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Warteschlagen vor dem Passamt in Caracas
Aus HeuteMorgen vom 03.09.2018.
abspielen. Laufzeit 02:28 Minuten.
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Krise in Venezuela Wer einen Pass will, muss tagelang Schlange stehen

Ein Pass – wie ihn verschiedene Länder für Flüchtlinge aus Venezuela verlangen – ist in Caracas fast nicht zu bekommen. Ausser man ist reich.

Passbüros gibt es in ganz Venezuela, aber nur das am Hauptsitz der Behörde in Caracas funktioniert. An die Reihe zu kommen, nimmt Tage des Schlangestehens in Anspruch – oder noch länger. Rosalia Guerrero will zu ihrem Mann, der in Chile untergekommen ist. Aber es geht nicht vorwärts.

Vor fast einem Jahr habe ich die Unterlagen beim Passamt deponiert, aber den Pass habe ich noch immer nicht.
Autor: Rosalia GuerreroVenezolanerin

«Vor fast einem Jahr habe ich die Unterlagen beim Passamt deponiert, aber den Pass habe ich noch immer nicht», sagt die 31-Jährige. Die Versorgung mit Pässen stockt. Offenbar bringt Venezuela die Devisen für den Import der Roh-Dokumente aus Deutschland nicht mehr auf. Neue Pässe werden derzeit nicht ausgestellt.

2,5 Millionen Menschen haben das Land verlassen

In die Warteschlangen reihen sich die Menschen ein, die einen abgelaufenen Pass haben und ihn für zwei Jahre verlängern wollen. Auch das sei ein Spiessrutenlauf, erklärt Alejandro Padilla aus dem Teilstaat Zuria: «Sie lassen hier nur etwa 400 Leute am Tag durch. Bislang habe ich es nicht geschafft, an die Reihe zu kommen. Geld für ein Hotel habe ich nicht. Also schlafe ich auf dem Platz gegenüber des Passamtes.»

Venezolaner stehen Schlange
Legende: Schlange stehen gehört zum venezolanischen Alltag – ob vor einem Bankomaten oder dem Passamt. Keystone

Laut den Vereinten Nationen haben bislang fast 2,5 Millionen Menschen Venezuela verlassen. Die Venezolaner packen die Koffer, weil sie zu Hause keine Perspektiven mehr für sich erkennen. Wilmary Raquel sagt: «Die 22 Dollar Mindestlohn pro Monat reichen nicht. Man kann in Venezuela leider nicht mehr leben.»

VIP-Pässe für über 2000 US-Dollar

Trotz des Mangels an Pässen ist es auch möglich, ein neues Dokument von einem Tag auf den andern zu ergattern. Dafür braucht es viel Geld – die korrupte Bürokratie nützt die Notlage aus. Es gibt Vermittler, die solche Geschäfte einfädeln.

Eine Venezolanerin wartet mit ihrem Pass in der Hand
Legende: Nur mit einem gültigen Pass ist Venezolanern eine Einreise nach Peru möglich. Keystone

Einer von ihnen gibt nur am Telefon Auskunft. Er will anonym bleiben. «Wir nennen sie VIP-Pässe. So einer kostet 2000 bis 2500 US-Dollar.» Die Auflage von Peru, nur noch mit einem gültigen Pass ausgestattete Venezolaner aufzunehmen, dürfte Schule machen in Südamerika. Eine Hürde, die für viele Ausreisewillige nicht zu nehmen ist.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    Ja da ist Einiges in Bewegung auf dem Globus. Schuld ist da auch die weltweite Sozialmedia. Dadurch wird den Menschen ihre aussichtslose Situation bewusst, und sie fliehen, anstatt um ein Verbesserung in ihrer Heimat zu kämpfen. Venezuela wäre eigentlich ein Land mit viel Potenzial und vor allem Bodenschätzen (vorwiegend Erdöl). Wegen den unfähigen Sozialisten verlassen die Fähigsten das Land, auch wenn sie über 2000 USD für einen Pass bezahlen müssen. Schlimm!
  • Kommentar von Hans Haller  (panasawan)
    Jetzt kriegen die nicht mal mehr das hin. Dabei wäre gerade Venezuela eigentlich eher ein an Oil reiches Land. Wer kassiert da eigentlich ? Das darf ja da nicht gefragt werden, sonst wird's peinlich.
  • Kommentar von Klaus Kreuter  (KallePalle)
    Typisch für sozialistische Länder. War in der ehem. DDR nicht anders, das Resultat wenn anstelle von Fachleuten unfähige Parteigänger das Sagen haben.
    1. Antwort von Hans Haller  (panasawan)
      Die "sozialistische Bruderhilfe" ist eben auch nicht mehr gratis. Das musste auch Kim-Jong-Un schonend beigebracht werden.