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SRF-Auslandredaktor David Nauer über die Lage im kriegsversehrten Mariupol
Aus Info 3 vom 12.04.2022.
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Krieg in der Ukraine «Ein schlimmerer Ort als Mariupol ist kaum vorstellbar»

Kein Strom, kein Internet, aber noch Zehntausende Zivilisten, die ausharren: Die Situation in der belagerten südostukrainischen Stadt Mariupol lässt sich nur erahnen. Es dringen nur wenige Informationen nach aussen, unabhängig überprüfbar sind sie kaum. Klar ist: Die Kämpfe halten an. In der Nacht machte die Meldung über einen angeblichen Chemiewaffen-Einsatz in Mariupol die Runde. David Nauer, ehemaliger SRF-Korrespondent in Moskau, über die dramatische Lage der Zivilisten in der zerbombten Stadt.

David Nauer

David Nauer

Auslandredaktor SRF, Schwerpunkt Russland

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David Nauer ist Auslandredaktor bei Radio SRF. Von 2016 bis 2021 war er als Korrespondent von Radio SRF in Russland tätig.

SRF News: Was wissen Sie im Moment?

David Nauer: Das alles ist schwer einzuschätzen. Über diesen angeblichen Chemiewaffen-Einsatz berichtet eine ukrainische Kampftruppe. Es ist eine berüchtigte Einheit, die aus meiner Sicht keine besonders vertrauenswürdige Quelle ist. Allerdings hat sie heute ein Video veröffentlicht, in dem Zivilisten von Vergiftungssymptomen berichten: Atemnot, Augenprobleme, Schwächeanfälle. Die Leute erzählen, sie hätten Rauch gesehen und dann die geschilderten Symptome gehabt.

Eine unabhängige Bestätigung dieses angeblichen Chemiewaffen-Angriffs gibt es bisher aber nicht. Auch die ukrainische Regierung in Kiew sagt, dass sie nicht wisse, was passiert ist. Der Fall werde erst untersucht.

Was hören Sie über die Situation der Menschen in der Stadt?

Es ist sehr schwierig, sich ein genaues Bild zu machen. Es gibt seit Langem keinen Strom, kein Internet und keinen Handyempfang mehr in Mariupol. Wir haben also nur wenige Informationen. Mariupol ist wie ein schwarzes Loch. Was aber nach draussen dringt, ergibt ein Bild, wonach die Situation in der Stadt die Hölle auf Erden ist.

Mutter mit Kind in Luftschutzkeller in Mariupol
Legende: Manchen ist die Flucht aus der umkämpften Stadt gelungen. Andere, wie diese Familie, suchen Zuflucht in Luftschutzkellern in Mariupol (Aufnahme vom 8. April). Keystone

Mariupol wird seit Anfang März belagert und permanent beschossen. Es gibt offenbar kaum mehr ein Haus, das nicht beschossen wurde. Stellenweise sieht die Stadt wie eine Ruinenlandschaft aus. Die Menschen haben weder Wasser, Essen noch Medikamente. Einen schlimmeren Ort kann man sich kaum vorstellen.

Geflohene Menschen, die es irgendwie aus der Stadt geschafft haben, erzählen, dass die Bewohnerinnen und Bewohner ihre Verwandten oder Nachbarn im Hof der Häuser notdürftig verscharren.

Laut dem Bürgermeister von Mariupol sind bereits bis zu 20'000 Zivilisten umgekommen, seit die Stadt von russischen Truppen belagert wird. Passt das ins Bild, das Sie als Beobachter von der Situation haben?

Ich kann nicht beurteilen, ob diese Zahl stimmt. Aber sie passt ins Bild. Man muss davon ausgehen, dass es in der Stadt sehr viele tote Zivilisten gibt. Geflohene Menschen, die es irgendwie aus der Stadt geschafft haben, erzählen, dass die Bewohnerinnen und Bewohner ihre Verwandten oder Nachbarn im Hof der Häuser notdürftig verscharren. Auf den Friedhof zu gehen, ist längst unmöglich und wäre viel zu gefährlich.

Zerbombtes Stadttheater von Mariupol
Legende: Hier stand einmal das Stadttheater von Mariupol (Aufnahme vom 4. April). Keystone

In den Strassen sollen auch Leichen herumliegen, die niemand wegräumen kann. Es sind entsetzliche Berichte, die uns erreichen. Man muss mit sehr vielen Toten rechnen.

Das Gespräch führte Dominik Rolli.

Info 3, 12.04.2022, 12:00 Uhr;

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