Zum Inhalt springen

Header

Audio
Weshalb die Nato der Ukraine nun doch schweres Geschütz liefert
Aus SRF 4 News aktuell vom 13.04.2022.
abspielen. Laufzeit 7 Minuten 29 Sekunden.
Inhalt

Krieg in der Ukraine «Die Nato ist nicht der Weltpolizist, der für Stabilität sorgt»

Eine militärische Intervention in der Ukraine hat die Nato stets ausgeschlossen. Auch in Sachen Waffenlieferungen hat das Militärbündnis die Hoffnungen Kiews bereits mehrmals enttäuscht. Letzte Woche hat die Nato jedoch entschieden, nun auch schwere Waffen an die Ukraine zu liefern. Für Expertin Claudia Major von der Stiftung Wissenschaft und Politik ist der Schritt nachvollziehbar.

Claudia Major

Claudia Major

Politologin

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Claudia Major ist Politikwissenschaftlerin und Leiterin der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin.

SRF News: Gibt die Nato ihre Zurückhaltung bezüglich der Ukraine mit dem Entscheid, Waffen zu liefern, auf?

Claudia Major: Nein. Ich würde sagen, dass die Nato an ihrer ursprünglichen Position festhält. Sie sagt nämlich, dass die Nato-Staaten nicht selbst aktiv Kriegspartei werden, indem sie beispielsweise eigene Truppen entsenden oder eine No-Fly-Zone einrichten. An dieser Position hat sich auch letzte Woche nichts verändert. Aber unterhalb dieser Position hat sich die Allianz tatsächlich bewegt und stellt sich neu auf.

Nato verteidigt 30 Bündnispartner

Box aufklappen Box zuklappen
Nato verteidigt 30 Bündnispartner
Legende: Keystone

Die Nato (North Atlantic Treaty Organization) ist eine internationale Organisation mit 30 europäischen und nordamerikanischen Mitgliedstaaten und versteht sich nicht nur als Verteidigungsbündnis, sondern auch als militärisch-politische Organisation mit dem Ziel der eigenen Sicherheit sowie weltweiter Stabilität. Ihr Sitz ist in Brüssel. Generalsekretär ist Jens Stoltenberg.

Die Nato-Staaten sagen jetzt, wir müssen mehr liefern, wir müssen schneller liefern. Und wir müssen auch schwereres Material liefern. Schützenpanzerabwehr etwa. Und: Wir müssen auch überlegen, Material zu liefern, an dem die ukrainischen Streitkräfte erst ausgebildet werden müssen.

Zu Kriegsbeginn verzichtete die Nato auf Lieferungen von schweren Waffen. Das Argument: Man wolle Russland nicht provozieren. Warum nun dieser Sinneswandel?

Zum einen, weil man die unendliche Grausamkeit dieses Krieges, wie ihn Russland führt, immer wieder gesehen hat. Bei der Belagerung von Mariupol, wo keinerlei Rücksicht auf Zivilisten und zivile Infrastruktur genommen wurde. Aber auch nach dem Abzug der russischen Truppen aus den Vororten von Kiew, wo Kriegsverbrechen begangen wurden. Das hat der westlichen Gemeinschaft vor Augen geführt, dass Russland offenbar nicht gewillt ist, von seinem Kriegsziel, der Kontrolle über die Ukraine, abzurücken.

So wie der Krieg endet, wird entschieden, wie der Frieden sein wird.

Aus der Sicht der westlichen Staaten sollte Russland einen solchen Angriffs- und Vernichtungskrieg nicht gewinnen. Das heisst, man muss die Ukraine umso mehr befähigen, sich verteidigen zu können und besetzte Gebiete zurückzuerobern. Denn so wie der Krieg endet, wird entschieden, wie der Frieden sein wird, wie souverän die Ukraine sein wird, welche Grenzen sie haben wird.

Zu den eigenen Zielen und Werten der Nato gehört auch die Sicherung von Frieden und Stabilität. Ist sie im Fall der Ukraine damit nicht schon gescheitert?

Die Kernaufgabe der Nato ist die eines Verteidigungsbündnisses. Das ist der Schutz der eigenen Alliierten. Die Massnahmen, die sie in den letzten Wochen getroffen hat, waren defensiv, nicht eskalatorisch und angemessen. Sie haben darauf abgezielt, das eigene Territorium der Nato-Staaten zu schützen. Die Nato ist ja nicht der Weltpolizist, der weltweit für Stabilität sorgen soll.

Wir sehen im Krieg einmal mehr die Bedeutung eines Verteidigungsbündnisses.

Wenn ein Land Nato-Mitglied ist – und das ist die bittere Wahrheit aus diesem Krieg –, so hat es das Schutzversprechen. Nicht-Mitglieder wie die Ukraine, Georgien, Moldau oder Bosnien haben dieses Versprechen nicht.

Video
Schweden und Finnland sind auf Nato-Kurs
Aus Tagesschau vom 13.04.2022.
abspielen. Laufzeit 2 Minuten 40 Sekunden.

Wir verstehen jetzt mit dem Krieg in der Ukraine umso mehr, warum die Ukraine Mitglied der Nato werden wollte: Weil es dann geschützt gewesen wäre, weil die Hoffnung herrschte, dass Russland diesen Schutzschirm der Nato akzeptiert hätte. Das heisst, wir sehen im Krieg einmal mehr die Bedeutung eines Verteidigungsbündnisses.

