Sie ist eine grosse Ehre für die Athletinnen und Athleten: eine olympische Medaille. Ein Andenken an den sportlichen Erfolg für die Ewigkeit. Doch die Olympia-Medaillen sind anscheinend nicht für ausgiebige Siegesfeiern gemacht. Panne nach Panne ereignete sich bei den Siegerinnen und Sieger.
Medaillen haben eine Sollbruchstelle
Bei mehreren an den ersten beiden Wettkampftagen geehrten Athletinnen und Athleten brach der Steg, also das, was die Medaille am Umhängeband hält.
Der deutsche Biathlet Justus Strelow ist das jüngste Opfer der Medaillen-Panne. Bei den Feierlichkeiten hüpfte der Drittplatzierte mit seiner Bronzemedaille herum, worauf sich die Medaille löste und zu Boden fiel.
«In dem Moment ist die Medaille auch zu Bruch gegangen, leider», erklärte Biathlet Philipp Nawrath das Malheur seines Teamkollegen, das das Team auch in einem Instagram-Video mit dem Kommentar «Hey Olympia, was ist mit den Medaillen los?» festhielt.
Zuvor war bereits Skirennfahrerin Breezy Johnson bei der Medaillenzeremonie im Überschwang der Gefühle ein ähnliches Missgeschick unterlaufen. Sie sei herumgehüpft und dabei sei ihre Goldmedaille vom Band gerissen, berichtete die US-Amerikanerin nach dem Triumph in der Abfahrt von Cortina d'Ampezzo.
«Nicht damit springen», sagte die 30-Jährige selbstironisch, als sie bei der Pressekonferenz nach dem Rennen die Einzelteile präsentierte: die Goldmedaille, das Medaillenband und den herausgerissenen Stift, der beides verbinden sollte.
Als weiteres Opfer meldete sich Eiskunstläuferin Alysa Liu, die am Sonntagabend mit den USA den Teamwettbewerb gewonnen hatte, bei Instagram zu Wort. «Meine Medaille braucht das Band nicht», schrieb sie zu einem Video.
Auch der schwedischen Langläuferin Ebba Andersson riss die Medaille vom Band, als sie nach ihrem Silber-Coup im Skiathlon zu ihrer Familie rannte.
Komitee ist sich des Problems bewusst
Andrea Francisi, einer der Geschäftsführer des Organisationskomitees, sagte zu den zahlreichen Fällen: «Uns ist die Situation bekannt, wir schauen, was das Problem genau ist. Das ist natürlich ein Moment, der für alle Athletinnen und Athleten sehr wichtig ist.»
Die Olympia-Medaillen wurden vom Istituto Poligrafico e Zecca dello Stato hergestellt, der staatlichen Münzprägeanstalt Italiens. Für die Produktion wurden recycelte Metalle aus eigenen Produktionsabfällen verwendet.
Nicht die erste Medaillen-Panne
Schon bei den Olympischen Spielen in Paris gab es Qualitätsprobleme mit den Medaillen.
Der französische Schwimmer Yohann Ndoye-Brouard hatte damals rund ein halbes Jahr nach seinem Erfolg ein Bild der Medaille auf der Plattform X gepostet. Unter dem Bild hatte der Olympia-Athlet geschrieben: «Paris 1924».
Auch US-Skateboarder und Medaillen-Gewinner Nyjah Huston hatte die Qualität der Medaille bemängelt. Das Ganze ging so weit, dass über 100 Athletinnen und Athleten ihre beschädigten Medaillen zurückgegeben hatten. Die staatliche Münzprägeanstalt Monnaie de Paris musste darauf die Medaillen ersetzen.