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Legende: Audio Schikanen gegen die syrischen Flüchlinge im Libanon abspielen. Laufzeit 06:00 Minuten.
Aus SRF 4 News aktuell vom 20.08.2019.
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Libanon und Türkei Härtere Gangart gegen syrische Flüchtlinge

Libanon will die illegalen Syrer ausschaffen – zu gross die Angst, dass sie bleiben. Auch Istanbul ergreift Massnahmen.

Schätzungsweise 1.5 Millionen syrische Flüchtlinge leben im Moment im Libanon. Viele von ihnen sollen nun ausgeschafft werden. Und auch die mehreren Zehntausend Syrer, die in der türkischen Grossstadt Istanbul leben, sollen die Stadt verlassen. Die beiden Nachbarländer Syriens eint die wirtschaftlich desolate Lage.

Viele Libanesen denken, die Syrer nehmen ihnen die Jobs weg.
Autor: Meret MichelJournalistin

«Selbst wenn man im Libanon Arbeit hat, ist es schwierig, von dem Lohn zu überleben», schildert die Journalistin Meret Michel, die im Frühling nach einem einjährigen Aufenthalt im Libanon in die Schweiz zurückgekehrt ist. «Viele Libanesen denken, die Syrer nehmen ihnen die Jobs weg.» Eigentlich dürften die syrischen Geflüchteten nur auf dem Bau, in der Landwirtschaft oder als Putzhilfen tätig sein. Doch sie arbeiteten faktisch überall, da sie billige Arbeitskräfte sind.

Arbeiter zerstören eine Betonmauer
Legende: Die libanesischen Bauvorschriften erlauben es den Syrern nicht, richtige Häuser zu bauen. Einige haben das trotzdem gemacht, leben sie doch bereits seit Jahren im Libanon. Nun hat die Regierung durchgegriffen: Die Syrer müssen ihre Häuser wieder eigenhändig abreissen. Reuters

«Letztlich liegt es an den Arbeitgebern, das zu ändern», so Michel. Diesen drohen nun durch ein neues Gesetz aber auch hohe Geldstrafen, wenn sie Ausländer illegal beschäftigen. Viele Syrer sind deshalb entlassen, Geschäfte von Selbständigen geschlossen worden. «Das Ziel ist, den Syrern zu verunmöglichen, eine Lebensgrundlage im Libanon zu haben», so Michel. «Sie sollen damit letztlich dazu gebracht werden, freiwillig zurückzugehen.»

Das Ziel ist, den Syrern zu verunmöglichen, eine Lebensgrundlage im Libanon zu haben.
Autor: Meret MichelJournalistin

Ein weiterer Grund für die Abneigung gegenüber den Flüchtlingen sieht Michel in der Vergangenheit: Die syrische Armee war über 30 Jahre lang im Libanon stationiert. «Viele Libanesen erzählen noch heute Horrorgeschichten von Folterungen und Vergewaltigungen durch syrische Soldaten», so die Journalistin.

Mann vor einer Moschee
Legende: Auch religiöse Gründe führen zu einer Abneigung gegenüber der mehrheitlich muslimischen syrischen Flüchtlinge im Libanon. Getty Images

Aber auch die Angst der christlichen Gläubigen, ihre Machtposition zu verlieren, spiele mit. «Sie haben eine Urangst davor, dass die Muslime die Mehrheit werden könnten.» Umgekehrt würden viele Syrer kaum mehr das Haus verlassen aus Angst vor einer Ausschaffung, so Michel. «Manche hängen sich ein Kreuz um den Hals, um sich als Christen auszugeben.»

Türkische Deportationen nach Idlib

Auch in der Türkei will die Regierung ihre Bevölkerung besänftigen, die wegen der ökonomischen Krise zunehmend feindselig auf die Flüchtlinge reagiert. Laut einer Statistik von Anfang August wurden bereits 16'000 Menschen aus Istanbul ausgeschafft. 13'000 davon sind in andere türkische Städte zurückgebracht worden. Die restlichen 3000 Menschen hatten keinerlei Registrierung und wurden in Aufnahmelager gebracht.

