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Die zwei Welten der Malediven
Aus Rendez-vous vom 13.03.2019.
abspielen. Laufzeit 05:47 Minuten.
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Malediven in der Kritik Schuften für die Feriengäste im Inselparadies

30'000 Touristen aus der Schweiz besuchen jedes Jahr die Malediven. Dort arbeiten die Angestellten der Resorts unter schlechten Bedingungen.

Abends um sieben im Hafen von Malé, der Hauptstadt der Malediven. Angetaute Boote tanzen auf den Wellen. Der Hotelangestellte Abdul muss über sie klettern, denn das Transportschiff seines Hotels hat keinen Anlegeplatz gefunden. Es machte an einem bereits angelegten Schiff fest.

Abdul ist froh, nach etwa einer Stunde Fahrt wieder festen Boden unter den Füssen zu haben. Viel Zeit hat der 40-Jährige nicht, in drei Stunden startet seine Fähre wieder zurück zum Ferienresort.

Alkohol nur für Touristen

«Lass uns einen Kaffee trinken gehen», schlägt Abdul vor. Kaffee ist das Modegetränk der Malediver, denn Alkohol ist im streng muslimischen Land verboten. Andere Gesetze gelten auf den Ferieninseln. Dort gibt es für die Touristen punkto Alkohol keine Restriktionen. Dennoch stört sich der Hotelangestellte nicht daran, wenn Touristen im Land Wein oder Bier trinken.

«Wir sind glücklich, wenn die Touristen glücklich sind», sagt Abdul mit einem riesigen Lächeln. In der Tat ist der Tourismussektor der grösste Arbeitgeber auf den Malediven. 30 Prozent der Wirtschaftsleistung erarbeitet das Inselparadies mit den Feriengästen.

Junge Frau serviert Drinks auf einem Hozsteg über dem Meer, im Hintergrund eine Palmeninsel.
Legende: Viele Malediver arbeiten im Tourismus. Doch Rechte haben sie weniger als die Touristen. Imago

Beim Kaffee sagt Abdul dann doch, was ihn stört. Es seien weniger der Alkohol oder die Bikinis als vielmehr der Zugang zu den schönsten Orten auf den Malediven. Die Malediven seien ein Unterwasserparadies. «Doch viele der schönsten Riffe sind nur den Touristen zugänglich.»

Die Angestellten dürften dort nicht hin, sagt er. Diese Aussage könnte Abdul den Job kosten. Deshalb wurde sein Name hier geändert.

Strikte Regeln für Angestellte

Die Hotelarbeiter dürften generell nicht mit den Medien sprechen, weiss Maarouf Zakir, Generalsekretär der Hotelarbeitergewerkschaft der Malediven. Auch das Hotel, in dem Abdul arbeitet, hat ihm ein Interview untersagt. Er kam dennoch nach Malé – in seiner Freizeit. Doch die ist begrenzt.

Er habe nur einen Tag frei in der Woche. Das reiche nicht, um nach Hause zu fahren, denn seine Familie lebt im Süden des Inselarchipels. Da brauche er allein einen Tag für die Reise – und die sei teuer. Also bleibe er auch an seinem Freitag lieber auf dem Resort und akkumuliere seine freien Tage.

So sieht Abdul seine Familie im besten Fall zweimal pro Jahr. Das bedauere er, doch könne er nichts dagegen machen. Der Arbeitsvertrag mit seinem Resort schreibe seine Freitage so vor.

Karte.
Legende: Inselparadies im indischen Ozean: Die Malediven SRF

Auch die Gewerkschaft der Hotelarbeiter ist beinahe machtlos gegen diese Arbeitsbestimmungen. «In keinem der Hotelresorts ist es erlaubt zu demonstrieren», sagt Gewerkschafter Zakir. Zuwiderhandlungen würden mit der Kündigung bestraft. Grundrechte wie die Meinungs- und Versammlungsfreiheit gälten nicht auf den Ferieninseln.

Nur wenige Malediver-Resorts

Erst seit 2010 ist es Maledivern selber erlaubt, unabhängige Guest Houses zu führen. Das sind oft kleine Familienbetriebe auf Inseln. Die Löhne dort seien zwar niedriger als in den Resorts, doch für Hotelarbeiter Abdul wäre ein Guest House auf seinem Atoll ganz im Süden des Landes eine gute Alternative. So könnte er näher bei seiner Familie arbeiten.

Trotz der Widrigkeiten: Abdul will sich nicht beklagen. Ihm gefalle sein Job, sagt er immer wieder – wissend, dass er ihn womöglich verlieren könnte, wenn er sich zu kritisch äussert. Mittlerweile steht er wieder am Hafen von Malé, bereit für die Rückreise zum Resort. Seine vier Stunden Freizeit sind vorbei.

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Udo Gerschler  (UG)
    Liebe Schweizer macht weiter Urlaub wo es schön ist geht tauchen und genießt.Die Chinesen schütten gerade dort jede Menge Inseln auf wo niemand weis wie sich das auf die Umwelt auswirkt.Ob im Oman,Malediven,Dubai oder anderswo sind die Gastarbeiter froh Eine Verdienstmöglichkeit zu haben.Das Umweltbewusstsein gewinnt aber auch dort an Bedeutung.und die Arbeitsbedingungen auch.Es wäre natürlich schön wenn sich einige Touristen nicht wie Besatzer benehmen würden.
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  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    30'000 CHer fliegen auf die Malediven/Jahr. SRF 9.2018 zu diesem Thema: "Flugreisen schaden dem Klima enorm. Und dennoch wird heute so viel geflogen wie noch nie. Allein in den letzten 20J haben sich die Passagierzahlen weltweit verdoppelt. Die CHer Flughäfen zählten letztes Jahr 54,9Mio Passagiere, was im Vergleich zu 2005 einer Zunahme von 73% entspricht."Zudem: rund 150'000 CHer verbringen ihre Ferien auf stinkenden Kreuzfahrtschiffen uvam! So viel zu den Lippenbekenntnissen der Klimawandler.
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  • Kommentar von Haller Hans  (H.Haller)
    Nicht nur die Malediven, das könnte man auf alle Destinationen ungefähr im gleichem Umfange anwenden. Selbst hier in Thailand verdienen die Bediensteten nicht genügend um davon wirklich einigermassen gut leben zu können. - Die Ferien, sind zu billig, der Flug ist zu billig und immer öfters auch benehmen sich diese "Gäste" auch sehr billig sowie schon sehr peinlich anmutend. - Einfach daran denken, Europa findet in Europa statt und das dürfte eigentlich reichen, hier braucht man es nicht.
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    1. Antwort von Kurt Meier  (Kurt3)
      Herr Haller , ich bewundere Ihre konsequente Haltung .
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