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So entwickelt sich ich die Lage auf dem afrikanischen Kontinent
Aus SRF 4 News aktuell vom 16.03.2020.
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Mehr Tests, mehr Fälle «Das Coronavirus wird Afrika wohl mit ziemlicher Wucht treffen»

Weltweit steigt die Zahl der Infizierten. Mehr als 120 Länder haben Fälle gemeldet. In den letzten Tagen standen vor allem europäische Länder im Fokus. Doch nun breitet sich das Virus auch auf dem afrikanischen Kontinent aus. In 26 Ländern gibt es Infizierte, die Zahlen steigen. Samuel Burri, SRF-Afrika-Korrespondent in Nairobi, befürchtet, dass die sowieso schon schwachen Gesundheitssysteme an ihre Grenzen kommen. Andererseits haben viele Staaten bereits Erfahrungen mit ansteckenden Krankheiten.

Samuel Burri

Samuel Burri

Afrika-Korrespondent

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Samuel Burri berichtet seit 2017 für SRF über das Geschehen in Afrika. Er lebt in Nairobi, der Hauptstadt Kenias. Der studierte Historiker war vor seinem Engagement bei SRF als freier Journalist in Ghana und Westafrika tätig.

SRF News: Wie gut ist Afrika auf das Coronavirus vorbereitet?

Samuel Burri: So gut, wie es geht. Anfangs konnte man nur in zwei Ländern überhaupt Tests durchführen. Heute ist das in mehr als der Hälfte der Länder möglich. Und viele afrikanische Staaten haben bereits Erfahrungen mit Infektionskrankheiten wie beispielsweise Ebola. Ich war vor einem Monat selbst unterwegs in mehreren Ländern, und an den Flughäfen wurde überall die Temperatur gemessen oder man musste Formulare ausfüllen und die Hände desinfizieren. Das war zu einer Zeit, als man in viele Länder Europas noch unkontrolliert einreisen konnte.

Überall in Afrika werden Grenzen geschlossen.

Wie ist die aktuelle Lage punkto Ausbreitung auf dem Kontinent?

Es gibt zwar erst rund 300 Fälle und sechs Tote. Doch es werden nun überall die Grenzen geschlossen. In Kenia hat der Präsident gestern bekannt gegeben, dass nicht mehr aus Coronavirus-Staaten eingereist werden darf. Die Schulen wurden geschlossen. Ähnliche Massnahmen gibt es auch in Ruanda, Südafrika und Ghana. Das Virus hat Afrika nun definitiv erreicht.

In Kenia wurden die Schulen geschlossen, obwohl es dort erst drei diagnostizierte Fälle gibt. Ist das eine Überreaktion oder ist es sinnvoll?

Es ist absolut sinnvoll, dass man jetzt die Schulen schliesst und möglichst viele Einschränkungen einführt. Es geht ja beim Coronavirus darum, die Ansteckungskurve flach zu halten. Experten sagen, es sind wahrscheinlich schon mehr als drei Menschen infiziert worden. Und wenn die Kurve steil ansteigt, dann wird das Gesundheitssystem hier innert Kürze absolut überfordert sein. Kenia hat 120 Betten bereitgestellt. Das reicht natürlich nirgends hin. Es gibt hier Spitäler ohne fliessend Wasser. Und dabei ist Kenia noch besser dran als die meisten anderen afrikanischen Staaten.

Kenia hat für Corona-Patienten 120 Betten bereitgestellt. Das reicht natürlich nirgends hin.

Was sind denn die grössten Probleme der afrikanischen Länder?

Es gibt wenige Spitäler und kaum Beatmungsmaschinen. Das heisst, Schwerkranke können nicht so gut versorgt werden. Dazu kommen viele weitere Krankheiten wie HIV, Malaria und Tuberkulose, bei denen noch unklar ist, wie genau das Coronavirus mit ihnen interagiert. Aber wer an mehreren Krankheiten leidet, hat wohl ein höheres Sterberisiko. Grundsätzlich kommt dazu, dass viele Leute hier schlecht ernährt sind und die Hygiene allgemein nicht so gut ist. All das wird die Auswirkungen des Virus wohl verstärken.

Das heisst, das Coronavirus könnte sich sehr schnell ausbreiten?

Ja, ich fürchte schon. Vor allem in Ballungszentren wie beispielsweise in Nairobi. Da gibt es Slums, in welchen Hunderttausende wohnen. Die Menschen sind in engen Minibussen unterwegs. Diese wurden bisher nicht verboten. Dafür sollten die Fahrer den Passagieren nun Handdesinfektionsmittel anbieten. Dabei ist Handdesinfektionsmittel schon lange ausverkauft.

