Majestätisch und zugleich verspielt thront Chambord inmitten eines riesigen staatlichen Anwesens. Vor über 500 Jahren liess König François I. das Schloss errichten – als architektonisches Meisterwerk mit monumentalen Dimensionen und über 400 Zimmern. Kaiser, Könige und später auch Präsidenten nutzten Chambord als Jagdresidenz.
Für Pierre Dubreuil, Direktor des Schlosses, ist Chambord weit mehr als ein historisches Gebäude: «Es ist ein architektonisches und symbolisches Manifest von François I., der damit seine Macht darstellen wollte – auch wenn er letztlich nie zu einem imperialen Herrscher aufstieg.»
Doch hinter der prächtigen Fassade zeigt sich der Zahn der Zeit. Überschwemmungen haben das Fundament unterspült, Mauern haben sich verschoben. Ein ganzer Gebäudeflügel – jener von König François I. – musste wegen Einsturzgefahr für Besucher geschlossen werden. Im Innern sind die Schäden unübersehbar: abgestützte Fenster- und Türrahmen, Risse im Mauerwerk und im Boden.
Millionenprojekt mit Finanzierungslücken
Manon Hansemann, Direktorin für Gebäude und Garten, erklärt die Schwierigkeit der Arbeiten: «Es ist teuer und heikel, weil man so schonend wie möglich eingreifen muss. Das Ziel des Kulturerbes ist es, die ursprünglichen Materialien zu bewahren.»
37 Millionen Euro wären nötig, um das Schloss umfassend zu restaurieren. Ein Spendenaufruf brachte bislang 500’000 Euro ein und seit Januar greift eine neue Massnahme: Besucherinnen und Besucher ausserhalb des Europäischen Wirtschaftsraums, darunter auch aus der Schweiz, zahlen einen Zuschlag von zehn Euro auf den Eintrittspreis.
Das Geld werde gezielt für die Renovationsarbeiten zurückgelegt. «Wir sind auf alle möglichen Ressourcen angewiesen», sagt Pierre Dubreuil. Die differenzierten Eintrittspreise seien ein Vorschlag der Kulturministerin gewesen, den man übernommen habe.
Louvre vor Mammutsanierung
Auch in mehreren anderen französischen Kulturinstitutionen wurden die unterschiedlichen Preise nach Herkunft eingeführt – etwa im Louvre-Museum, das Mittel für eine anstehende Gesamtsanierung sammelt.
Denn der jahrhundertealte Gebäudekomplex ist in einem schlechten Zustand: Technische Installationen sind veraltet und Teile des Palastes leiden unter Wasserschäden, Temperaturschwankungen und schlechter Klimatisierung. Faktoren, die die Konservierung der Kunstwerke gefährden könnten.
Die geschätzten Gesamtkosten für die Modernisierung liegen bei 800 Millionen Euro; der Staat will aber nur eine symbolische Summe an die Renovation des Louvre bezahlen. Der Rest müsse durch die Eintrittsgelder oder private Mäzene finanziert werden.
Unser Erbe zu erhalten, ist eine gewaltige Aufgabe – doch wir haben keine Wahl.
Wie das Schloss Chambord und der Louvre-Palast sind um die 8000 weitere historische Monumente in Frankreich stark renovationsbedürftig. Für Direktor Dubreuil steht fest: «Unser Erbe zu erhalten, ist eine gewaltige Aufgabe – doch wir haben keine Wahl. Es ist Teil unserer Kultur und unserer Lebensweise, den wir nicht verfallen lassen dürfen.»
Frankreichs kulturelles Erbe bleibt damit ein zweischneidiges Gut: Es ist zugleich Identität und Stolz, aber auch eine massive finanzielle Belastung. Chambord steht stellvertretend für viele Monumente im Land – eindrucksvoll, historisch bedeutend und doch akut gefährdet.