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Krieg in der Ukraine Putin ist ein miserabler Feldherr

Für die Ukrainerinnen und Ukrainer will der Albtraum nicht enden: Mindestens 100'000 Tote, weite Landstriche im Osten zerstört – in den Städten haben die Menschen kaum Strom und Heizung. Dennoch: Der Plan von Aggressor Putin ist bisher nicht aufgegangen. Handstreichartig wollte der Kreml vor vier Jahren das Nachbarland erobern. Doch die Ukrainer leisteten erbittert Widerstand – und tun es bis heute erfolgreich.

Ein historischer Vergleich: Nachdem Hitlers Armee 1941 die Sowjetunion überfiel, dauerte es 1418 Tage, bis Deutschland kapitulierte. Die Truppen von Kreml-Diktator Stalin hatten da bereits Berlin erobert. Wladimir Putin sieht sich in der Tradition grosser russischer Feldherren. Doch 1461 Tage nach seinem Überfall auf die Ukraine kämpft die russische Armee um einzelne Dörfer im Osten.

«Erfolg» hat Russland im Krieg vor allem gegen Zivilisten

1.2 Millionen russische Soldaten sollen schon getötet oder schwer verwundet worden sein. Die Truppen des Kreml kommen zwar voran, aber sehr langsam. Im vergangenen Jahr haben sie weniger als ein Prozent des ukrainischen Territoriums besetzt. Weil die Verteidiger massiv Drohnen einsetzen, können die Russen kaum mehr mit gepanzerten Fahrzeugen angreifen. Sie schleichen grösstenteils zu Fuss und in kleinen Gruppen in Richtung ukrainischer Stellungen. Und die meisten Sturmsoldaten werden getötet, bevor sie den ersten Ukrainer sehen.

Mehr «Erfolg» hat Kriegsherr Putin mit seiner Kampagne gegen ukrainische Zivilistinnen und Zivilisten. Systematisch haben russische Truppen in diesem Winter die ukrainische Energieversorgung attackiert. Millionen Menschen mussten darauf bei zweistelligen Minustemperaturen in ungeheizten Wohnungen ausharren. Doch gebrochen hat der Kreml den Widerstandwillen der Ukrainer auch damit nicht. Das Leben funktioniert weiter: Geschäfte haben offen, die Züge fahren, in Spitälern werden Kranke gepflegt. Und die Armee leistet weiter Widerstand.

Putins Einfluss in der Welt schrumpft

Auch geopolitisch haben sich Putins Allmachtsfantasien nicht erfüllt. Verbündete Regime rund um den Globus sind gefallen oder stecken in argen Schwierigkeiten: in Syrien und Venezuela verloren langjährige Diktatoren und Putin-Freunde die Macht, der Iran sieht sich massivem amerikanischem Druck ausgesetzt. Helfen konnte und kann Russland nicht, weil all seine Ressourcen in der Ukraine gebunden sind.

Selbst die russische Hoffnung auf Trump hat sich nicht erfüllt. Der US-Präsident fällt zwar zuweilen mit prorussischer Schlagseite auf, er hat die Waffenlieferungen in die Ukraine eingestellt. Aber ganz liess Trump die Ukraine nicht fallen. So liefern die Amerikaner etwa immer noch Satellitendaten an die ukrainische Armee. Und Trump erliess schmerzhafte Sanktionen gegen die russische Ölindustrie.

Für den Kreml wird der Krieg langsam auch richtig teuer. Nach den horrenden Verlusten muss der Kreml kampfwilligen Freiwilligen immer mehr bezahlen. Das Staatsbudget rutscht ins Defizit, die russische Wirtschaft stagniert praktisch. Berichten zu Folge schliessen selbst im lebensfrohen Moskau inzwischen immer mehr Restaurants, weil den Leuten das Geld ausgeht.

Genug Rubel für den Krieg wird der Kreml noch eine Weile finden. Und natürlich hat auch die Ukraine massive Probleme, es ist ungewiss, wie lange sie sich noch so entschieden gegen die Angreifer wehren kann. Doch nach vier Jahren zeigt die Zwischenbilanz: Putin hat sich mit seinem Krieg verkalkuliert. Er ist ein schlechter Stratege – und ein miserabler Feldherr.

David Nauer

Ukraine- und Russland-Korrespondent

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David Nauer ist Ukraine- und Russland-Korrespondent bei SRF TV. Von 2016 bis 2021 war er als Radio-Korrespondent in Russland tätig. Zuvor war er Russland-Korrespondent des «Tages-Anzeigers». Nauer reist seit Beginn des russischen Angriffskriegs regelmässig in die Ukraine.

Hier finden Sie weitere Artikel von David Nauer und Informationen zu seiner Person.

Glückskette ruft zu Spenden für die Ukraine auf

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Angesichts der humanitären Krise in der Ukraine sammelt die Glückskette Spenden für die betroffene ukrainische Bevölkerung. Millionen Menschen – vor allem Kinder, Frauen und ältere Menschen – sind bereits geflohen und suchen Zuflucht in den Nachbarländern oder in Gebieten im Landesinnern, die von Kämpfen verschont geblieben sind. Die Glückskette unterstützt geflüchtete Menschen über ihre Partnerorganisationen innerhalb der Ukraine, den Nachbarländern Polen, Rumänien, Moldau und Ungarn sowie in der Schweiz.

Spenden können unter www.glueckskette.ch oder auf das Postkonto 10-15000-6, Vermerk «Krise in der Ukraine», getätigt werden.

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