Ich glaube, das Coronavirus wird Afrika nun mit ziemlicher Wucht treffen.

Irgendwann stellt sich generell die Frage der Versorgung, denn es kommen keine Schiffe mehr aus China an. Viele Menschen hier haben kaum Erspartes. Ich glaube, das Coronavirus wird Afrika nun mit ziemlicher Wucht treffen.

Das Gespräch führte Claudia Weber.

SRF 4 News aktuell, 06.50 Uhr; srf/eglc;snep

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Baumann  (Christian Baumann)
    Selbst wenn es nur halb so schlimm ist, wie die Bilder aus China und Italien uns glauben machen mögen, so haben die Menschen dort dies wirklich nicht verdient.
    Ich bete, obwohl ich das sonst nie tue, dass dieser Kelch an Afrika vorübergehen mögen.
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    1. Antwort von Chaiti Kimmler  (rainbowchai)
      Bewirkte Beten mehr als blosses Balsamieren der eigenen Machtlosigkeitswunde, sähe da unsere Welt nicht längst viel besser aus?
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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Ob die Menschen in Afrika, welche seit vielen Jahzehnten von ua Schweizer "Konzernen" skrupellos ausgebeutet werden (natürliche Ressourcen), wohl Hilfe, finanzielle Unterstützung von diesen "Konzernen" erhalten werden - aus humanitären Gründen -?
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    1. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Frau Casagrande, Sie machen offenbar Copy&Paste mit diesen bösen-bösen Konzernen. Ist ja sehr effektvoll. Immerhin wollen Sie die Schuld diesmal nicht der ganzen Schweizer Gesellschaft anlasten, sondern den Konzernen. Ich muss jedoch darauf hinweisen, dass wenn die Konzerne Afrika finanzielle Hilfe leisten, werden sie diese vom von den Steuern abschreiben dürfen. Das trifft dann wieder die Schweiz. Alles hat seinen Preis. Ich will diesen Preis nicht zahlen. Eine neue Theorie vielleicht?...
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    2. Antwort von Olivier Dombas  (mod)
      @Mano: Das ist das Problem. Wieso? Wir haben vieles wiedergutzumachen in den Entwicklungsländern.
      Wie wir im Moment sehen geht der Steuerüberschuss sowieso wieder an die Konzerne zurück.
      Sehr egoistisch und eurozentrisch diese Sicht.
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  • Kommentar von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
    Es wird wieder die Schwaechsten treffen, die die hunger haben ... die die dadurch krank sind... na es ist dann wenigstens vorueber.. das ungeheuerliche Elend...
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    1. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Herr Nanni, Hand aufs Herz: Die Entwicklungshilfe hat Jahrzehnte lang Kirchen gebaut und gemeinsames Musizieren gefördert. Mit so viel Geld konnte weder eine einfache, funktionierende med.-Infrastruktur, noch die Trinkwasserversorgung parat gestellt werden. Ebola zeigte uns auf, dass Urängste/-traditionen durch Bildung nicht entschärft werden konnten. Das Thema Bevölkerungsexplosion vs. Hunger ist immer noch Tabu. Quo vadis, Herr Nanni?
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    2. Antwort von Gerbrand Ronsmans  (GRo)
      @Mano Die Kirche und Musizieren ist ja dass Waffenarsenal womit ein paar weinige das Kontinent unter ihre macht stellten. Anschlissend ein Verschwindend kleine Teil an Elite Unis im Westen ausbilden und die organisieren dann der Endlose Unterdrückung und Nachschub an Bodenschätzen an den Westen. Was hat sich geändert? Nix, nur sind die Chinesen und Inder noch zu den Raub-laden dazu gekommen.
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    3. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Exakt, GRo. Allerdings heisst es ja immer, dass alle Menschen gleich sind. Jeder Afrikaner, den/die ich kenne, erscheint ausgesprochen kämpferisch und hat Pfuff. Wieso leht sich das Volk nicht gegen diese "ein paar wenige"? Ich meine, Völker Osteuropa wurden auch immer wieder unterdrückt, dann irgendwann hatten sie genug und gingen sie auf die Barrikaden. Das hat die Sowjetunion nicht überlebt, sogar die ganze Ost-West-Geopolitik musste weichen. Nicht allzu lange her. Was machen die Afrikaner?
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