«Eine freiwillige Rückkehr war das nicht: Sie sind in einen Bus gesetzt und dorthin gebracht worden», schildert der freie Journalist Thomas Seibert, der in Istanbul lebt. Die Berichte häufen sich, wonach Flüchtlinge nach Syrien deportiert werden – auch in die noch immer umkämpfte nordsyrische Stadt Idlib. Mehrere Hundert Menschen sollen betroffen sein. Dass solche Rückschaffungen stattgefunden haben, sei «einigermassen verlässlich», so Seibert. Er hatte Kontakt mit syrischen Aktivisten und direkt Betroffenen.

Rückführungen hätten ohne das Wissen der Behörden nicht stattfinden können.
Autor: Thomas SeibertJournalist

Von Ankara kommt hingegen ein Dementi. «Möglicherweise handelt es sich um Einzelaktionen von Behördenvertretern, die möglichst viele Rückschaffungen aus Istanbul melden wollen», so Seibert. Es seien Zweifel angebracht, dass diese Ausschaffungen nach Syrien eine offizielle Strategie der türkischen Regierung seien. Doch er ist sich sicher: «Rückführungen hätten ohne das Wissen der Behörden in Istanbul oder Ankara nicht stattfinden können.»

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14 Kommentare

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  • Kommentar von wolf gir  (lefti)
    Das Problem besteht ha fast nicht mehr, da der grösste Teil von Syrien wieder von den Terroristen befreit ist
    Jetzt alle zurückschicken zum Wiederaufbau
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    1. Antwort von Hanspeter Flueckiger  (Hpf)
      Wenn es im Ausland unangenehm wird, steigt die Motivation, heimzukehren.
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  • Kommentar von Ursula Keller  (Note)
    Hier nur etwas Statistik für die Grössenordnungen:
    - Libanon - 6 Mio Einw. - ca. 1.500.000 syrische Flüchtlinge
    - Schweiz - 8 Mio Einw. - ca. 15.000 syrische Flüchtlinge
    - EU - 550 Mio Einw. - ca. 1.000.000 syrische Flüchtlinge °
    - USA - 350 Mio Einw. - ca. 20.000 syrische Flüchtlinge (2017: 11 Annahmen)
    ° Schätzung da nur Anträge als Statsitik veröffentlicht werden
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    1. Antwort von Cyrill Pürro  (Cyrill.P.Kerry)
      Eine sehr interessante Statistik. Sie zeigt, dass Nachbarstaaten Syriens einfach überfordert sind und andere Staaten, wie die Schweiz oder andere europäische Länder, nicht wissen, wie sie ihnen entgegenkommen sollen. Ein erster Schritt wäre bestimmt, die eigene Ignoranz auszuschalten und die Grenzen mehr zu öffnen. Aber die Urangst von "Eindringlingen" ist scheinbar einfach zu gross.
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    2. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Was nützt denn diese Statistik. Was hier geschieht ist einfach entsetzlich.
      Wo sollen so schnell all diese Menschen leben.?
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    3. Antwort von Paula Studer  (Paula Studer)
      @Pürro Diese Statistik zeigt nur, wieviele syrische Flüchtlinge aufgenommen wurden in den einzelnen Ländern, aber dass z.B. in der Schweiz viel mehr Flüchtlinge auch Migranten die als Flüchtlinge bezeichnet werden leben, das zeigt die Statistik nicht. Sie würde ansonsten evtl. ganz anders aussehen und daher ist es nicht eine Urangst von uns, sondern einfach, weil es langsam zu viele sind, was hier eben zwar nicht falsch, aber ein wenig verfälscht dargestellt wird was die gesamt Anzahl betrifft.
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    4. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Hier müsste die UNO sofort eingreifen und die Flüchtlinge in sichere
      Gebiete bringen. Unvorstellbar sie in die Kriegsgebiete Richtung Idlib
