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International Mazedonien: Wer steckt hinter den tödlichen Unruhen?

Nach den tödlichen Feuergefechten im Norden Mazedoniens spricht die Regierung von «Terroristen», welche die Region destabilisieren wollten. Die Opposition aber beschuldigt die Regierung, selber hinter den Angriffen zu stehen. Einschätzungen von Südosteuropa-Korrespondent Walter Müller.

Bild einer Karte von Albanien und Mazedonien.
Legende: Bei dem zweitägigen Einsatz der Sicherheitskräfte in Kumanovo kamen 22 Menschen ums Leben. SRF

SRF News: Was weiss man über die Angreifer?

Walter Müller: In erster Linie werden Albaner aus dem Kosovo verdächtigt. Die 40-köpfige Gruppe bestehe aus gut trainierten Kämpfern, sagte Mazedoniens Ministerpräsident Nikola Gruevski. Sie hätten teils als Söldner an Kämpfen im Mittleren Osten teilgenommen. Gruevski spricht von Terroristen und geht davon aus, dass sie Mazedonien destabilisieren wollen.

Ein Regierungssprecher führte aus, die Gruppe sei von Kommandanten der ehemaligen Rebellen-Armee UCK im Kosovo geführt worden. Über den eigentlichen Tathergang erfährt man von offizieller Seite allerdings wenig.

Die Opposition beschuldigt das autoritäre Regime, selber hinter den Unruhen zu stehen.

Wie reagiert die mazedonische Politik auf die Vorfälle?

Die Regierung verhängte eine zweitägige Staatstrauer und lobte die acht toten Polizisten als Helden. Sehr kritisch reagierte die mazedonische Opposition. Sie vermutet, dass das autoritäre Regime selber hinter der Aktion stehe, um von der schweren, seit Monaten andauernden politischen Krise in Mazedonien abzulenken. Die Sozialdemokraten veröffentlichen seit Monaten unzählige Mitschnitte und Protokolle von abgehörten Telefongesprächen. Die Opposition beschuldigt das Regime, das Volk abzuhören.

Deswegen demonstrieren in der Hauptstadt Skopje seit Tagen Tausende gegen die Regierung. Sie verlangen deren Rücktritt und Neuwahlen.

Welche Folgen haben diese Ereignisse für die politisch nicht sehr stabile Region?

Serbische Medien malen den Teufel an die Wand.

Gerade Serbien reagiert äusserst nervös und befürchtet eine Destabilisierung der ganzen Region. Serbiens Regierung schickte umgehend zusätzliche Spezialpolizisten an die Grenze zu Mazedonien. Serbische Medien malen wieder den Teufel an die Wand: Sie reden von Krieg und beschreiben den Angriff als weiteren Versuch der Albaner, ein Grossalbanien zu errichten.

Kosovos Ministerpräsident Isa Mustafa hat den Angriff verurteilt. Er sagte, Gewalt sei nicht im Interesse Mazedoniens und des Kosovos.

Das Gespräch führte Daniel Eisner.

Walter Müller

Walter Müller

Walter Müller war von 1995 bis 2001 Produzent beim «Echo der Zeit». Danach bis zu seiner Pensionierung 2015 Südosteuropa-Korrespondent auf dem Balkan. Seither berichtet Müller für Radio SRF als freier Mitarbeiter aus der serbischen Hauptstadt Belgrad.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Ognjenovic Alexander, Zürich
    Dieser Rechtsextremismus der Albaner ist sehr beängstigend.... und es kommt noch schlimmer, hier in der Schweiz sind es vor allem linksorientierte Schweizer, die aus irgendeinem Grund immer die albanische Seite in Schutz nimmt, egal was passiert!
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    1. Antwort von Petar Milanovic, Zürich
      Ganz einfache Lösung: Schweizer mit serb. Migrationshintergrund wählt SVP! Die einzige Partei, die das Kind beim Namen nennt und wirklich liberal ist. Die anderen Parteien sind rechts, denn diese werden einen Extremismus bei allen Bevölkerungsgruppen durch ihre (absichtliche oder ungewollte?) Blindheit heraufbeschwören.
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  • Kommentar von C. Szabo, Thal
    Man müsste die grossen Geschäftszweige kennen, die über den Balkan laufen. Als Drogentransitland ist die Gegend wichtig. Menschen- und Organhandel ist auch relevant. Da mischen ganz grosse internationale Spieler mit. In gewissen Ländern des Balkan investiert China sehr gross in Infrastrukturprojekte, was gewissen Leuten im Westen sauer aufstösst. Ethnische Differenzen lassen sich da gut missbrauchen.
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    1. Antwort von c.jaschko, Bern
      Durch den IMF wurde Jugoslawien zerstört und seitdem ist es ein Kinderspiel geworden für die Eroberer :-) Atom Mühl aus den USA wurde in Bosnien, vermutlich auch in dem Kosovo gelagert :-) Divide and Concer
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  • Kommentar von Bruno Vogt, Zürich
    Ich bin eigentlich kein Freund von Verschwörungstheorien aber man sollte die Lage auf dem Balkan sehr aufmerksam beobachten. Griechenland steht kurz davor den Euro zu verlassen und nähert sich wirtschaftlich Russland an mit einer möglichen Gaspipline und jetzt gibt es plötzlich wieder Schiessereien nördlich der Grenze? Wem könnte es gelegen sein das der Balkan wieder instabiler wird? Ein paar Schiessereien anzuzetteln sind ein leichtes und dann kriegt die Sache schnell eine Eigendynamik...
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    1. Antwort von Marko Stevic, Zürich
      Vollkommen richtig, dem stimme ich, bin aber dennoch der Meinung, dass Griechenland aus der EU austreten sollte. Ich glaube sogar, dass das Volk das gerne hätte und es der Wirtschaft guttun würde. Da gibt es in Deutschland diesen einen Wirtschaftsexperten (der Name ist mir entfallen), der das ganze sehr plausibel erklärt hat. Ich denke Griechenland wird gezwungen, in der EU zu bleiben, aber besser wäre ein Austritt - SELBSTVERSTÄNDLICH mit Wiedereintrittsoption bei wirtschaftlicher Verbesserung.
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