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Kritik an Karikatur «Charlie Hebdo»-Karikatur empört Erdogan

  • Die Türkei verurteilt eine Titelseite des französischen Satiremagazins «Charlie Hebdo» mit einer Karikatur des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan scharf.
  • Erdogans Kommunikationsdirektor Fahrettin Altun wirft dem Magazin «kulturellen Rassismus» vor.
  • Die «sogenannten Karikaturen» seien «abstossend» und «ohne menschliche Moral».
  • «Die antimuslimische Agenda des französischen Präsidenten Emmanuel Macron trägt Früchte», schreibt Altun.
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Aus dem Archiv: Was die Tat mit Frankreich macht
Aus Tagesschau vom 21.10.2020.
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Die Karikatur auf der Titelseite der Mittwochausgabe von «Charlie Hebdo», die am Dienstagabend schon online veröffentlicht wurde, zeigt Erdogan in weissem Oberteil und Unterhose auf einem Sessel sitzend. Er hält eine Dose in der Hand und hebt das Gewand einer verschleierten Frau hoch, um ihr nacktes Hinterteil zu enthüllen. «Ohh! Der Prophet!», heisst es dazu in einer Sprechblase. Die Seite ist betitelt mit den Worten: «Erdogan – privat ist er sehr lustig.»

Die Oberstaatsanwaltschaft in Ankara leitet nun Ermittlungen wegen Präsidentenbeleidigung gegen «Charlie Hebdo» ein, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtet.

«Die notwendigen gerichtlichen und diplomatischen Massnahmen werden gegen die besagte Karikatur ergriffen werden», sagt die Kommunikationsdirektion der türkischen Präsidentschaft in einer Erklärung, inmitten wachsender Spannungen zwischen Ankara und Paris.

Spannungen zwischen Türkei und Frankreich

Die Stimmung zwischen Frankreich und der Türkei ist seit Tagen aufgeheizt. Auslöser der Spannungen waren Äusserungen Macrons zu Meinungsfreiheit und zum Islam nach dem Tod des Lehrers Samuel Paty, der mutmasslich von einem Islamisten enthauptet wurde.

Der französische Staatschef hatte mehrfach die Meinungsfreiheit und das Veröffentlichen von Karikaturen verteidigt – zuletzt bei der Gedenkfeier für Paty. Der Lehrer hatte im Unterricht Mohammed-Karikaturen als Beispiel für Meinungsfreiheit gezeigt. Vor allem streng gläubige Muslime lehnen eine bildliche Darstellung des Propheten ab und empfinden sie als beleidigend, explizit verboten ist sie im Koran aber nicht.

Pakistan und mehrere arabische Regierungen kritisierten die Haltung Macrons. Erdogan hatte dazu aufgerufen, französische Waren zu boykottieren und griff Macron persönlich an. Er empfahl dem französischen Staatschef unter anderem, sich psychisch untersuchen zu lassen.

Erdogan äussert sich zu Mohammed-Karikaturen

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Im Streit mit Frankreich über Mohammed-Karikaturen und Meinungsfreiheit wirft Erdogan bestimmten Ländern eine «Neuauflage der Kreuzzüge» vor. Diese würden von westlichen Staaten geplant, die den Islam attackierten, meint Erdogan in einer Rede vor Abgeordneten seiner Partei AKP. Sich gegen Angriffe auf den Propheten Mohammed zu stemmen, sei «eine Frage der Ehre».

SRF 4 News, 28.10.2020, 10.30 Uhr;

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91 Kommentare

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  • Kommentar von Peter M Haller  (Peter M Haller)
    Asma Barlas, Professorin für Politik in den USA meint: «Beim Nachdrucken der Charlie Hebdo-Cartoons geht es nicht um Redefreiheit. Es geht darum, mittels Sprache die Vorherrschaft (des Christentums) zu bestätigen». In diesem Beitrag auf dem TVSender «aljazeera» geht Sie auf die historisch gewachsenen Differenzen zwischen den beiden Religionen ein, die den Islam zum Antichrist machten und zur heutigen Polarisierung führten. Der Beitrag kann im Web unter aljazeera.com in Englisch gelesen werden.
  • Kommentar von Milan Darem  (Mannausorient)
    Mit politischem missbrauch der Empfindlichkeit einer Gruppe kann man Erdogan kritisieren. Allerdings, Politik ist immer dieses Kalkül. Ich frage alle Erdogan Kritiker; tut Macron nicht dasselbe? Ich bin froh dass wir in der Schweiz einen anderen Weg gehen, und die Politik nicht mit der untersten Schublade treiben, was gerade F Politiker tun. Macron ist ein netter Provokateur, und spielt mit der Empfindlichkeit seiner Gesellschaft, missbraucht diese. Nicht mehr und weniger als Erdogan.
    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Nein Macron tut definitiv nicht dasselbe. Er hat keine Aussagen zum Geisteszustand von Erdogan gemacht. Er hat nur klargestellt, dass ein Angriff auf einen Lehrer, der einen Inhalt aus dem offiziellen, staatlich vorgegebenen Lehrplan abarbeitet, ein Angriff auf die Grundwerte der französischen Republik ist. Daran ist keine Provokation zu erkennen, nur die Tatsache, dass offensichtlich einige Leute, die in Frankreich leben un die von Frankreich leben, die Grundwerte dieses Landes nicht teilen!
  • Kommentar von Sancho Brochella  (warum?)
    Als Präsident müsste Erdogan über solchen Karikaturen stehen. Seine Empörung spräche auch nicht gerade von Grösse und Selbstbewusstsein. Den Konjunktiv "spräche" verwende ich absichtlich, weil: die Empörung ist wahrscheinlich gespielt und dient nur dem politischen Kalkül. Lasse immer ein kleines bis grösseres Feuerchen im Volk lodern, dann sind die Untertanen mit Löschen beschäftigt und hinterfragen nicht den Herrscher! Das ist wohl die Triebfeder hinter der türkisch-arabischen-Pseudo-Empörung.