      abzuschieben. Es sind wirklich vom Krieg gezeichnete Menschen. Erst retten sie ihr Leben und jetzt ? Mir tun diese Flüchtlinge entsetzlich leid. Und der gute Assad, hätte jetzt die Aufgabe , sich um seine Landsleute zu kümmern.Grosse Teile seines Landes können wieder angesiedelt werden.
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    5. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      Der Libanon ist der Nachbarstaat von Syrien, völlig normal das die Menschen in das nächst sichere Land fliehen. Aber der Vergleich zu anderen Ländern hinkt in jeder Beziehung. Dort leben die Menschen grösstenteils in Zelten und das wird z.T finanziert von der UNHCR. Wie werden die Syrer inder Schweiz versorgt?
      Ich kenne einen Türken der aus der Grenzregion stammt, er erzählte von Problemen der Türken mit den Syrern. Ausserdem sagte er, dass die Syrer regelmässig Ferien in Syrien machen.
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    6. Antwort von Hanspeter Flueckiger  (Hpf)
      Auch wenn diese Leute guten Grund zur Flucht hatten sind diese Zahlen naheliegend - wer kann sich schon eine Reise in die CH, EU oder USA leisten.
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  • Kommentar von Mohammed Mueller  (mohmueller)
    Syrer können nach Saudi Arabien gehen. Die haben über 500,000 syrische Flüchtlinge aufgenommen und die sehen die Syrer nicht als Flüchtlinge sondern als arabische Brüder und Schwester und dürfen daher auch eine Arbeit aufnehmen, Gesundheitssystem nutzen usw. Sind meist die christlichen Staaten die Probleme machen wie LIbanon bei denen über 45% Christen sind. Die haben Angst. Da sieht man nichts von christlichen Nächstenliebe.
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    1. Antwort von Maria Meier  (MMeier)
      1) Saudi-Arabien hat die UNO-Flüchtlingskonvention nicht unterschrieben. Flüchtlinge haben darum keinerlei Schutz. Wer keinen Job hat ist auf sich alleine gestellt. Wer einen Job hat arbeitet meist zu Dumpinglöhnen, weil ohne Job die Ausweisung droht. SA hat bisher auch keinen einzigen Kontingentsflüchtling aufgenommen. SA finanziert zwar Schulen etc in Flüchtlingslagern, die aber dann auch den fundamentalistischen Wahhabismus verbreiten unter den traditionell eher liberalen Syrern.
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    2. Antwort von Maria Meier  (MMeier)
      Insgesamt gibt es nur rund 500'000 Flüchtlinge unter den 34 Mio Einwohnern im reichen SA, während im Libanon, das selber noch Bürgerkriegsfolgen beklagt jeder 4. Mensch ein Flüchtling ist. Die Flüchtlinge wurden grösstenteils klaglos aufgenommen. Dass das aber irgendwann zu viel wird ist verständlich und ist nicht nur für die 39% Christen so. Und welcher andere "christliche Staat" noch "Probleme macht" ist mir nicht klar, zumal es keinen gibt in der Region.
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    3. Antwort von Mohammed Mueller  (mohmueller)
      Ja weil man der UNO nicht trauen kann. Die haben ja auch behauptet saudi arabien haben keine Flüchtlinge aufgenommen und dann gab es Kritik von den Medien selber da dies nicht stimmte. Alleine 500,000 aus Syrien. Die wurden aber als immigranten aufgenommen da für die saudis die als brüder und schwester gelten.
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    4. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Brüder und Schwestern. Eine merkwürdige Ausdrucksweise. Und wenn diese Brüder und Schwestern keinen Job mehr haben, bekommen sie keinerlei Sozialhilfe von dem reichen Staat.Eure Bezeichnung solltet Ihr mal grundsätzlich revidieren oder zumindest bei uns nicht noch punkten wollen damit.
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