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Kuba in der Krise Botschafterin Kubas in Bern: «Bereit, bis zum Letzten zu kämpfen»

Die USA üben hohen Druck auf Kuba aus, dazu kommt eine Energiekrise durch die Blockade von Erdöllieferungen. Die Botschafterin Kubas in der Schweiz, Laura Pujol Torres, macht sich Sorgen.

Laura Ivet Pujol Torres

Botschafterin von Kuba

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Laura Ivet Pujol Torres arbeitet seit Anfang 2025 als Botschafterin von Kuba in Bern. Zuvor war sie sechs Jahre lang stellvertretende Generaldirektorin im kubanischen Aussenministerium, zuständig für Konsulatsfragen sowie für im Ausland lebende Kubaner und Kubanerinnen.

SRF News: Wie kann Kuba den Kollaps vermeiden?

Laura Pujol Torres: Die Krise äussert sich in Form einer Energiekrise, ist aber eigentlich eine Wirtschaftskrise, die auf die Massnahmen und den maximalen Druck zurückzuführen ist, die die US-Regierung gegen Kuba verhängt hat – ihre Politik seit 67 Jahren. Jetzt ist das Ausmass besorgniserregend. Wir ahnten schon vor den US-Wahlen, dass man unser Land über die Energie erpressen kann. Darum begannen wir mit der Umstellung auf Solarenergie. Das braucht aber Jahre, Finanzmittel und Zugang zu Technologien, die für Kuba von der US-Regierung blockiert werden.

Sie setzen auf Solarpanels aus China, Russland lieferte Treibstoff. Das reicht aber nicht?

Nein, das reicht bei weitem nicht. Aber es halfen nicht nur China und Russland, sondern auch viele lateinamerikanische Länder, übrigens auch die Schweiz. Doch kein Land verdient es, auf Kosten anderer von Hilfen zu leben. Wir sollten das Recht haben, unseren eigenen Kraftstoff zu kaufen und unsere eigene Wirtschaft zu betreiben, was man uns aus reiner Willkür aber verweigert.

Frau sitzt in einem Wohnzimmer mit Dekorationen.
Legende: Die Botschafterin Kubas in der Schweiz, Laura Pujol Torres, macht sich wegen der jüngsten Entwicklungen Sorgen um ihr Land. SRF

Letzte Woche war CIA-Direktor John Ratcliffe zu Gesprächen in Havanna. Bis dahin undenkbar. Wie erklären Sie sich das?

In der Tat ist das ein überraschendes Bild, auch für uns. Wir nahmen es aber auch mit Freude auf, denn wir sehen es als ein kleines Zeichen der Ernsthaftigkeit in diesem Prozess des Dialogs, in dem Kuba immer volle Bereitschaft gezeigt hat – unter der einzigen Bedingung, dass unsere Souveränität respektiert wird.

Trotz des Dialogs: Wie hoch schätzen Sie die Gefahr einer militärischen Intervention der USA?

Nie sah ich mein Land einer grösseren Gefahr ausgesetzt, angegriffen zu werden, als jetzt. Es tut weh, zu beobachten, wie in der öffentlichen Meinung die Bedingungen dafür geschaffen werden, einen Angriff als etwas Akzeptables zu sehen.

Es ist auch schlicht lächerlich, zu behaupten, wir seien eine Gefahr für die Sicherheit der USA.

Es wird behauptet, Kuba unterhalte chinesische Militärbasen und der russische Geheimdienst sei hier. Es ist auch schlicht lächerlich, zu behaupten, wir seien eine Gefahr für die Sicherheit der USA. Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um einen Krieg zu verhindern. Wenn es aber dazu kommt, sind wir bereit, bis zum Letzten zu kämpfen, um unsere Unabhängigkeit und unsere Souveränität zu verteidigen.

Auswanderungs- und Protestwellen zeigen eine grosse Unzufriedenheit im Land. Warum nicht mehr Öffnung wagen, mehr Demokratie, mehr Marktwirtschaft?

Schauen Sie, diese Frage hat so viele Lücken, dass ich mich stundenlang mit Ihnen unterhalten müsste, um zu antworten. Zunächst: Kuba ist eine Demokratie. Wir nutzen nicht die demokratischen Systeme, die Sie nutzen, was ich respektiere.

Dieses Beispiel einer anderen Demokratie stört offenbar.

Wir lernen aus vielen Erfahrungen und von anderen Ländern. Wir haben eine Rechtsstaatlichkeit, in der unsere Institutionen repräsentiert sind und das Volk regiert. Dieses Beispiel einer anderen Demokratie stört offenbar. 2019 gaben wir uns eine neue Verfassung, über 80 Prozent stimmten dafür und haben das sozialistische System befürwortet. Wir führten Modernisierungen ein, inklusive Elemente der Marktwirtschaft.

Das Gespräch führte Karina Rierola.

10vor10, 21.5.2026, 21:50 Uhr ; 

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