraine Der Krieg tobt verstärkt in den Städten – mit dramatischen Folgen

Tag 7 der russischen Invasion: Die Menschen in der Ukraine haben eine weitere bange Nacht in Kellern und U-Bahn-Stationen hinter sich. Die Ukraine leistet weiterhin Widerstand. Bislang ist es Russland nicht gelungen, eine der grossen Städte unter Kontrolle zu bringen – trotz der vermeintlichen militärischen Übermacht. Deshalb ändert der Kreml nun offenbar seine Taktik, erklärt Niklas Masuhr, Sicherheitsforscher am Center for Security Studies der ETH Zürich.

Niklas Masuhr

Niklas Masuhr

Sicherheitsanalyst an der ETH Zürich

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Niklas Masuhr ist Sicherheitsforscher am Center for Security Studies der ETH Zürich. Dort fokussiert er sich auf zeitgenössische Konflikte, Verteidigungspolitik und militärische Strategien. Zuvor war Masuhr an der Universität Kiel am Institut für Sicherheitspolitik angestellt.

SRF News: Vor welchen Problemen steht Russland in diesem Krieg?

Niklas Masuhr: Russland steht vor dem Problem, dass es die ersten Tage versucht hat, den Krieg schnell zu beenden und unrealistische Erwartungen hatte. Dazu kommt, dass die russische Logistik nicht so gut funktioniert, wie man es sich in Moskau erhofft hat. Auch ist die Moral der Truppen wohl nicht so hoch, wie sie sein sollte.

Ein Passant in Butscha unweit der Hauptstadt Kiew passiert zerstörte russische Panzer
Legende: Ein Passant in Butscha unweit der Hauptstadt Kiew vor zerstörten russischen Militärfahrzeugen (1. März): Die Zivilbevölkerung gerät zunehmend zwischen die Fronten. Keystone

Wie hat sich die russische Taktik in diesem Krieg geändert?

Das ist erst in Ansätzen zu erkennen. Meistens brauchen wir ein, zwei Tage, um die Muster richtig zuzuordnen. Sichtbar ist aber bereits, dass Russland den Einsatz der Artillerie verstärkt hat. Und man scheint eher zu versuchen, in grossen Gruppen zu kämpfen statt dezentral, wie es während der ersten Tage der Fall war.

Eine ‹No Fly-Zone› über der Ukraine würde Krieg zwischen der Nato und Russland bedeuten.

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski hat wiederholt darum gebeten, dass der Westen den Luftraum über der Ukraine schliesst, damit die russischen Bombenangriffe auf Zivilpersonen enden. Am Dienstag hat er das im Telefongespräch mit dem deutschen Kanzler Olaf Scholz bekräftigt. Was würde so eine «No-Fly-Zone» bedeuten?

Das würde in erster Linie Krieg zwischen der Nato und Russland bedeuten. Eine «No-Fly-Zone» ist kein chirurgisches Mittel, um den Luftraum über der Ukraine humanitär zu sperren. Dafür müssten Nato-Luftstreitkräfte russische Luftabwehr in der Ukraine aber auch in Belarus und der russischen Exklave Kaliningrad zerstören beziehungsweise unterdrücken. Es wäre nicht möglich, eine «No-Fly-Zone» nur auf die Ukraine zu begrenzen.

Charkiw
Legende: Die russischen Angriffe der letzten Tage auf Charkiw verwüsteten die Metropole. Bilder von Augenzeugen

Nach ukrainischen Angaben hat das russische Militär seine Angriffe auf verschiedene Städte verstärkt. Was bedeutet diese Verlagerung der Kämpfe?

Das bedeutet vor allem, dass wir es leider mit mehr verwundeten und toten Zivilisten zu tun bekommen werden. Die Ukrainer können sich in Städten sicher besser verteidigen. Es ist zudem nicht ganz klar, wie aggressiv Russland tatsächlich in Städte vordringen wird. Aber: Je mehr sich Kämpfe in Städte verlagern, umso höher werden die humanitären Kosten.

Zerstörtes russisches Militärmaterial.
Legende: In der Stadt Butscha 25 Kilometer vor Kiew tobten am Dienstag heftige Kämpfe. Im Bild: Zerstörtes russisches Militärmaterial. Keystone

Wie kann der mögliche weitere Verlauf dieses Krieges aussehen?

Die ukrainische Armee steht möglicherweise vor einem Problem: Sie wird beträchtliche Truppen im Osten der Ukraine verlieren, wenn sie es nicht schafft, sich rechtzeitig in die Zentralukraine zurückzuziehen. Das ist eine der russischen Offensiven, von denen man ausgeht, dass sie jetzt forciert werden: Es geht darum, die ukrainischen Truppen abzuschneiden, bevor sie sich westlich über den Fluss Dnjepr zurückziehen können.

Das Gespräch führte Nina Gygax.

SRF 4 News, 02.03.2022, 7:20 Uhr;

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