- Der gewaltsame Tod eines jungen rechten Aktivisten am Rande einer politischen Veranstaltung in Lyon heizt die politischen Spannungen in Frankreich vier Wochen vor den Kommunalwahlen weiter an.
- Insgesamt wurden elf Personen festgenommen, wie die Staatsanwaltschaft Lyon mitteilte. Der Polizeigewahrsam von neun Personen wurde am Mittwoch um 24 Stunden verlängert.
- Unter den Festgenommenen sollen drei Personen mit Raphaël Arnault, Abgeordneter der linken Partei La France Insoumise, zusammengearbeitet haben.
- Die Linksaussen-Partei La France Insoumise (LFI) von Jean-Luc Mélenchon wird von konservativen und rechten Politikern für den Tod des jungen Mannes mitverantwortlich gemacht.
Einer der Festgenommenen ist parlamentarischer Assistent von Raphaël Arnault, Abgeordneter der linken Partei La France Insoumise (LFKI). Der Arbeitsvertrag werde nun beendet. Laut dessen Anwalt gibt er «die Gewalttaten und seine Anwesenheit am Tatort» zu, meldet Radio France.
Französische Medien berichten zudem von einem zweiten parlamentarischen Assistenten Arnaults, der ebenfalls in der Sache festgenommen worden ist und unter falschem Namen im Parlament beschäftigt war. Eine dritte Person sei ein ehemaliger Praktikant des LFI-Abgeordneten, wie Quellen aus dem Umfeld der Ermittlungen berichten.
Linkspartei verstärkt unter Druck
Die Linkspartei La France Insoumise (LFI) von Jean-Luc Mélenchon gerät durch die Entwicklung immer mehr unter Druck. Konservative und rechte Politiker mutmassen, dass ein linksradikaler Schlägertrupp mit Verbindungen zur LFI den jungen Aktivisten am Rande einer Kundgebung geschlagen und schwer verletzt hat. Die Demonstration galt dem Auftritt der LFI-Abgeordneten im EU-Parlament, Rima Hassan.
Nach Medienberichten werden mehrere der nun elf Festgenommenen der antifaschistischen Organisation «Jeune Garde» (Junge Garde) zugerechnet. Sie war im Sommer verboten worden. Der linke LFI-Abgeordnete Raphaël Arnault soll ein Gründungsmitglied gewesen sein.
Parteien fordern Konsequenzen
Andere Parteien sehen La France Insoumise (LFI) in der Mitschuld und verlangen Konsequenzen. Die Regierungssprecherin verlangte einen vorübergehenden Rückzug des Abgeordneten Arnault. Das rechte Rassemblement National forderte seinen Rücktritt.
Premierminister Sébastien Lecornu äusserte sich auf der Plattform X, La France Insoumise sei nun in der Pflicht: «In ihren Reihen muss aufgeräumt werden. Und zwar schnell.» LFI-Anführer Jean-Luc Mélenchon antwortete auf X, seine Partei akzeptiere keine Belehrungen von Lecornu.
Bombenalarm am LFI-Sitz in Paris
Am Mittwochnachmittag meldet die LFI eine Bombendrohung gegen ihre Parteizentrale in Paris. «Der nationale Sitz der Partei wurde aufgrund einer Bombendrohung evakuiert», teilte der Parteikoordinator Manuel Bompard mit. Die Polizei sei vor Ort und alle Mitarbeiter und Aktivisten seien in Sicherheit. Nach einer Überprüfung durch die Polizei folgt dann aber die Entwarnung.