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Ex-Präsident Vicente Fox ist für Marihuana-Legalisierung in Mexiko
Aus Echo der Zeit vom 20.11.2019.
abspielen. Laufzeit 07:16 Minuten.
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Marihuana-Diskussion in Mexiko «Die Cannabis-Industrie muss aufblühen können»

Die mexikanische Regierung erhält in der Diskussion um eine Legalisierung von Marihuana Unterstützung von unerwarteter Seite: Der konservative Ex-Präsident Vicente Fox, sonst ein lautstarker Kritiker des amtierenden Präsidenten Andres Manuel Lopez Obrador, ist der wohl bekannteste Vorkämpfer der Marihuana-Legalisierung. Früher hatte er andere Ansichten.

Vicente Fox

Vicente Fox

Ex-Präsident Mexikos

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Der konservativ-bürgerliche Politiker Vicente Fox, Link öffnet in einem neuen Fenster war von 2000 bis 2006 Mexikos Staatspräsident. Er war der erste Amtsinhaber seit über 70 Jahren, der nicht Mitglied der bis ins Jahr 2000 regierenden PRI war. Seit 2015 sorgt er auch mit bissig-kritischen Tweets und Youtube-Videos über Donald Trumps Politik für Aufsehen.

SRF News: Während ihrer Amtszeit von 2000 bis 2006 waren Sie ein strikter Gegner der Drogenlegalisierung. Was hat bei Ihnen zum Umdenken geführt?

Vicente Fox: Die Zeiten und die Umstände haben sich geändert – deshalb habe ich meine Haltung geändert. Als ich vor 20 Jahren Präsident war, war Marihuana in ganz Nordamerika noch strikte verboten, das ist heute anders. Mich hat vor allem die Gewalt der Drogenkartelle dazu gebracht, mich mit dem Thema zu beschäftigen.

Ich bin zum überzeugten Aktivisten für die Legalisierung geworden.

Mit der Legalisierung von Marihuana sollten wir einen ersten Schritt tun, um den Drogenkartellen einen wichtigen Teil ihrer Einnahmen wegzunehmen und sie zu schwächen. So wird aus dem Marihuana-Geschäft eine legale Industrie, die Steuern bezahlt. Deshalb bin ich zum überzeugten Aktivisten für die Legalisierung geworden.

Weniger Gewalt dank Legalisierung?

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Weniger Gewalt dank Legalisierung?

Mexiko erlebt derzeit eine Welle der Gewalt - die Tötung von neun aus den USA stammenden Mormonen ist nur das jüngste Beispiel. Dabei wirkt der mexikanische Staat machtlos gegenüber den hochgerüsteten Drogenkartellen, die für einen grossen Teil der Gewalt verantwortlich sind.

Anders als seine Vorgänger will Präsident Andres Manuel Lopez Obrador (Bild) die Macht der Kartelle nicht nur mit militärischen Mitteln brechen, sondern auch mit neuen, unkonventionellen Massnahmen. Demnächst soll zum Beispiel Marihuana legalisiert werden, um den Kartellen einen Teil des Geschäfts zu entziehen. Derzeit debattiert der mexikanische Senat über eine entsprechende Vorlage.

Fachleute bezweifeln, dass sich mit der Legalisierung von Marihuana der Einfluss der Kartelle zurückdrängen lässt. Sie weisen darauf hin, dass die Kartelle beim legalen Alkohol 40 Prozent des Marktes kontrollieren.

Die Kriminalität ist ein komplexes Thema. Ich glaube aber, dass wir bei der Legalisierung sämtlicher Drogen vorwärtsmachen müssen. Die Menschen müssen selber entscheiden können, was sie ihrem Körper zumuten. Natürlich ist die Legalisierung kein Allheilmittel gegen die Drogenkartelle, aber irgendwo müssen wir beginnen. Derzeit machen die Kartelle 40 Prozent ihrer Einnahmen mit Marihuana.

Frühere Kriminelle kümmern sich heute um Investitionen und Geschäftsführung.

