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Ukrainischer Kriegsfotograf «Wir konnten uns gerade noch vor den Drohnen verstecken»

Seit vier Jahren berichtet der ukrainische Reporter und Fotograf Andriy Dubchak von der Front. Welche Bilder er nie vergessen wird und wie ihn seine Arbeit im Krieg verändert hat, erzählt er dem «Club».

Andriy Dubchak

Ukrainischer Reporter und Fotograf

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Im Mai 2021 gründete Andriy Dubchak die Online-Plattform «Frontliner Media». Das Ziel der Plattform ist es, über den militärischen Konflikt in der Donbass-Region in der Ostukraine zu informieren. Seit der russischen Invasion im Februar 2022 berichtet Dubchak aus dem Krieg. Insbesondere die Bilder auf Dubchaks Instagram-Kanal werden immer wieder von internationalen Medien aufgegriffen.

SRF News: Mit Ihren Fotos dokumentieren Sie den Krieg. Welche Bilder lassen Sie nicht mehr los?

Andriy Dubchak: Am schlimmsten sind für mich die Schmerzen von Kindern. Ich werde nie die Kinder vergessen, die in einem eiskalten Zug aus Charkiw ins Ungewisse flohen.

Kinder schauen durch ein Zugfenster.
Legende: ANDRIY DUBCHAK/FRONTLINER/ZVG

Auch nicht die Leiche eines zweieinhalbjährigen Kindes in der Region Kiew. Es trug einen blauen Anzug, als es von den Russen getötet wurde.

Leiche eines Kindes in der Region Kiew.
Legende: ANDRIY DUBCHAK/FRONTLINER/ZVG

Und schliesslich einen Angriff der Infanterie, bei dem 25 Mann vorrückten, um die russische Stellung anzugreifen. Darunter ein Junge namens Suhan, gerade einmal 22 Jahre alt. Er hatte mir noch aus dem gepanzerten Fahrzeug zugewunken. Er ist nicht vom Angriff zurückgekommen. Wahrscheinlich ist er gestorben. 

Soldaten in einem Militärfahrzeug bei Sonnenlicht.
Legende: ANDRIY DUBCHAK/FRONTLINER/ZVG

So viele Erinnerungen, so viel Schmerz.

Von wo haben Sie zuletzt berichtet? Was haben Sie dort erlebt? 

Vor einem Monat war ich in der Stadt Kramatorsk, wenige Kilometer von der Front im Donbass entfernt. Wir haben darüber berichtet, wie russische Drohnen Jagd auf Fahrzeuge aller Art machen, um die Versorgung der Region abzuschneiden.

Auto auf schneebedeckter Strasse bei Nacht, umgeben von Bäumen.
Legende: Zum Schutz gegen Drohnen spannt die ukrainische Regierung Netze über die Strassen. Diese beginnen etwa 50 Kilometer von der Front entfernt. ANDRIY DUBCHAK/FRONTLINER/ZVG

Auch in der Stadt ist die Situation mit den Drohnen sehr gefährlich. An einem Abend flog eine über unseren Köpfen. Wir konnten uns gerade noch verstecken, sie explodierte im nächsten Gebäude.  

Die Wahrheit ist auch eine Waffe und kann die Ukraine schützen.

An die eigentliche Frontlinie gelangen kaum mehr Fahrzeuge. Um zu ihren Positionen zu kommen, müssen Soldaten zu Fuss zehn, fünfzehn, manchmal zwanzig Kilometer unter russischen Drohnen zurücklegen. Wenn man in dieser Zone verwundet wird, muss man zu Fuss zurücklaufen oder jemand muss einen tragen. Oft ist das nicht möglich.

Was hören Sie von Soldaten an der Front? 

Man kann sich vorstellen, wie es ist, jahrelang ohne seine Familie zu sein, jahrelang im Schützengraben zu leben. Tote Freunde, ständig russische Angriffe. Aber gleichzeitig ist diesen Menschen klar, dass sie bleiben müssen, weil nur sie ihr Land und ihre Familien vor Russland schützen können. Denn wenn Russland die Ukraine besetzt, werden sie und ihre Familien zu Kanonenfutter für zukünftige russische Kriege. 

Sie berichten seit vier Jahren über diesen Krieg. Wie hat er Sie persönlich und als Journalist verändert? 

Persönlich habe ich erkannt, dass das Leben kurz ist und man es voll leben muss. Mein Sohn Ivan ist ein Jahr und zwei Monate alt. Ich bin sehr glücklich über die Momente, die ich mit ihm verbringen darf. Ich versuche, so viel Zeit wie möglich mit ihm zu verbringen, denn die Zukunft ist unvorhersehbar. Niemand weiss, was morgen, in einem Monat oder in einem Jahr sein wird. 

Beruflich ist mir bewusst, dass meine Arbeit extrem wichtig ist. Die Wahrheit ist auch eine Waffe und kann die Ukraine schützen. Es ist wichtig, dass wir diese Geschehnisse dokumentieren und an zukünftige Generationen weitergeben. Was hier geschieht, wird eines Tages Teil unserer Geschichte sein. 

Das Gespräch führte Barbara Lüthi.

Club, 17.02.2026, 22:25 Uhr ; 

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