Das Gespräch führte Sandro Della Torre.

SRF 4 News, 13.04.2022, 06:45 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

240 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Liebe Community, vielen Dank für die angeregte Diskussion rund um die Nato. Wir wünschen einen schönen Abend. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Martin Stäheli  (Marsus)
    Bei aller Sympathie mit den Anliegen der Ukraine, je mehr Waffen dorthin geliefert werden, desto blutiger, länger und brutaler wird der Krieg und die Zivilisten leiden noch mehr.

    Das politische Ergebnis mag nicht befriedigen, aber tatsächlich wäre ein Frieden schneller zu erreichen wenn eine Partei klar unterlegen wäre.

    Die Frage ist, was ist uns lieber eine freie Ukraine oder der Schutz der Zivilisten vor den Folgen des Krieges?
    1. Antwort von Cynthia Meister  (Cyn)
      Und was garantiert, dass wenn die Ukraine sich ergibt, dass kein nächstes Land daran kommt? Dass Krieg aufhört und die Russen nicht noch gieriger werden, weil sie sehen, dass man solche Angst davor hat, sich zu verteidigen? Es steht nicht „nur“ die Ukraine auf dem Spiel, sondern ganz Europa…
  • Kommentar von Thomas Schneebeli  (Thomas Schneebeli)
    Der Krieg ist mit nichts zu entschuldigen.
    Trotzdem gehören zu einem Konflikt zwei Seiten.
    Das wird von Medien und Politik umgangen.
    NATO sollte Expansionsgelüste in Europa drosseln. Waffenlieferungen in die Ukraine ist nicht ihre Aufgabe.
    Biden hätte lieber in den ersten Tage geschwiegen. Vielleicht hätte der Krieg dann tatsächlich nur einige Tage gedauert, wie RU dachte.
    EU versprach für den Frieden in Europa zu sorgen.
    Jetzt sagt Brüssel: Europa ist im Krieg.
    Einiges falsch gelaufen.
    1. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      @ Herr Scheebeli: Herr Putin gab als Grund für den Krieg die faschistische Naziregierung in der Ukraine zu beseitigen. Das Problem ist aber dass es in der ukrainischen Regierung weder Faschisten noch Nazis gibt. Zudem wurde die ukrainische Regierung demokratisch gewählt. Die Ukraine hat nichts getan um den russischen Einmarsch zu legitimieren. Es wird hier also weder von den Medien noch von der Politik was umgangen.
    2. Antwort von Werner Gerber  (1Berliner)
      Herr Schneebeli, wir befinden uns seit Ende 2. Weltkrieg im „Krieg“ mit dem Stalinismus. Ich bekenne, dass ich das auch nicht wahrhaben wollte und nur zu gerne der Hoffnung der Perestroika gefolgt bin. Aber schon allein, dass Gorbatschow weggeputscht wurde, hätte uns wecken müssen. Meine russischen Freunde haben schon immer gewarnt Aber wir wollten nicht hören, die Geschäfte waren wichtiger.
    3. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      @ Herr Scheebeli: Warum soll Herr Biden schweigen, jeder hat das Recht sich zu äussern. Herr Bidens Äusserungen haben keinen Einfluss auf den Kriegsverlauf. Aber durchaus was die Ukrainer tagtäglich leisten gegen die einmarschierten Russen. Die Ukraine ist Teil des europäischen Kontinents und somit ist die Aussage korrekt das Europa im Krieg ist. Zudem haben weitere europäische Länder eine gemeinsame Grenze mit Russland. Von diesen Ländern sind ein paar Mitglieder der EU oder der Nato.
    4. Antwort von Brigitte Sponchia  (Brigitte Sponchia)
      Herr Schneebeli.. ja, es gibt nur zwei Seiten.. für Diktatur oder für Demokratie. Unter welchem System bevorzugen Sie zu leben? Wenn man in einer Demokratie lebt, sollte man es anderen Ländern nicht verwehren oder sie einem Diktator hilflos ausliefern. Diese russische Propaganda " die Nato würde sich absichtlich ausweiten" ist falsch. Russland verhält sich so aggressiv und totbringend, dass die Länder Schutz unter der Nato suchen.
    5. Antwort von Sam Brenner  (Sam Brenner)
      Genau so könnte man behaupten, zu einer Vergewaltigung gehören 2 Seiten. Die alte Leier der Schuldigen, die sich rechtfertigen wollen für ihre Schandtaten.
    6. Antwort von Krebs Alfred  (A.Santiago)
      Thomas Schneebel, mich schmerzt mein Kopf wenn ich Ihren Beitrag lese. Die Nato hat gar keine Expansionsgelüste. Putin treibt die Länder mit seinem Verhalten n die Nato. Ich verstehe jedes Land total, das jetzt schnellstens der Nato beitreten will. Wäre es Ihnen lieber gewesen, wenn die Ukraine innerhalb vier Tage überrannt worden wäre? Mir nicht. Was soll die EU machen wenn Putin nur die totale Unterwerfung der Ukraine akzeptiert? Mit Putin kann man nicht Frieden machen.
    7. Antwort von Beatrice John  (Bj)
      Waffen/-lieferungen sind ebensowenig friedensfördernd...