Die Legalisierung ist also ein erster Schritt hin zu einem Paradigmenwechsel, wie er in Kanada und einigen US-Bundesstaaten erfolgt ist. Dort sind Menschen, die früher illegal mit Marihuana gehandelt haben, heute Geschäftsleute mit Anzug und Krawatte. Ich treffe sie häufig auf Konferenzen. Diese früheren Kriminellen kümmern sich nun um Investitionen und Geschäftsführung. Und sie verdienen heute ihr Geld lieber mit legalen Geschäften, als ständig um ihr Leben fürchten zu müssen.

Vicente Fox, er lacht.
Legende: Ex-Präsident Vicente Fox glaubt, eine Legalisierung von Cannabis schwäche die Drogenkartelle. Reuters

Laut Umfragen ist die ländliche Bevölkerung in Mexiko gegen eine vollständige Legalisierung.

Diese Umfragen zeigen aber auch, dass national gesehen 60 Prozent für die Legalisierung von Marihuana sind. Zudem muss dieser Schritt nun gemacht werden, weil das oberste Gericht vor einem Jahr in einem Urteil festgestellt hat, dass jeder und jede in Mexiko das Recht hat, Marihuana zu konsumieren. Demnach verstösst das Cannabisverbot gegen die Verfassung beziehungsweise auf das Recht auf freie Entfaltung.

Ein junger Mexikaner raucht und gestikuliert.
Legende: Landesweit ist eine Mehrheit der Mexikanerinnen und Mexikaner für eine Legalisierung von Marihuana. Reuters

Der Senat debattiert seit einem Monat über eine Legalisierungsvorlage. Braucht es künftig ein staatliches Monopol beim Marihuana-Handel?

Das wäre ein grosser Fehler. Der Staat sollte lediglich regulieren, Produktion und Handel aber der Privatwirtschaft überlassen. Der Staat soll mit klaren Regeln und guten Rahmenbedingungen dafür sorgen, dass die Cannabis-Industrie aufblühen kann und nicht in die Hände der Kriminellen zurückfällt.

Das Gespräch führte Matthias Kündig.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
    Na er blueht jetzt.. der/das Cannabis... bei mir im Gewuerzbett... wo ich den Rosmarin, Origano, Mayoran und Thymian habe, naechst zu meiner Kueche. Wird nicht geraucht.. aber space-Cake und Salbe gegen Schmerzen zB.. werden hergestellt... ganz legal...
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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Ginge es um Menschenleben und nicht ums Geld dann wären Cannabis längstens legal anbaubar. Jetzt wo man es im Ausland günstig bekommt macht für einen Politiker legalisieren Sinn, es geht um verlorene Einnamen. Fazit Einnahmen sind immer vor Menschenleben. Da sind wir wieder bei der Ethik. Als der jetzige Präsident von Mexiko, ein linker Politiker, kurz vor der Machübernahme war bekam er Besuch vom Chef von Black Rock. Wer macht eigentlich die Politik?
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  • Kommentar von Peter Rüegg  (Freie Meinung)
    Auch in Thailand redet die Regierung davon, dass man selber Cannabis anpflanzen darf. Ein hoher Offizier der Regierung ist überzeugt, dass er unter anderem durch Cannabisöl von seinem Krebsleiden geheilt worden ist und er sich daher sehr für die Legalisierung einsetzt. Ich freue mich auf den Tag. Nicht wegen dem Rauchen, sondern ich habe gelesen, dass Mücken den Geschmack der Pflanze nicht mögen und somit weg bleiben. Es hat also verschiedene gute Gründe. Sonnige Grüsse aus Thailand, Peter.
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    1. Antwort von Mark Stalden  (Mark)
      Herr Rüegg. Das stimmt schon aber da wäre ich Vorsichtig mit denn Erwartungen. Vieles wird vorgeschlagen in Thailand und nie Umgesetzt. Der Medizinische Hanf Ja der wird erlaubt unter Auflagen. Die Idee dass jeder Zuhause sein 6 Pflanzen haben darf halte ich für ne Unumsetzbare Sache. Dazu wurde berichtet es würden für die Ernte dieser 6 Pflanzen 2250$ Bezahlt, was fern der Realität ist. Die Probleme hier sind Jaba und Ice die zu Spotpreisen verkauft werden.
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